Altbekannte Ärgernisse

14. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Nein, ich will Sie nicht langweilen, aber der DAX ist schon wieder gestiegen. Er ist derzeit ein Selbstläufer bis er irgendwann stolpert oder stürzt. Experten sehen ihn, oh Wunder, von 12.800 auf 13.000 Punkte oder um zwei Prozent in den kommenden Monaten steigen. Dabei wissen wie weder, wo er am Montag eröffnen und erst gar nicht, wo er schließen wird. Aber das sind hochbezahlte Jobs. Es gibt viele Leute, die auf solche Aussagen mangels eigener Erkenntnis dringend angewiesen sind.

Ich staune ja vielmehr über die Zahlen aus der jüngsten Steuerschätzung von anderen staatlichen Glaskugelesern. Bis 2021 rechnet man in Berlin mit 54,1 Milliarden Euro an Mehreinnahmen. Mein Taschenrechner ist noch von der alten Generation. Der kannte nur Millionen. Bei Milliarden kommt Kunst beim Tippen ins Spiel. Die künftigen Taschenrechner müssten irgendwann fast einen halben Meter breit sein…

54.100.000.000.000 Euro… Moment, heißt dies, dass man uns diese Summe zusätzlich rauben wird? Plötzlich ist in den Märchenstunden des Wahlk(r)ampfes von Steuersenkungen die Rede, aus der wohl später leider nur eine Steuer-Versenkung wird. Angeblich bekommen wir 15 Milliarden Euro zurück. Hey, das wären für jeden 185 Euro im Jahr oder 50 Cents am Tag. Bloß nicht alles auf einmal ausgeben! Dann klappt es auch mit der Altersvorsorge. 

Christian Lindner (FDP) wirft der Regierung „kleptokratische Züge“ vor. Klepto… was? In einer Kleptokratie herrschen die Diebe und bestehlen die Bürger. Woher sonst kommen die Überschüsse während überall Geld fehlt?

Gleichzeitig läuft die kalte Progression heiß und Facharbeiter zahlen die gleichen Steuersätze wie ihre Chefs.

Nein, es geht uns gut. Es würde uns sogar noch besser gehen, wenn nur die Hälfte der Wahlversprechen aller Politiker umgesetzt würden. Bislang hat die FDP nur die Steuer für Hoteliers gesenkt und wurde dafür dann irgendwie von den Wählern versenkt. Wer weiß, was die FDP heute verspricht und morgen hält?

Doch freuen wir uns doch über den potentiell halben Euro mehr in der rechten Tasche, während zwei Euro aus der linken Tasche gezogen werden. Ich glaube diese Steuersenkungs-Fake-News erst, wenn ich das Geld habe. Glaube hat es ja nie eilig und stolpert immer vor der nächsten Wahl. Regierungen müssen doch etwas mit Gier zu tun haben und Wahlversprechen mit Versprechern. Nicht zufällig heißt das elektronische Steuerprogramm komischerweise auch noch (diebische) „Elster“.
Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (längere Fassung)

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