Alpträume mit Anleihen

26. Juli 2010 | Kategorie: Kommentare

Während alle wieder auf die Aktienmärkte schauen, steigen die weltweiten Renditen am Anleihemarkt seit ein paar Wochen kräftig an. Im Gegenzug fallen die Kurse und schreiben Verluste. Es könnte der Beginn einer viel größeren Bewegung sein, mit unangenehmen Folgen für die Investoren. Die deutsche Umlaufrendite schnellte binnen weniger Wochen von 3,6 auf 4,5% hoch. Wer vor ein paar Wochen beispielsweise deutsche Staatsanleihen kaufte, hat heute schon einen Verlust. Gleiches Bild gilt für Amerika.

Ich frage mich aber seit geraumer Zeit, wer dem Staat sein Geld zu solch aberwitzig niedrigen Zinsen borgt, während die Inflation doch wesentlich höher liegt. Mir scheint es ein schlechtes und zugleich dummes Geschäft zu sein, denen, die schon unendlich viele Schulden haben, und mit Geld nun wirklich nicht haushalten können, noch mehr Geld zu leihen. Herr Zwegert von RTL würde mir bestimmt zustimmen. Doch wer sind diese Investoren? Zunächst sind es diejenigen, die glauben, dass ihr Geld in diesem Markt gut angelegt ist. Dazu gesellen sich Länder wie China und Singapur, die mit ihren ihre gewaltigen Überschüssen nicht nur Politik machen können, sondern ihre Dollars auch irgendwo unterbringen müssen. Auch die großen Pensions – und Rentenfonds als Sammelstelle für Kleinsparerkapital sind hier unterwegs. Viele Kleinsparer wissen gar nicht, wo ihre monatlichen Sparraten landen.

Der weltweite Anleihemarkt ist inzwischen auf ca. 75 Billionen USD (75.000.000.000.000) angewachsen. Bewegen sich die Kurse der Anleihen nur um ein einziges Prozent hoch oder runter, geht es schon 750 Mrd. USD Gewinn und Verlust. Kein Wunder, dass man diesem Markt größte Aufmerksamkeit widmet und nicht nur verbal pflegt. Auch das in die deutschen Altersvorsorgeprodukte geflossene Geld parkt niedrig verzinst zum großen Teil im Anleihemarkt. Niedrige Zinsen und hohe Inflation könnten aber zwangsläufig dazu führen, am Ende als der Depp dazustehen. Vielleicht reicht das ausgezahlte und versteuerte Sümmchen gerade noch für ein paar Reistüten. Die Herausforderung für die kommenden Jahre ist und bleibt, besser abzuschneiden, als die Inflationsrate. Und da liegen Rohstoffe, Edelmetalle und Aktien vor ein paar Nasen weit vorn.

Über hohe Inflationsraten freuen sich aber weltweit die Finanzminister. Deutschland hat 1,5 Billionen Euro Schulden. Bei einer Inflationsrate von sagen wir mal nur fünf Prozent, würde sich der Staat so auf die kalte Art jährlich um ca. 75 Mrd. Euro „entschulden“.Wie hoch die wirkliche Inflation in Euroland liegt, darüber streiten die Experten und selbst in den Zeitungen werden die offiziellen Daten als zu niedrig bezeichnet. Auch der Bürger spürt ganz anderen Zahlen. Statistische Berechnungsmethoden machen`s möglich. Zwar wachsen bei hohen Inflationsraten die Gesamtschulden auf dem Papier weiter an, doch rechnet man die schwindende Kaufkraft des Geldes dagegen, sind auch die Schulden jährlich wesentlich weniger „wert“. Da die Schulden immer wieder mit neuen Schulden „refinanziert“ werden, sind vor allem niedrige Zinsen und eine höhere Teuerung die Voraussetzung für eine Fortsetzung dieser Praxis. Auf diese Art und Weise würde sogar eine „Entschuldung“ gelingen, wenn die Inflationsraten hoch und die Zinsen niedrig sind. (und natürlich der Staat nicht sofort alles wieder zum Fenster hinauswirft) Im Gegenzug verlieren Guthaben z.B. auf dem Sparbuch im gleichen Maße an Wert, wie die Schuldenlast des Staates sinkt. Man braucht natürlich auch genügend Käufer dieser Anlagen. Durch Rentenfonds, Pensionskassen und andere Einrichtungen wie Riester, Rürup & Co. ist zur Zeit noch dafür gesorgt, auch genügend Käufer zu finden. Irgendjemand wird die Zeche bezahlen müssen, am besten alle.

Dass die USA unter ihrer Schuldenlast noch nicht kollabiert sind, liegt eben an diesem System. Selbst bei jetzt 4,1% sind Renditen für die 10-jährlichen Anleihen am Anleihemarkt sind weiterhin extrem mickrig. Man glaubt den offiziellen Inflationsraten, auch wenn die nach ihrer Veröffentlichung jedes Mal den Anschein erwecken, kurz davor marktgerecht verprügelt worden zu sein. Doch Profi-Anleger werfen Ihren Blick nich nur auf die offiziellen Daten, sondern auch auf die Zahlen des Shadow Government Statistics. Dahinter steht der US-Ökonom John Williams. Er berechnet die Teuerung nach den alten Methoden, wie sie vor 1980 noch angewendet wurden. Und nach seiner Berechnung liegt die Teuerung in den USA bei 12 Prozent. Das hieße, dass Anleihen mit einer jährlichen Rendite von jetzt vier Prozent einn realen Verlust von acht Prozent einfahren. Na klasse!

Und wer als Europaer noch 37 Prozent Dollarverluste binnen fünf Jahren verkraften konnte, darf sich wohl Held nennen. Solange man aber genügend Abnehmer für weitere neue Anleihen findet, dreht sich Karussell weiter. Man braucht eben immer einen Dummen, der das finanziert. Ruhig schlafen mit Anleihen? Nur solange, bis der Wecker klingelt.

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