Alles eine Frage des guten Willens, gell?

1. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Es ist wirklich nett, dass die Behörden alles tun, damit wir uns wohlfühlen. Die alte Woche mit einem herzlichen Lachen beenden, die neue mit einem Schenkelklopfer beginnen, so bleibt die nötige Fröhlichkeit erhalten, mit der es sich angenehmer konsumiert…

Denn das ist unsere vornehmste Aufgabe: Kaufen.

Der Wahl- und Zahlbürger muss momentan den politischen Willen und die geldpolitische Vorgabe umsetzen und konsumieren, damit die Klimmzüge der Notenbanken wenigstens so wirken, als würden sie wirken. Und wenn Negativ-Zinsen am Anleihemarkt nicht fruchten, muss man ihn, den Kaufbürger, halt mit scheinbarer Sicherheit ein wenig animieren.

Es passte schon wunderbar ins Bild, dass die sich langsam hochkant stapelnden US-Notenbanker, die der Welt ungefragt mitteilen, dass eine Rezession in den USA aber so was von unwahrscheinlich sei, am Freitag mit einem wie von Geisterhand nach oben korrigierten, neuen Rechenergebnis beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) des vierten Quartals „veredelt“ wurden. Dieses stieg in der zweiten Schätzung von +0,7 auf einmal auf +1,0 Prozent an. Obwohl die einzelnen Konjunkturdaten dieser drei Monate ein Minus hätten erwarten lassen. Und obwohl die grundsätzlich ja eher optimistischen Analysen im Konsens von einem Rückgang auf nur noch +0,4 Prozent ausgegangen waren.

In Europa will man da nicht hintanstehen, scheint es. Eigentlich sind die Berechnungen in der Eurozone recht genau. Es zieht sich, bis man da was zu sehen bekommt, dafür sind Korrekturen aber selten. So zuletzt für Deutschlands „BIP“: Erste Lesung +0,3 Prozent, die zweite Lesung dito. Erwartet wurde das zudem genau so. Was Griechenland anging, war das Bild hingegen höchst unschön. Das kratzte an der nötigen Fröhlichkeit des EU-Bürgers. Denn wir erinnern uns:

Die EU hatte da ja den ganz großen Wurf gelandet, indem sie nach monatelangem Hin und Her, das die gesamte Eurozone blockierte, innovativ wie immer ein neues Hilfspaket für Griechenland verabschiedete, das wagemutig die Dosierung der bisherigen Medikation steigerte, obgleich sich die zuvor als kontraproduktiv erwies. Heilerfolge durch Erhöhung der toxischen Medikationsmenge: Manch unbelehrbarer Querkopf wagte damals, an dieser glanzvollen Lösung Zweifel zu hegen.

Aber nun haben wir den Beleg, dass die Eurozone genau das richtige getan hat: In Griechenland wächst die Wirtschaft wieder. Nach der kurzen Delle im dritten Quartal, als das Bruttoinlandsprodukt um 1,2 Prozent fiel (im Sommer, naja, man hat Urlaub, man entspannt sich …) errechnete die griechische Statistikbehörde nun einen soliden Anstieg von +0,1 Prozent im vierten Quartal. Na also. Man muss halt nur genau hinschauen.

In der ersten Berechnung hatte das Ergebnis nämlich noch bei -0,6 Prozent gelegen. Das hätte bedeutet, Griechenland wäre in die Rezession zurückgefallen, kaum hätte das innovative neue Hilfspaket der Eurozone begonnen. Aber wir sehen nun: Es geht doch. Alles eine Frage des guten Willens, dann passen die Zahlen schon.

Und nachdem die chinesische Notenbank auch noch den Mindestreservesatz gesenkt hat (was ganz bestimmt nicht das geringste damit zu tun hatte, dass der Shanghai Composite zuvor nur knapp die bisherigen Jahrestiefs halten konnte) sind wir gerüstet für eine grandios bullishe Woche, die auch am Aktienmarkt zeigt, dass Dreck spielend leicht zu Gold wird, wenn man nur ein bisschen guten Willen zeigt. Es sei denn, die Anleger lassen sich nicht so plump veräppeln … tja, das wäre dann natürlich ärgerlich.
Mit besten Grüßen
Ronald Gehrt www.baden-boerse.de

 

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