Null für alle!

30. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

„Das Vermögensrätsel“, „Es ist genug“, „Gleiches Erbe für alle“ (Süddeutsche Zeitung, 27.1.2016)

Offenbar dämmert dem Mainstream, dass die ebenso blauäugige wie verfassungswidrige „Flüchtlingspolitik“ der Kanzlerin doch nicht ganz umsonst zu haben sein wird. Statt eine rasche Kurskorrektur zu fordern, sieht man die Stunde gekommen, nun den alten Kampf gegen „die Reichen“ zu intensivieren, mit einem frisch importierten Heer von Armen an der Seite. Denn reich könne einer nur sein – so der sich moralisch gebende intellektuelle Kurzschluss –, wenn viele andere arm sind.

Dieser Linkspopulismus funktioniert schon deshalb gut, weil „die Reichen“ stets eine Minderheit sind. Deren Lebensleistung – ja, Vermögen soll auch durch Leistung, unternehmerisches Geschick und Sparsamkeit entstehen – ist stets bedroht durch die „demokratisch legitimierte Mehrheit“, die nur allzu gerne ein Stück weit auf Kosten anderer leben will – inklusive des gesamten staatlichen Umverteilungsapparats, der das ganz grundsätzlich tut.

In Neidgesellschaften wie der bundesdeutschen funktioniert das sogar besonders gut – da genügen ein paar Stichworte, um das Volk in Wallung zu bringen. Die Süddeutsche Zeitung widmete dem Thema „Soziale Ungleichheit“ sogar eine ganze Seite. Dabei soll im Übrigen nicht bestritten werden, dass es auch kaum zu rechtfertigende Formen des Reichtums gibt – Kriminalität gehört ebenso dazu wie die systematische Bereicherung und Bevorzugung abgegrenzter Personenkreise durch die Fehlsteuerungen des staatlich betriebenen Fiat-Money-Systems.

Mit solchen Fragen hält man sich bei der Süddeutschen aber erst gar nicht auf. Vielmehr wird hinsichtlich der Ungleichheit von Vermögen einfach postuliert: „Das ist nicht gut für die Gesellschaft.“ Warum das nicht gut für die Gesellschaft sein soll?

Wer „die Gesellschaft“ überhaupt ist, für die man sich da meint zum Fürsprecher aufzuschwingen? Fehlanzeige.

Natürlich ist man auch um „Lösungen“ nicht verlegen:

„Warum besteuert man die Reichen nicht einfach viel mehr?“, „Was ist mit der Erbschaftsteuer?“ „Warum ruht die Vermögensteuer?“ „Muss die Abgeltungsteuer steigen?“ „Hilft ein höherer Spitzensteuersatz?“ – soweit die Kapitelüberschriften, die direkt aus dem kleinen Einmaleins des Klassenkampfes stammen könnten. Und auch bei der Verwendung des zu raubenden Vermögens ist man um „Ideen“ nicht verlegen: „Was ist mit einer Erhöhung von Hartz-IV?“

Man fragt sich bei der Lektüre, wer eigentlich die „Alpen-Prawda für gut 650 EUR/Jahr abonniert und liest? Hartz-IV-Empfänger? Oder zielt man bereits auf die Steuerzahler-Zwangsfinanzierung des eigenen Blattes durch eine neue Medienabgabe mit anschließender „Kostenlosverteilung“ in jedem Haushalt? Wir wissen es nicht.

Ein besonderes Kleinod kommunistischer Pseudophilosophie ist der Beitrag „Gleiches Erbe für alle“ über eine Forderung von Guy Kirsch. Erst in der Unterüberschrift macht man sich ehrlich, denn das „gleiche Erbe für alle“ bedeutet in der Praxis schlicht Null: „Besteuerung von 100 Prozent“ heißt es da – alles also für den Staat!

Schon das Zitat des Ökonomen ist bemerkenswert:

„Es ist schlicht ein Unding, dass die Toten über das Leben der Lebenden entscheiden.“

So macht man gefühlige Propaganda. Natürlich entscheiden nicht Tote, sondern Lebende. Und die entscheiden auch nicht über das Leben der Lebenden, sondern legitimer Weise darüber, wem sie mit ihrem(!) Vermögen etwas Gutes tun wollen. In der Regel wird ein Erblasser der eigenen Familie oder einer karitativen Organisation näher stehen als dem Finanzminister – Ausnahmen bestätigen die Regel. Auch ist das Argument, die Erben hätten nichts zum Vermögen beigetragen, bei vielen Familienbetrieben offensichtlicher Unsinn. Der Staat, der stattdessen kassieren will, hat sicher noch weniger dazu beigetragen – besonders am Hochsteuer- und Hochbürokratie-Standort Deutschland.

Natürlich sind dem Ökonomen Kirsch die Konsequenzen einer 100% Steuer klar, oder sollten ihm zumindest klar sein. Vielleicht kann der Staat im ersten Durchgang die Menschen tatsächlich berauben. Aber bereits wenn ein solches Gesetz auch nur ernsthaft diskutiert würde, setzen die Zweit- und Drittrundeneffekte ein. Menschen passen sich an die Rahmenbedingungen an. In einem Staat, der die Lebensleistungen seiner Bürger für sich reklamiert, wird schlicht weniger geleistet und weniger umverteilbares Vermögen entstehen – sei es durch äußere, sei es durch innere Abwanderung. Wer Nicht- und Minderleistung belohnt, wird perspektivisch genau das ernten – ein Herr von Nicht- und Minderleistern.

Vielleicht ist aber auch genau das die Intention einer solchen Politik. Je mehr Abhängige ein solcher Staat produziert, desto stabiler wähnen sich dessen Funktionäre im Sattel, bis sie irgendwann doch hart von der Realität eingeholt werden. Über einige der grundsätzlichen Webfehler eines auf die Spitze getriebenen Sozialstaats haben wir uns übrigens im aktuellen Smart Investor 2/2016 im Rahmen unserer Rubrik „Österreichische Schule“ Gedanken gemacht – das Heft erscheint dieses Wochenende.

Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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