Alles super! Super Tag für Super-Mario

5. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

Kommentar von Frank Meyer

Was für ein Tag! Auch für Sie? Super-Mario meuchelt weiter den Leit-Zins und verkippt kanisterweise Super. Der DAX schaut superlocker über 10.000 Punkte. Was eine kleine Leitzins-Senkung doch so alles an Super-Empörung in der Öffentlichkeit produziert. Jetzt erst? Endlich! Super!

Hat da jahrelang niemand aufgepasst? Plötzlich heißt es, die EZB enteigne die Sparer. So ein Quatsch! Das macht sie schon länger – und nicht nur die EZB. Gibt es keine Taschenrechner mehr? Oder hat man die Bedienung eines solchen verlernt?

Die Öffentlichkeit hat wieder ein dankbares Thema. Ich höre schon die Gespräche an den Stammtischen, wenn man überhaupt etwas von der EZB mitbekommen hat – und „Draghi“ auch gerne mal mit einem Lutsch-Dragè aus der Apotheke verwechselt. Kein Geld mehr aufs Sparbuch! Noch n Bier…! Fast die Hälfte der Deutschen hat ohnehin nichts gespart. Aber die andere Hälfte hat 1,9 Billionen Euro. Und dort denkt man heute nach…

Seit mindestens vier Jahren hätten die Alarmanlagen anspringen und diesen für die Polizei irrelevanten Diebstahl melden müssen, dass die Teuerung nach offizieller Lesart höher ist als die Verzinsung von Guthaben. Jetzt, da der Leitzins um 0,1% gesenkt wurde, werden selbst die verbissenen Finanzredakteure wach und tun empört. Sie sagen, sparen lohne sich nicht mehr. Unsinn! Wenn man flexibel sein möchte, muss man sparen, aber doch nicht nur Baumwolle mit lustigen Brücken und Zahlen.

Freundlich enteignet!

Politik und Geldpolitik enteignen die Leute auf die kalte Tour. Ist das neu? Aber zu dieser Erkenntnis hatte kaum jemand den Mut. Zudem waren die meisten Redakteure damit beschäftigt, die Experten zu fragen, wann der DAX endlich die 9.000 und dann die 10.000 Punkte erreicht.

Nach dieser Party aus weißem Rauch, großen Worten und Schüssen aus einer extra-dicken Bazooka zählen manche ihre Groschen zusammen, wenn vorhanden… Dann fällt es plötzlich auf, nur weil es den anderen aufgefallen ist, dass die Zinsen aufs Girokonto, auf Termin – und Tagesgelder ins Bodenlose gefallen sind… also von sehr wenig auf sehr sehr wenig. Gratulation für den Geistesblitz!

Schon morgen früh werden wir dann mit Beitragen gequält, wie man dem Null-Zins entgehen kann – vielleicht mit windigen Zertifikaten inklusive Kapitalschutz und anderem Finanzschmutz, wo etwas mehr Rendite drauf steht? Höheres Risiko? Man wird zugleich Herrn Draghi für einen Mut feiern und zugleich die Zinslosigkeit auf den Konten beklagen. Geht`s noch?

Dann werden Mittelstandsanleihen für sieben Prozent im Jahr als Alternative angepriesen, die Prokons von morgen, von denen schon die ersten geplatzt sind? Spätestens beim DAX 15.000 werden Aktien als Alternative durch den finanziellen Mediendschungel verpresst. Aber nur die ganz soliden Papiere!

Oder man sollte auf Immobilien setzen, in bester Lage natürlich. Am besten auf Kredit sparen. Das eine schließt das andere zwar aus, dieser Geistesblitz wird erst bei DAX 20.000 zuschlagen.

Zwischendurch werden die geschätzten 15 Millionen Finanzexperten empfehlen, sein Geld auszugeben. Shoppen kurbelt doch die Wirtschaft an, selbst wenn die Kurbel fehlt. Nur hat man nichts davon, außer weniger Geld. Aber sei`s drum. Sich reich shoppen hat selten funktioniert.


Und was ist mit Gold?

Bloß nicht! Das bringt doch keine Zinsen! Ha Ha! Ha!

Ist es ein Unterschied, ob man ein Kilo Baumwolle besitzt oder ein Kilo Gold. Nein? Gold ist ja böse! Nur Mario ist gut. Und wenn, dann kauft man ein paar verrückte Goldpapiere für Schönwetterzeiten aus dem Schoß der Finanzindustrie. Sie will Ihr Bestes. Schließlich hat sie die Erfahrung und Sie das Geld. Zwei Jahre später ist es umgekehrt.

Bloß nix Echtes! Baumwollscheine ist ja auch kein echtes Geld. Oder sehe ich das falsch? Zudem ist Gold ja im Gegensatz zum DAX um ein Drittel billiger geworden. Dann lieber das Teurere kaufen. Wenn schon, denn schon… ! Die 25% Abgeltungssteuer auf die Gewinne gehen an die Zombies.

Zehn Prozent auf alles!

Ich hätte die Leitzinsen heute auf zehn Prozent gesetzt und dann zugeschaut, wie die Zombies binnen einer Woche den Bach hinunter gespült worden wären. Drei Prozent hätten es auch getan, aber nach sechs Wochen oder sechs Monaten wäre die Sache bereinigt. In der Zwischenzeit wäre ich nicht vors Haus gegangen. Aber das hätte man schon viel früher machen sollen und müssen. Jetzt halten wir die finanziellen Nichtsnutze künstlich am Leben. Mit einer kleinen Bereinigung zwischendurch wäre uns diese Zinspolitik von heute erspart geblieben und auch die Kosten im Billionenbereich.

Und dennoch… diese 0,1% weniger Leitzins machen zwar das Kraut nicht mehr fett, sagt der Vogtländer. Die Leute sollten (und werden) merken, was eigentlich vor sich geht. Die Wenigsten von ihnen werden das verstehen, aber instinktiv handeln. Sie werden das Falsche tun und das Richtige lassen und das eine vom anderen später zu unterscheiden wissen.

Dabei zahlen sie Lehrgeld und den Unterschied zwischen Geld und Kredit, zwischen Soll und Haben, zwischen Geldversprechen und Eigentum. Das wird, so schätze ich, weitere Billionen kosten und Manchem sein Ganzes. Aber Super-Mario hat heute nicht nur die Zinsen gesenkt, sondern einen Denkstein gesetzt, einen zum Ge-Denken. An diesem kann man seine Gedanken abarbeiten. Dafür stehen 0,15 Prozent. Und man kann und muss in die Handlungsebene kommen. Danke, Mario!


 

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