Alles über nichts wissen

20. Mai 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Der Vorwahlkampf in den Staaten liegt in den letzten Zügen. Die deutsche Presse muss sich noch daran gewöhnen, dass derjenige auf den sie munter bis hilflos eingedroschen haben, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner sein wird…

Donald Trump hat das versammelte Gegenangebot seiner Partei vom völlig überforderten Jeb Bush bis zur Randfigur Fiorina abgearbeitet. Wer sich einige der Reden und Veranstaltungen angeschaut hat, der weiß, es handelt sich nicht im geringsten um den Effekt plumper Herumschreierei.

Es ist vielmehr eine im Vergleich zur Konkurrenz geradezu überschäumende Energie gepaart mit beeindruckenden rhetorischen Fähigkeiten, die Trump auch aus verzwickten Diskussionen nicht nur schadlos sondern meistens auch als überlegen hervorgehen ließ. Das sollte man anerkennen, ob man mit den Inhalten übereinstimmt oder nicht. Wer das weiterhin negiert, was vermutlich vor allem diejenigen tun, die ihre Informationen über Trump von der GMX-Startseite oder der Meinung des kleinen Moritz in der deutschen Standardpresse beziehen.

Allein die offensichtliche Auswahl vorteilhafter oder unvorteilhafter Fotos je nachdem, ob man dem Kandidaten wohlgesonnen ist oder nicht, spricht Bände und zeigt die fast abgeschlossene Verquickung von Bericht und Kommentar in vielen deutschen Medien.

more to come

Helfen wird es freilich nicht, denn Hillary Clinton dürfte nicht nur angesichts einiger ungeklärter Fragen wie bei der E-Mail Affäre wenig Freude an einem Präsidentschaftswahlkampf mit Trump haben. Nicht nur auf die rhetorischen Artilleriegefechte zwischen Clinton, die wie Obama gerne den Teleprompter nutzt und Trump der frei spricht, versprechen Spannung.

Auch inhaltlich gibt es einige weit reichende Unterschiede, die sich von den marginalen aber aufgebauschten Themen wie der Sicherung der Grenze zu Mexiko deutlich abheben. Zwischen Mexiko und den USA existiert eine Grenze und ein Zaun. Dem einen genügt das, der andere hätte gerne ein Mauer vom Ausmaß der chinesischen Mauer – so what?

An diesem Thema kann man sich wunderbar abarbeiten, viel spannender sind jedoch die außenpolitischen Themen, wie etwa die sehr kritische Haltung Trumps zur NATO. Dieses Bündnis ist eine Institution aus der Zeit des kalten Krieges. Wie andere zu früheren Gelegenheiten gegründte Institutionen ist auch mit der NATO Macht verbunden. Macht für einzelne Länder und Macht für einzelne Personen. Das gilt für das Militätbündnis wie für den IWF oder die Institutionen der Europäischen Union.

Solche Apparate neigen nicht dazu, sich selber abzuschaffen, wenn man sie nicht mehr benötigt. Sie verstetigen sich, suchen sich neue Betätigungsfelder und reden dauernd von der eigenen Bedeutung. Die Fragen, die Trump zur NATO gestellt hat sind allerdings durchaus berechtigt. Warum sollten die USA, die den Großteil der Organisation ausmacht, sich in Übersee massiv engagieren und ebenfalls nicht am Hungertuch nagende Länder wie Deutschland schützen? Das sollten diese doch selber erledigen können.

FOX Poll

Nun wäre Deutschland vermutlich nicht in der Lage sich gegen einen ernstzunehmenden Gegner zu verteidigen, aber das ist das Problem Deutschlands. Da das Leben ja ein Ponyhof ist und Kriege nur den anderen auf deren Territorium passieren, benötigt Deutschland 2.0 natürlich keine ernstzunehmende Armee. So kann man prima den Pazifisten raushängen lassen, sich das Militär von anderen borgen und immer feste draufhauen, wenn es um die Höhe des amerikanischen Militärbudgets geht.

Eigentlich müsste also Trumps Vorschlag bis hin zu dem Gedanken, auch eine Auflösung der NATO nicht auszuschließen bei einigen Parteien Zustimmung finden. Da die NATO sich nicht nur in den letzten Jahren nicht ausschließlich mit Ruhm bekleckert hat, müsste doch bei einigen Jubel aufbranden. Das wollte man doch schließlich immer, oder?

Aber natürlich ist es einfach etwas zu fordern, dessen Folgen man zwar nicht tragen will, von dem man aber ohnehin weiß es wird nicht eintreten. Wenn die Europäer sich plötzlich wieder alleine um ihre Verteidigung kümmern müssten, darf man auf die Budgetdiskussionen gespannt sein.

Immerhin, so schafft man Stellen im Rüstungssektor und Arbeitsplätze sind ja immer das wichtigste. Aber Halt, dann müsste ja vorher Trump gewinnen. Na sowas aber auch.

Solange dem Medien-Michel angesichts eines möglichen Wahlsiegs Trumps der Griffel schlottert darf der deutsche Bürger noch die letzten „starken Signale“ des von vielen Medien so geliebten Präsidenten Obama genießen. Ein geradezu aufrüttelndes Zeichen dieser Art setzte er unlängst in Hiroshima, Japan.

Er war da, hat nicht viel gesagt, aber er war da. Jeder der auch mal dort war, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, wie albern dieses Zeichen ist. Aber Japaner sind bekanntlich hart im Nehmen.

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