Alltagserfahrungen: Der Trend ist Dein Freund … bis der Discounter wiedereröffnet…

26. Januar 2017 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Gelegentlich lassen sich in Alltagssituationen Mechanismen entdecken, die in ähnlicher Form auch im Börsengeschehen zu finden sind – dies natürlich besonders dann, wenn das Auge für derartige Prinzipien ohnehin geschärft ist…

Auf der anderen Straßenseite der Smart-Investor-Redaktion befindet sich eine gut besuchte Filiale einer Discount-Kette. Allerdings wird diese nun für vier Wochen renoviert. Für die täglichen Besorgungen verteilen sich die Käufer während dieser Phase daher tendenziell auf die umliegenden Geschäfte. Offensichtlich war man sich nicht in allen Geschäften der näheren Nachbarschaft über die Ursache des plötzlichen Kundenandrangs bewusst. Leicht, allzu leicht, mag man versucht sein, den „Erfolg“ auf eigenes Tun zurückzuführen – etwa einen besonders gelungenen Flyer oder überzeugende Wochenangebote. Die Tendenz, sich Erfolge selbst zuzuschreiben, während Misserfolge eher als Folge nicht vorhersehbarer Widrigkeiten eingestuft werden, kennen Anleger nur zu gut. Bevor man also an die große eigene Weisheit glaubt, lohnt es sich allemal der Blick um die Straßenecke.

Sonderkonjunktur mit Verfallsdatum

Für Börsianer hält das Ganze noch eine weitere Lehre bereit: Wer sich alleine auf einen solchen Trend verlässt, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung von den dahinter stehenden Kräften zu haben, für den kann es ein böses Erwachen geben. In unserem Beispiel droht dieses in nunmehr zweieinhalb Wochen bei Wiedereröffnung des Discounters, was traditionell mit einigen Schnäppchenangeboten verbunden sein wird. Dass die Wiedereröffnung pünktlich stattfindet, kann man getrost einmal unterstellen. Schließlich ist der Betreiber ein höchst professionell geführtes Unternehmen und die Liegenschaft kein Flughafen.

In diesem Fall wird der Abriss der Sonderkonjunktur für die umliegenden Händler allerdings nicht sonderlich überraschend kommen, denn die Ursache der verlagerten Kundenströme hat sich inzwischen längst herumgesprochen. Für Börsianer ist es allerdings ungleich schwieriger, zutreffend die Kausalitäten hinter einer Kursbewegung zu identifizieren, ganz zu schweigen von der Möglichkeit, deren Ende punktgenau vorherzusagen. Daher ereilt sie ein „Crash“ (= Wiedereröffnung des Discounters) regelmäßig auch ziemlich unvorbereitet.

RealDonald und die Zins-Realität

Mit dem richtigen Einsatz von Fremdkapital sollte er sich auskennen, der neue US-Präsident Donald Trump. Zumindest legt dies seine Vergangenheit als Immobilien-Tycoon in New York nahe. Liest man sein erstes Buch „The Art of the Deal“, wird sehr schnell klar: Dieser Mann ist meist ans Limit gegangen, was die Aufnahme von Schulden betrifft.

Gleichzeitig hat er jedoch stets versucht persönliche Haftung zu vermeiden. Man könnte nun gehässig sagen: Da ist er ja in der Politik genau richtig. Und es passt wunderbar, dass er im Wahlkampf viele teure Versprechen abgegeben hat.

Was an den Anleihemärkten bereits unmittelbar nach der Wahl für Unruhe gesorgt hat. Schließlich gehen die Märkte davon aus, dass Steuersenkungen, Infrastrukturprogramme und nicht zuletzt der Mauerbau zu Mexiko gewaltig ins Geld gehen dürften. Seit dem 8. November zogen dementsprechend die Renditen bei den zehnjährigen US-Bonds um knapp 0,7% an. Allerorten macht daher das „Gespenst“ von der Zinswende die Runde. Doch welche konkrete Politik wird auf die Ankündigungen Trumps folgen, und welche Konsequenzen wird dies für die Anleihe- und Zinsmärkte haben?

Im neuen Smart Investor, der am Samstag in Ihrem Briefkasten ist, haben wir zwei wirtschaftliche und politische Szenarien für die Ära Trump durchgespielt, um die Chancen einer Zinswende auszuloten. Daneben haben wir uns mit den ganz praktischen Konsequenzen für den Anleger befasst – auch aus europäischer Sicht.

Antizyklisch in Asien

Völlig unter dem Radar vieler Anleger ist in den letzten Monaten dagegen der asiatische Kontinent gewesen. Eine Mischung aus Angst vor einem China-Crash, Trump-Rally in den USA und einem starken US-Dollar ließ vor allem die Emerging Markets der Region unattraktiv erscheinen. Allein aus antizyklischer Sicht lohnt daher der Blick nach Asien.

Natürlich sorgt auch hier die Wahl von Donald Trump für Anpassungsbedarf bei der Strategie. Denn sollten dessen protektionistische Pläne tatsächlich Realität werden, dürften insbesondere die Export-orientierten Volkswirtschaften stark darunter leiden. Obwohl China noch immer als die Fabrik der Welt wahrgenommen wird, hat man dort bereits entscheidende Fortschritte in der Transformation zu einer stärker an der Binnennachfrage orientierten Volkswirtschaft gemacht. Mit welchen Aktien Sie diese Themen am besten spielen können und welche asiatischen Länder sie dabei auf dem Schirm haben sollten erfahren Sie ebenfalls im neuen Smart Investor 2/2017.

Zu den Märken

An Donald Trumps erstem Tag im Amt traten die Börsen auf der Stelle. Im Dow Jones ergab sich per Saldo ein Miniminus von 0,14%. In zahlreichen Börsenkommentaren wurde hier eine wenig überzeugende Kausalität zwischen „Marktschwäche“ und Amtsantritt konstruiert. Nachdem nun aber der Dow-Jones-Index heute die Marke von 20.000 Punkten überschritt und der DAX mit einem Aufwärts-Gap nach oben sprang (vgl. Abb.), finden die Kommentatoren zur Schmallippigkeit der letzten Monate zurück.

2017_01_25_DAX

Von einem „Trump Effekt“ wollten da viele nicht sprechen. Denn vor der Wahl am 8.11. versicherten uns die Experten, welche Katastrophe eine Trump-Präsidentschaft für Wirtschaft und Märkte sein werde. Zwar können Katastrophen auch weiter und jederzeit eintreten, aber bei diesen Prognosen war wohl vor allem der Wunsch der Vater des Gedankens – der Wunsch nach einem anderen Präsidenten. Aber die Märkte quittierten bereits den Wahlausgang mit einer kräftigen Aufwärtsrally.

Tatsächlich sind monokausale Erklärungen für Kursbewegungen in aller Regel ohnehin nicht zutreffend. Gerade in der Frühphase des Findungsprozesses einer neuen Regierung – besonders einer, die angetreten ist, so vieles anders zu machen – dürften die Erwartungen und Projektionen der Marktteilnehmer viel entscheidender sein, als die konkreten Taten der politischen Akteure. Und solche Erwartungen bzw. Projektionen sind nun einmal extrem flüchtig.

Für die politischen Kommentatoren dürfte das vielleicht ernüchterndste Ergebnis sein, dass ihnen weder die Wähler noch die Marktteilnehmer gefolgt sind. Auch das kann sich selbstverständlich wieder ändern. Für den DAX ist der heutige Tag jedenfalls ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg nach oben. Und der Trend ist eben doch des Anlegers Freund, bis, ja bis er eben endet, oder der Discounter um die Ecke seine Filiale wiedereröffnet.

Fazit

Wer mit offenen Augen durch den Alltag geht, kann erstaunliche Parallelen zum Börsengeschehen sehen. Eins zu eins darf man es freilich nicht übertragen.

© Ralph Malisch, Christoph Karl – Homepage vom Smart Investor

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.