Alte Euros – neu verpackt

13. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Frank Meyer)

Götter sind zynisch. Und Geschichte reimt sich. Ausgerechnet im Archäologischen Museum in Frankfurt hat die EZB am Donnerstag ihre neuen Fünf-Euro-Scheine vorgestellt. Wer weiß schon, wann auch das „neue Geld“ in diesem Museum dauerhaft heimisch wird…

Oder im Geldmuseum der Bundesbank, wo alle Leichname gescheiterter Papierwährungen als Unterhaltung, Mahnung oder Warnung ausgestellt werden. Doch das ist eine andere Geschichte. Zudem ist der Euro eine Währung aus Baumwolle.

Millionen wenn nicht Milliarden Europäer werden am 2. Mai frenetisch die neuen Fünf-Euro-Scheine begrüßen. Viele von ihnen wissen noch nicht, dass sie bald Europäer werden, denn auf den neuen Scheinen grüßen seltsame Euro-Buchstaben: EYPO, EBPO. Vermutlich bekommt die Eurozone noch mehr Mitglieder. Russen? Inder? Chinesen und Marsianer? Nichts ist unmöglich! Europa.

Apropos… Europa – eine Frau aus der griechischen Mythologie wird auf den Scheinen zu sehen sein. Sicherlich wurde auch sie nicht um ihr Einverständnis gefragt. Spötter meinen, Medusa hätte besser gepasst. Was die Wenigsten wissen, sobald EU-Mitgliedsstaaten die Bedingungen erfüllen, sind sie auch zum Beitritt verpflichtet. Das birgt allerdings auch den Vorteil, im Falle der Fälle schnell unter dem alternativlosen und extra gigantisch großen Rettungssschirm Platz nehmen zu dürfen.

Gauner werden es künftig schwer haben, denn die neuen Scheine sollen noch sicherer vor Fälschungen sein. Es ist letztlich doch ein großer Unterschied, wer die Euroscheine auf den Kopierer legt. 2012 ist die Zahl der Euro-Blüten um 6,4 Prozent auf 41.500 Stück gestiegen, welche laut Bundesbank einen Schaden von 2,2 Millionen Euro angerichtet haben. Ich frage mich: Wer aber richtet den größeren Schaden an? Geldfälscher oder die EZB mit einer offizieller Kopier-Lizenz?

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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5 Kommentare auf "Alte Euros – neu verpackt"

  1. 4fairconomy sagt:

    Mehr Schein als Sein…

    Der Letzte Absatz über die Gauner „Geldfälscher“ ist als Satire wirklich gut. Wäre doch sicher etwas für einen der Politkabarettisten…

  2. FDominicus sagt:

    „Geldfälscher oder die EZB mit einer offizieller Kopier-Lizenz?“

    Ist das nicht etwas schwach formuliert. Ist es kein offizieller Kopier-Auftrag? Dazu noch ein Monopol?

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