Alternativen im Zeitalter der Zinslosigkeit

26. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Seit geraumer Zeit ist ein Geldthema nicht mehr aus der öffentlichen Diskussion wegzudenken: Zinsen – bzw. was von ihnen übriggeblieben ist. Zuletzt sind Mainstreammedien wie „Der Spiegel“, „Bild“, ARD und ZDF massiv darauf eingegangen. Allenthalben herrscht Ratlosigkeit…

…weil es keine vergleichbaren Alternativen zu verzinslichen Spar-, Tages- und Festgeldangeboten gibt. Fonds aller Art sind keine, weil sie sich den Gesetzmäßigkeiten der Kapitalmärkte nur selten entziehen können.

Aktien sind keine, weil ihre Kurse stark schwanken und deshalb die Nerven der meisten Sparer zu sehr strapazieren.

Wohnimmobilien sind erst recht keine, weil ihre Mieterträge nicht zuletzt dank des allzu forschen Justizministers Heiko Maas mit seiner Mietpreisbremse in den Sternen stehen.

Und Edelmetalle werfen keine Erträge ab; sie sind eher eine Versicherung gegen den Geldwertschwund oder gegen den Zusammenbruch des Finanzsystems, dienen also nicht als Ertragsquelle.

Ich will Ihnen heute allerdings nichts vorjammern, sondern im Gegenteil das Positive der jetzigen Null- und Minuszins-Zeit herausstellen. Wie das? Ganz einfach: Die Zinslosigkeit regt zum Nachdenken über mögliche Alternativen an; das ist positiv zu beurteilen. Darüber hinaus wird Anlegern aufgrund dessen recht schnell bewusst, dass jede Geldanlage Risiken birgt, nun auch das scheinbar sichere Sparkonto, weil bei ihm unter dem Strich nicht mal ein Inflationsausgleich herauskommt.

Nachdem Anleger genug über Alternativen nachgedacht haben, wird ihnen klar, dass alles schwankt, nicht allein Aktienkurse und Edelmetallpreise, sondern eben auch die Zinsen auf dem Konto, die Kurse der Anleihen, die Preise von Fonds, von Immobilien und so weiter. Dieses Bewusstsein führt zwangsläufig zur Überlegung, man könnte die daraus entstehenden Zyklen zum eigenen Vorteil nutzen.

Kurzum, Anleger sind gezwungen zu spekulieren. Und sie sollten sich nicht der Illusion hingeben, jemand könnte ihnen die Aufgabe der antizyklischen Geldanlage abnehmen.

In letzter Zeit macht in Finanzkreisen ein Schlagwort die Runde, das es in sich hat: Robo Advice. Frei übersetzt: Anlagerat vom Roboter, das heißt, von einem Algorithmus, also einem schematischen Rechenvorgang Dazu eine kleine Anekdote:

Am 17. März fand das dritte Fintech Forum der Analystenvereinigung DVFA statt. Es war derart stark besucht, dass ihm am 10. Oktober gleich das Forum Nummer vier folgen soll. An jenem Märztag stellte die DVFA den anwesenden Anlageprofis die Frage: „Wird sich der Robo Advice gegen die Anlageberatung durchsetzen?“ Ergebnis: 68,75 Prozent Ja-Stimmen.

Fintechs sind elektronische Banken, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen. Sie dienen zuvorderst der Rationalisierung von bestimmten Teilen des Bankgeschäfts, unter anderem der Anlageberatung. Hier treffen Töchter von Großbanken auf Startup-Buden und sogar auf Medien. Dabei geht es primär um Rationalisierung, die im Bankgeschäft dringend nötig ist, und erst sekundär um die Qualität der Anlageberatung. Rainer Juretzek, Sachverständiger für Kapitalanlagen, hat dies in der April-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest nüchtern auf den Punkt gebracht: „Robo Advice kann gut gehen, aber man kann auch Geld verlieren.“

Früher wollten Banken und Sparkassen uns weismachen, ihre auf Fonds spezialisierten Tochtergesellschaften hätten nichts anderes im Sinn, als Kunden mit Geldanlagen der Art „Eier legende Wollmilchsau“ zu beglücken – bis sich auch in Kundenkreisen herumsprach, dass es dabei mehr um Provisionsschinderei als um dauerhaft positive Anlageergebnisse ging. Damit schwand der Glaube an den Automatismus erfolgreicher Anlagen, damals in Bezug auf Fonds. Dem Robo Advice wird es früher oder später ähnlich ergehen.

Das Fazit aus den hier angestellten Überlegungen können Sie sich jetzt denken; ich habe es in verschiedenen Kolumnen ja schon häufiger so umschrieben:

Glauben Sie an keinen Automatismus, der Ihnen bei Anlageentscheidungen helfen könnte, sondern konzentrieren Sie sich auf Ihre individuelle Finanzplanung. Die wird Ihnen umso besser gelingen, je mehr Sie sich mit Geldanlagen beschäftigen und Ihre persönlichen Geldziele verfolgen.

Dazu gehört übrigens auch, dass Sie vorübergehend Null- bis Minuszinsen in Kauf nehmen. Jedenfalls so lange, bis sich etwas Besseres findet. Dann sollte Geduld Ihre hervorstechende Eingenschaft sein – der nächste Zyklus, bei welcher Anlage auch immer, kommt bestimmt.
Manfred Gburek – Homepage

 

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