Alte Besen kehren gut!

13. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Ist es nicht langweilig geworden? Wulff ist weg. Griechenland als Thema wirkt abgenutzt. Hypo Real Estate? Nicht schon wieder! Wie wäre es hiermit? Die deutsche Wirtschaft wäre künftig auf alte Menschen angewiesen. Das Gute-Laune-Roulette dreht sich munter weiter. Ewiger Rosenmontag. Die Narren ziehen umher. Scherzkekse sind noch immer unterwegs und bleiben das auch….

Nachdem sie eine Menge dieser Kekse vertilgt hatten, übergaben sie Folgendes: Ältere Arbeitnehmer sind in Superdeutschland gefragt wie selten zuvor. Ha! Das scheint nur knapp an der Wahrheit vorbei geschrammt zu sein. Früher hat man meistens bis zur Rente gearbeitet. Offenbar wurden die Alten damals noch gebraucht. Heute stimmt ihr Preis nicht mehr. Deshalb werden sie rechtzeitig aus den Unternehmen „entsorgt“ und durch mehr Leute aus der kostengünstigeren „Generation Ahnungslos“ ersetzt.

„Jetzt geht`s los!“ ruft Oma Erna aufgeregt. Bis heute musste sie sich als „Silver Ager“ auf ihren beruflichen Neustart vorbereiten und nach etlichen Nullrunden in der Rentenkassen sich in ihre Lage fügen. Nun aber ist aber Schluss damit und die Zeit reif für einen Neustart. In der Zeitung wurde sie und ihre Freunde aus dem Seniorenclub „Schattige Pappel“ als nicht ausgeschöpftes Potential ausgemacht.

Da simma dabei!

Alte! Fragt nicht, was das Land für Euch tun kann! Fragt lieber, was ihr für das Land tun könnt. Früher wäre bei diesem Satz die Feuerwehr gekommen oder die Männer mit weißen Jacken. Heute aber werden diese Schlagzeilen ganz ungestraft ins Wochenende gestreut – irgendwo platziert zwischen DSDS und dem Neuen bei Wetten dass. Gerüchten zufolge werden in den kommenden Wochen noch ganz andere Glückskekse über die Presse verteilt. Immer nur einer pro Woche… Vorerst…

1.Vollbeschäftigung! Wie sollen wir das nur schaffen?

2.Inflation auf ewig tot! Die Rückkehr des Wohlstandes

3.Lohnzuwächse im Portmonee entfachen Turbo-Kaufrausch

4.Zufriedenheitsskala mit Politikern überschreitet 100 Prozent

5.Soziale Marktwirtschaft ab heute voll etabliert

6.Rentenkasse explodiert!

7.Schäuble weiß nicht wohin mit den Milliarden!

Für verbale Untermalung des ganzen absurden Politprominenz-Gekreisches sorgen Fachleute, Lobbyisten und Wissenschaftlicher. Vielleicht ist irgendwo ein Ufo gelandet?

Doch langsam. Die Quote der „Erwerbstätigen“ zwischen 55 und 59 Jahren liegt offiziell noch bei 71 Prozent – und die der 60-64-jährigen bei 41 Prozent. Unter der Kategorie Hartz-IV kampieren noch mehr als 1,4 Millionen der über 55-jährigen. Das wird sich jetzt aber ändern. Viele werden seit Jahren schon, und das offenbar auch nicht umsonst, in Jobcentern mit Bewerbungskursen und vielerlei anderen „Maßnahmen“ auf ihre neue zweite Karriere vorbereitet.

Durchschnitt jenseits der Mitte

Es ist so einfach. Wer 45 Jahre lang ein Durchschnittseinkommen von 30.000 Euro im Jahr verdient, kann im Westen mit 1.224 Euro und im Osten mit 1.086 Euro an Altersrente rechnen. Statistisch. Aus unerfindlichen Gründen aber schaffen das aber nur vier von zehn Männern und bis jetzt leider nur jede 25. Frau. Demzufolge liegt die Durchschnittsrente im Westen bei 970 und im Osten bei 1.044 Euro. Frauen bekommen entsprechend weniger: Im Westen 473 und im Osten 676 Euro. Statistisch gesehen. Kann man da nix machen? Oh ja! Zuverdienen!

Was werden die Älteren gesagt haben, als sie am Wochenende gelesen haben, dass sie jetzt wieder gebraucht werden? Der feuchte Gehweg am Wochenende lässt den Schluss zu, es waren die Tränen der Freude unserer in die Jahre gekommene Nachbarschaft. Ja, ich gestehe. Ich als 43-jähriger habe auch meine Tränendrüsen dort ausgedrückt. Ich kenne viele in meinem Alter, die arbeitsmarkttechnisch längst zum alten Eisen gehören. Doch es kommt noch schlimmer… (—>Seite 2)

 

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12 Kommentare auf "Alte Besen kehren gut!"

  1. stonefights sagt:

    @Frank
    Danke für deinen aufbauenden Humor in Form von Sarkasmus.
    Mit diesem neuen literarischen Junk-Schuss gehts nun viel einfacher ins Hamster-Rad 🙂
    Nur einmal hast du wirklich daneben gegriffen, quasi den Wulff im Schafspelz vorgeGAUKelt :
    „Ich als 43-jähriger“
    lg, stonefights

    • Frank Meyer sagt:

      Seltsam. In der Nachbarschaft ist es heute verdächtig ruhig geblieben. Selbst die älteren Herrschaften gegenüber brüllen sich heute gar nicht an. Heiser? Vielleicht liegt es daran, dass sie nicht zu Hause sind. das erste Mal seit zehn Jahren.

  2. DukeNukem sagt:

    Wieder mal ein Artikel der zu 100% passt!

    Vor allem die Sache mit den ´´Unterstützern der Politprominenz´´ ist ein Volltreffer! Ich hab noch nie kapiert warum ´´Fachleute´´ irgendwelche Zahlen, Gutachten oder offizielle politische Meinungen als richtig erachten und diese in 100 Talkshows verteidigen, obwohl jeder, der fehlerfrei bis 3 zählen kann, erkennt dass die Dinger schöngefärbt sind dass sich die Balken biegen!

    Und erst recht zum kotzen ist dass in den Medien solche Themen total unkritisch behandelt werden und die offiziellen Zahlen (z.B. Arbeitslose) fröhlich unters Volk gebracht werden!

    @Frank
    Kriegst du nicht immer ne tierische Krawatte wenn du deine Texte schreibst?

  3. Avantgarde sagt:

    Die Rentenkürzung – ähh ich meinte die Rente mit 67 wird ihre Wirkung vermutlich nicht verfehlen. Vor allem wenn man das Ganze noch bis 69 erweitert.
    Direkt von der Arbeit auf die Bahre – billiger geht es dann wirklich nimmer.

    Wobei wie immer bei Durchschnitten ist das duchschnittliche Rentenalter ziemich Nichtssagend.
    Mag sein, daß man in einem Brüsseler Sessel etwas länger und bequemer sitzen kann.
    Bei körperlich schwerer Arbeitenden wird das schon schwieriger.
    Maurer, Fliesenleger, Dachdecker, Krankenschwester…..
    Man kann nur hoffen, der fehlende Ziegelstein, das lecke Dach oder die falsche Spritze trifft dann die Richtigen…. 🙂

    Die aufgeschlüsselte Statistik sieht in etwa so aus:
    http://demographie-netzwerk.de/trendthemen/gesund-arbeiten-flexibel-in-rente/der-mythos-vom-einheitlichen-renteneintrittsalter.html

    Ob bei der Wahrheit VT-Retard Kapseln helfen kann ich freilich nicht sagen.
    Ziemlich sicher dürfte aber sein, daß statt Sparen mit gekoppelter Spekulation an den Märkten für die Rente deutlich schlechter enden wird, als eine lebenswerte Umlagefinanzierung.

    Wegen dem Nachwuchs brauchen wir uns übrigens überhaupt keine Sorgen machen.
    Denn wenn wir es endlich geschafft haben Rest-Europa dem Spardiktat zu unterwerfen dann kommen die Zuwandererkinder von ganz alleine.
    Und vermutlich mehr als so manchem lieb sein wird – wetten?
    Braucht halt noch ein bischen Zeit bis die Griechen, Portugiesen, Spanier, Italiener…. die Zeichen der Zeit erkannt haben.

  4. ACHIM sagt:

    „Arbeitet man sich zu Tode, dann braucht es auch keine Rente mehr.“
    Du meinst „ein guter Kommunist stirbt mit 65“, wie man in der ehemaligen Täterätä zu sagen pflegte!

  5. […] viaAlte Besen kehren gut! | Rott & Meyer. Share| März 13, 2012 at 11:32 pm by admin Category: Allgemein, Arbeitsmarkt, Armut, Deutschland […]

  6. pat sagt:

    Ich plädiere für die Wiedereinführung der Sklaverei:

    Arbeitnehmer wandern in den Bilanzen von den Kosten zum Betriebsvermögen mit entsprechender Wertschätzung und Pflege zum Kapitalerhalt.

    Wenn ich mir ansehe wie liebevoll in Deutschland jeden Samstags Eigentum in Form eines Autos gehegt und gepflegt wird, dann habe ich den Eindruck ein Haussklave würde mehr Pflege bekommen als die eigene Ehefrau.

    Moderne Lohnsklaverei beutet Menschen aus, und wenn sie „verbraucht“ sind, werden sie einfach kostenneutral durch neue ersetzt.

    Armut es besser zum Ausbeuten von Menschen als die Sklaverei, denn von Sklaverei kann man sich befreien, von Armut nicht.

  7. Silberage sagt:

    Danke für diesen wieder so erfrischenden Artikel 😉

    Worüber ich jedoch gestolpert bin, ist mal wieder die Aussage, dass nach offizieller Lesart 41 Mio. Erwerbstätige im Lande sein sollen!

    Vor einigen Tagen ging groß durch den rauschenden Blätterwald, dass „23 % der Beschäftigten im Niedriglohnsektor“ beschäftigt sein sollen. Angefügt wurde hier gleich die Zahl ~ 8 Mio. Menschen. Und hier benötige ich als Ü50 doch bitte mal eine kleine Rechenhilfe:

    8 Mio. sind also grob gerundet 25 % der Beschäftigten; was nach Adam Riese für 100 % dann 32 Mio. ergibt.

    Beim Recherchieren was der Unterschied zwischen Erwerbstätigen und Beschäftigten ist, bin ich leider nicht weitergekommen. Scheint wohl identisch zu sein.

    Wo hat unsere nette Arbeitnehmerstatistik denn nun knappe und schlappe 9 Mio. Menschen versteckt, die nicht aufzutreiben sind?

    Wissen Sie es oder einer der hier Lesenden?

    • Frank Meyer sagt:

      Die BA-Zentrale meldet rund 41 Mio Erwerbstätige. 7.9 Mio oder 12% sind im Niedriglohnsektor beschäftigt. (Studie Uni Duisburg-Essen) Wer ein klein wenig arbeit, ist auch beschäftigt. ich schreibe dazu noch nen kleinen bösen Artikel am Freitag. Viele Grüße!

  8. Silberage sagt:

    Genau, diese Studie meinte ich; jedoch bin ich mir sicher, dass darin 23 % (und nicht die von Ihnen genannten 12 %) im Niedriglohnsektorbeschäftigten erwähnt wurden. Gelesen habe ich diese Zahl bei n-tv. Sollten sich da meine „alten“ Augen so verlesen haben? Oder hat n-tv die Daten falsch abgeschrieben?

    Bin auf jeden Fall gespannt auf Ihren Artikel 😉

    Einen schönen sonnigen Tag wünsche ich Ihnen 🙂

    P.S.

    Beschäftigter ist meines Wissens einjeder, der mehr als 3 Stunden in der Woche arbeitet. So ist das glaube ich, auch in der BA-Statistik ausgewiesen.

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