Altersvorsorge einmal ganz anders

20. Oktober 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Das Thema Altersvorsorge geistert zwar immer wieder durch die Medien, gilt aber nicht gerade als besonders sexy. Deshalb folgt hier der Versuch, es durch vier Prognosen, eine grundsätzliche Empfehlung – und später einige weitere – so spannend zu machen, wie es in Wirklichkeit ist…

Die bereits beschlossene und nun sogar noch nachgebesserte Senkung der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung ist, wie auch die etappenweise Erhöhung der ausgezahlten Renten während der vergangenen Jahre, ein wahltaktisch motiviertes Geschenk an Arbeitnehmer und Rentner, also an die Masse der Wähler; beide Maßnahmen werden in Zukunft den ohnehin arg strapazierten Bundeshaushalt über die Schmerzgrenze hinaus belasten.

Riester- und Rürup-Rente sind ebenso wie Kapital- und fondsgebundene Lebensversicherungen provisionsgetriebene Schüsse in den Ofen.

Die Lobby der Banken, Sparkassen, Versicherer, Fonds und übrigen sogenannten Finanzdienstleister ist in Berlin, Brüssel und wo es sonst noch um die eigene Interessenvertretung geht so stark präsent, dass die Interessen privater Anleger und Vorsorger mit Füßen getreten werden.

Parlamente und die ihnen angeschlossenen Ministerialbürokratien werden vor den Lobbyisten mit deren geballtem Know-how am Ende immer die Waffen strecken.

Wer privat fürs Alter finanziell vernünftig vorsorgen will, ist gut beraten, sich auf die wenigen kollektiven Einrichtungen zu beschränken, vor denen es kein Entrinnen gibt, wie gesetzliche Rentenversicherung und berufsständische Versorgungswerke. Was obendrauf kommt, sollte unbedingt individuell bestimmt werden. Provisionsmaschinen wie die unter 2. genannten Renten und Versicherungen gehören auf keinen Fall dazu.

Am 27. September fand im House of Finance der Frankfurter Goethe-Universität ein bemerkenswertes Symposium zur Riester-Rente statt, aus dem ich Ihnen hier nachträglich nur drei mitgeschriebene Zitate wiedergebe, die vom ganzen Wahnsinn der kollektiven Altersvorsorge zeugen.

„Die Renditen beim kapitalgedeckten Verfahren sind in der Tendenz niedriger als beim Umlageverfahren“ watschte Gustav Horn von der Hans-Böckler-Stiftung die Befürworter der Riester-Rente ab. „Man kann nicht gleichzeitig verkaufen und verbrauchergerecht beraten“ brachte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg die Kritik am Vertrieb der Riester-Rente auf den Punkt. „Die Schere zwischen der von Versicherern kalkulierten Lebenserwartung und dem tatsächlich zu erwartenden Lebensalter geht immer weiter auf“, rügte Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten die Methode, aufgrund derer die Renten aus Riester-Verträgen später viel zu niedrig ausfallen werden.

Während der Frankfurter Veranstaltung gab es auch eine ganze Reihe von Gegenargumenten. Die konzentrierten sich jedoch in erster Linie auf mathematische Spitzfindigkeiten. Dagegen blieben Hinweise auf die Möglichkeit, individuell vorzusorgen und bei dieser Gelegenheit gleich auch noch die viel zu hohen Abschlusskosten zu sparen, ebenso aus wie Tipps zur Mischung verschiedener Anlagen. Daraus lässt sich schließen:


Sobald die vermeintlichen Altersvorsorge-Experten über ihr Metier zu diskutieren beginnen, bemühen sie die Finanzmathematik zwar umfangreich im Hinblick auf die Lebenserwartung, ignorieren aber weitgehend die finanzmathematisch verheerende Wirkung der zu Beginn der Vertragslaufzeit kassierten Provisionen, dank derer Altersvorsorgesparer den Sparprozess erst einmal mit Verlusten anfangen.

Sieht man vom sogenannten Wohn-Riester ab, beschränken sich die kollektiven Systeme zur Altersvorsorge weitgehend auf Schuldtitel aller Art, wie Staats- und Bankanleihen, hier oder da garniert mit etwas Immobilien und Aktien.

Eine Vorsorge, die diesen Namen wirklich verdient, sieht anders aus.

Vorab: Wie bereits erwähnt, kommen die meisten Bundesbürger nicht um die gesetzliche Rentenversicherung herum, viele auch nicht um ihre berufsständischen Versorgungswerke. Wer gesetzlich rentenversichert ist, genießt indes das Privileg, von allen Politikern – egal welcher Couleur – hofiert zu werden. Das heißt, im besten Fall, wie zuletzt geschehen und aktuell geplant, steigen die Auszahlungen an die Rentner und fallen die Rentenbeiträge der Arbeitnehmer. Norbert Blüm, berühmt geworden durch seinen Spruch „Die Renten sind sicher“, lacht sich da nachträglich eins ins Fäustchen. Was aus der systemimmanenten Umlagefinanzierung – Arbeitnehmer zahlen für Rentner – im Fall hoher Arbeitslosigkeit wird, ist mit großer Wahrscheinlichkeit sekundär, weil dann wieder einmal der Bundeshaushalt in Anspruch genommen wird.

Wer freiwillig vorsorgen will, was ich allen Lesern nur dringend empfehlen kann, sollte zunächst die notwendigen altersgemäßen Versicherungen abschließen, also zum Beispiel allemal eine Privathaftpflicht-, zu Berufsbeginn eine Berufsunfähigkeits- und nach der Familiengründung eine Risikolebensversicherung. Welche in bestimmten Lebensabschnitten sonst noch zu empfehlen sind, können seriöse Versicherungsmakler aus dem Ärmel schütteln. Bestimmte Berater, die überwiegend auf Honorarbasis arbeiten, bieten sogar Lebenszyklusmodelle an, die auch die Altersvorsorge umfassen. Doch dieses Metier beherrschen Sie wahrscheinlich selbst am besten, weil Sie Ihre individuellen Ziele und Wünsche besonders gut kennen.

Wer sich schon im jungen Alter für langfristige Sparpläne interessiert, stößt neben provisionsträchtigen Kapital- und fondsgebundenen Lebensversicherungen über kurz oder lang auch auf Fondssparpläne, vor allem solche mit Aktienfonds. Der Grundgedanke, der sich dahinter verbirgt: Aktien sind langfristig attraktiv, sodass das sukzessive Einzahlen in einen entsprechenden Fondssparplan eigentlich Früchte tragen müsste. Doch dieser Grundgedanke wurde bis in die jüngste Vergangenheit leider immer wieder konterkariert: Abgesehen vom Ausgabeaufschlag, einer Art Provision, litten Anleger auch unter Managerwechseln, die manchen ehemals erfolgreichen Fonds plötzlich alt aussehen ließen, und – schlimmer noch – unter Fonds, die ganz vom Markt verschwanden. Und wie der spätere Ausstieg aus einem Fondssparplan zu bewerkstelligen sei, darauf hatten und haben die wenigsten Anlageberater eine passende Antwort.

Also hilft nichts, es sei denn, man nimmt die eigene Altersvorsorge selbst in die Hand. Damit sind wir, abgesehen von den politisch gewollten Segnungen der gesetzlichen Rentenversicherung und von der altersgemäßen Optimierung der richtigen Versicherungen, wieder bei unserem Dauerthema angelangt, der zeitgerechten Struktur der Anlagen, hier bezogen auf die Altersvorsorge. Diese ist ja nichts anderes als das Sparen auf eines von mehreren Zielen, die man im Leben hat, allerdings mit der Besonderheit, sich ihm möglichst früh widmen zu müssen. Dazu gehört neben der Auswahl der Anlagen auch deren Timing. Wer dagegen glaubt, ein Patentrezept etwa in Form langlaufender Kapitallebensversicherungen oder Fondssparpläne zu besitzen, ohne das Timing beachten zu müssen, könnte später der Altersarmut anheimfallen.

Aktuell ist nach wie vor eine auf Ihr Alter abgestimmte Mischung aus Gold und Silber, Aktien, Tagesgeld (auch zur Wahrnehmung von Schnäppchen) und einer selbst genutzten Immobilie die beste Wahl. Daran wird sich zumindest in den nächsten Monaten nichts ändern.

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3 Kommentare auf "Altersvorsorge einmal ganz anders"

  1. Reiner Vogels sagt:

    „Aktuell ist nach wie vor eine auf Ihr Alter abgestimmte Mischung aus Gold und Silber, Aktien, Tagesgeld (auch zur Wahrnehmung von Schnäppchen) und einer selbst genutzten Immobilie die beste Wahl.“

    Noch besser ist eine intakte Familie, in der man in der Not aufgefangen wird, sind lebenstüchtige eigene Kinder und Enkelkinder. Das war so, seit es Menschen gibt, und es wird immer so sein, solange es Menschen gibt. Menschen sind wichtiger als Sachen.

  2. MARKT sagt:

    In diesem Bericht ist vieles richtig.

    Aber ganz im Ernst: Honorberatung beinhaltet für 90% der Bevölkerung (leider) genauso viel Sexappeal wie ein Selbsstudium über die Funktion des bestehenden Kreditgeldsystems. Weil Gewohnheiten (in diessem Fall, kostenlose Beratung) über jahrzehnte indoktriniert wurden, soll und kann sich daran, bis auf weiteres auch nichts ändern.
    Altersvorsorge in die eigenen Hände nehmen, würde aber in der Mehrzah auch nicht funktionieren. Denn dies würde bedeuteten die Menschen wären der Interessengesteuerten Medienpropaganda noch stärker ausgeliefert.

    Natürlich ist die provisionsbasierte Beratung keine faire und zufriedenstellende Lösung. Aber gute, kompetente Beratung kann eben auch nicht kostenlos sein, und ein gewisses Durchhaltevermögen des Vorsorgenden ist eben auch notwendig damit ein auf Diversifizierung beruhendes Konzept auch zum Erfolg führt. Liegt es als tatsächlich ausschließlich an den Beratern, als nicht vielmehr auch an den, dem Privatanleger angebotenen „Finanzprodukten“?

    Übrigens, wie fühlt sich eigentlich ein Premiummodellfahrer (Audi, BMW, Porsche, Daimler), wenn er hört, dass mindestens 40% des Verkaufspreises Vertriebskosten sind? Bei Modellen ab oberer Mittelklasse sogar deutlich mehr. Wenn ich mir die stolzen Fahrer ansehe, offenbar sehr gut. Was wäre dass für ein Vorsorgepotential, egal ob eigene Beratung, Honorar-oder Provisionsberatung.

    Übrigens, ein (guter) Verkäufer verkauft seinem Kunden genau dass, was dieser Kunde auch kaufen will,-oder eben gar nichts. Auch aus diesem Grund sieht der „Normalkunde“ keine Veranlassung dafür
    auch noch (extra)etwas zu bezahlen.

  3. stephan sagt:

    Ich erläutere nachfolgend einmal, warum auch die Versorgungswerke keine gute Wahl in Sachen Altersvorsorge sind.

    Versorgungswerke areiten im Wesentlichen kapitalgedeckt (die gesetzliche Rentenversicherung dagegen bekanntgermaßen umlagefinanziert). Man könnte deshalb erwarten, dass sich die Einzahler ins Versorgungswerk besser stehen, denn ihr eingezahltes Geld „arbeitet“ ja. Fragt sich nur wie.

    Nach dem Focus-Artikel „Wer Verstand hat, kauft Gold“, in dem die jährliche Inflation in D. seit 1971, dem
    Wegfall des Goldstandards, mit durchschnittlich 2,8 Prozent angegeben wird (laut Studie der Deutschen Bank), habe ich eine Beispielrente mit einer derzeitigen Kaufkraft von 2.000 Euro einmal unter die Infaltions-Lupe genommen.

    1. Aktueller Kaufkraftwert ca. 2.000 Euro

    2. Jährliche durchschnittliche Inflation: 2,8 Prozent

    3. Rentensteigerung durchschnittlich 1 Prozent pro Jahr (= Annahme; 2012 waren es sogar nur 0,6 Pozent)

    4. Rentenbeginn in 21 Jahren

    5. Kaufkraftverlust bei 1,8 Prozent Inflation über 21 Jahre = 625 Euro

    6. Gegenwartswert in 21 Jahren = 1.375

    7. Kaufkraftverlust über 21 Jahre in Prozent = 31,25 Prozent!!!

    Auch die kollektive Alterversorgung über das Versorgungswerk ist also ein absolutes Verlustgeschäft. Bei der vom Versicherungsaufsichtsgesetz vorgeschriebenen Anlagepolitik (zum großen Teil festverzinsliche (Staats-) Papiere), dem auch die Versorgungswerke unterliegen, ist das auch kein Wunder.

    Gar nicht berücksichtigt ist der Fall eines Staatsbankrottes auch von D., der immer wahrscheinlicher wird.

    Das Beispiel zeigt: Völlig zu Recht empfiehlt Herr Gburek, die eigene Altersvorsorge auch selbst in die Hand zu nehmen. Das kostet allerdings Zeit für Recherche in Sachen Geldanlage und erfordert viel Disziplin, denn das Geld steht ja unter der eigenen Kontrolle. Man könnte es also jederzeit auch für „Konsum“ aus dem Fenster schmeißen (was im Übrigen keinerlei Denkleistung erfordert).

    Fazit: Alle kollektiven Altersvorsorgeformen sind riesige Verlustgeschäfte. Soweit man noch Geld für die Altersvorsorge übrig hat, sollte man sich unbedingt eine in Eigenverantwortung organisierte Altersversorgung aufbauen, die im Optimalfall zumindest die Inflation schlägt. Sobald man dazu aber Fremdleistungen (Versicherungen, Aktienfonds etc.) zur Hilfe nimmt, wird das Vorhaben, die Inflation zu schlagen, schon erheblich schwieriger, weil andere Leute von dem eingezahlten, fremden Geld per Provision leben wollen (und zwar nicht zu schlecht).

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