Als Nächstes: Direkte Staatsfinanzierung

12. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Wie zu erwarten, hat EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag gleich mehrere Kaninchen aus dem Hut gezaubert. Doch damit ist jetzt Schluss. Denn ohne es an die große Glocke zu hängen, ist er von der bisher üblichen ultralockeren Geldpolitik abgerückt, um sich insgeheim einer neuen, ultra-ultra-lockeren zuzuwenden…

… der direkten Staatsfinanzierung. Der Übergang wird gleitend sein, so wie bisher, aber in ganz anderen, viel größeren Dimensionen.

Wer im Internet google und dann entweder adair turner oder overt money financing (omf) anklickt, bekommt einige Beiträge in englischer Sprache serviert, die sich gewaschen haben (leider sind deren Übersetzungen ins Deutsche miserabel). Der Knackpunkt:

Adair Turner, früher Chef der britischen Finanzaufsicht, plädiert für eine offene dauerhafte Monetisierung von Staatsschulden durch alle großen Zentralbanken, also auch durch die EZB. Damit könnte die Fiskalpolitik Deutschlands und Italiens, der Niederlande und Frankreichs, Finnlands und Griechenlands – und so weiter – in einem großen Eurozonen-Topf verschmelzen.

Das bedeutet unter anderem zum Beispiel: Die jeweils an erster Stelle genannten, beim Geldausgeben gerade noch halbwegs disziplinierten Länder würden den weniger disziplinierten auf dem Umweg über die EZB aus dem Schuldensumpf helfen. Und: Die Monetisierung der Staatsschulden könnte beliebig verlängert werden. Das hätte aus staatlicher Sicht den Charme, dass all diese Schulden letztlich mit inflationiertem Geld zurückgezahlt würden.

Ich verdanke diese Erkenntnisse nicht allein Adair Turner, sondern vor allem auch Heinz-Werner Rapp, Anlagestratege der renommierten Vermögensverwaltung Feri AG. Er zählt gleich eine ganze Reihe von Gründen auf, warum die bisherige Geldpolitik versagt hat: Zentralbanken als Spieler, starke Kursschwankungen, Aufblähung und Umverteilung von Vermögen, Inkaufnahme von Risiken, Fehlinvestitionen, ertragsschwache Banken, weniger Kreditpotenzial, Verluste von Langfristsparern, Bargeldhaltung als Abwehrmaßnahme, zunehmender staatlicher Dirigismus, Fehlinvestitionen, sinkende Produktivität und geringeres Wirtschaftswachstum.

Was folgt daraus für Anleger?

Rapp hält die folgende Entwicklung für wahrscheinlich: weiter enttäuschende Konjunktur, China und die Schwellenländer bleiben relativ schwach, Gefahr von deutlichen Abwärtskorrekturen an den Aktienmärkten, Rücknahme der amerikanischen Zinswende vom vergangenen Dezember, Enttäuschung der Anleger wegen der unglaubwürdigen Geldpolitik der EZB, Einstieg in overt money financing noch im Verlauf dieses Jahres, was gut für Aktien und Gold, dagegen schlecht für Anleihen wäre. Zur Prognose bedient Rapp sich einer Art Ampelsystem von Dunkelgrün bis Dunkelrot. Demnach trifft derzeit auf keine Anlageklasse eines dieser Extreme zu. Als einzige ragt die Anlage in Gold positiv mit Hellgrün heraus, während Aktien, Rohstoffe und Währungen negativ mit Hellrot abschneiden. Wobei die hellrote Ampel für Aktien zumindest auf Gelb, wenn nicht sogar auf Hellgrün umschalten dürfte, sobald sich die Monetisierung der Staatsschulden andeutet.

Dass diese über kurz oder lang auf eine Inflation hinauslaufen wird, steht außer Frage. Doch auf welche Art von Inflation? Zur Debatte stehen die Inflation der Vermögenspreise, die Inflation der Güter- und Dienstleistungspreise, wie sie von Eurostat oder Destatis veröffentlicht wird, und eine Kombination aus beiden. Ich tippe auf Letztere, indes mit der Einschränkung, dass – wie bereits erwähnt – das in Anleihen angelegte Vermögen abschmelzen wird. Mit Gold und wahrscheinlich auch Silber dürfte man bis auf Weiteres am besten fahren, später auch mit Aktien. Mit Immobilien und allem, was als Sachwert gilt, dürfte man allerdings nicht uneingeschränkt glücklich werden. Denn zu beachten ist: Politiker warten nur darauf, bis sich eine Gelegenheit ergibt, Vermögen zu besteuern. Verschiedene Institutionen, unter anderem der Internationale Währungsfonds, haben ja schon häufiger darauf gedrungen.

Aus all dem folgt: Beachten Sie neben dem Timing die Risikostreuung, und zwar nicht allein über verschiedene Anlageklassen, sondern auch international. Nehmen Sie sich zur Vorbereitung sehr viel Zeit. Denn bis eine Entscheidung fällig wird, etwa für Gold und gegen Aktien jetzt oder für Aktien später und gegen Anleihen bis auf Weiteres immer, sollten Sie alles mindestens einige Male in Gedanken durchgespielt haben. So vermeiden Sie gravierende Anlagefehler am besten.
Manfred Gburek – Homepage

 

Ein Kommentar auf "Als Nächstes: Direkte Staatsfinanzierung"

  1. Avantgarde sagt:

    Japan lebt auch noch – und von Fukushima mal abgesehen gar nicht mal so schlecht aus Sicht des durchschnittlichen Bürgers betrachtet. Und eben auch trotz seiner Altersstruktur übrigens.

    Nun ist die EU aber eben nicht ein recht einheitliches Gebilde wie Japan.
    Die BIP-Verschuldung in J ist zugegeben horrend.
    Doch das ist sie auch in vielen Europäischen Staaten wie als prominentes Beispiel GR. Dumm nur, daß es in GR keine Weltfirmen wie Toyota, Mitsubishi, Honda, NTT, Sony, Canon, …….sitzen.

    EU ist nur im Durchschnitt gut – aber die Peripherie zerbröselt.
    Das wird uns mal noch das Genick brechen.

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