Nachtigall, ick hör dir trapsen

6. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Die Nachtigallen rufen es aus den Büschen, irgend etwas stimmt nicht. Sie rufen sogar am Tag. Offenbar gibt es auch „Tag“igallen. Vermutlich rufen sie sich, wie immer im Mai, obszöne Dinge zu, vielleicht aber auch die neuesten Benzinpreise oder diskutieren über den neuen Butter- und Milchkrieg im Supermarkt…

Ich kann kein „nachtigallisch“, dennoch ist es laut wie bei den Nachbarn, die sich stündlich über Benzinpreise unterhalten. Eine Meldezentrale für Preisveränderungen schnell Abhilfe schaffen. Nachtigall, ick hör dir trapsen. Die umfangreichen Datenmengen zu verarbeiten, braucht Leute, wird die Arbeitslosenstatistik entleeren und die Quote ins Minus lenken. Vorausgesetzt, die Preismelderei wird ausgeweitet. Ein erster Schritt hin zu Preiskontrollen? Das hat schon was! Auch die FDP als Partei für freie Märkte setzt sich für Kontrollen ein. Am Wochenende gewinnen die Liberalen mit mindestens 104 Prozent.

Interventionismus und Interventionen an der Preisfront bringen Leute in Verzückung. Wenn Preise sich so flach entwickeln wie das Kardiogramm einer toten Nachtigall, herrscht Stabilität – etwas worin die EZB versagt hat. Auf ihrer Sitzung in Barcelona mussten 8.000 Polizisten ihre Arbeit vor Demonstranten schützen. Es gab sogar wieder Grenzkontrollen. Nicht auszudenken, wenn das auf Börsen übertragen würden. Nie mehr sinkende DAX-Stände. Anleger hätten in diese Woche ihre Nerven geschont. Eine Preiszentrale hat beruhigende Wirkungen auf die Volksseele. Ist das schön? Oder obszön – wie die Gesänge der trapsenden Nachtigallen? Wenn das Erich noch erlebt hätte…

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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