Alles bleibt besser! Wetten dass… (nicht)?

8. November 2013 | Kategorie: Gäste

von Volker Schnabel

Hallelujah! Alles bleibt besser. Statistik und Logik belegen auf eindeutige und sogleich umwerfende Art und Weise, dass es aufwärts geht. In den USA, in Europa… überall. Warum sich Sorgen machen? Lasst uns in die Hände klatschen! Gedanken, Fakten und Meinungen von Volker Schnabel von Mack & Weise….

Nachdem die erst im Mai dieses Jahres um 305 Milliarden USD auf 16,699 Billionen USD hochgesetzte US-Schuldenobergrenze das Staatsschuldenwachstum ein weiteres Mal nicht begrenzen konnte, hob der amerikanische Kongress am 16. Oktober die „Schuldenobergrenze“ nach einem beispiellosen politischen Schaukampf inkl. 16 Tage „shutdown“ und Zwangsferien für rund 800.000 Staatsbedienstete erneut an…

Mit Blick auf die gegenseitigen Erpressungsversuche der politischen Lager hätte man sogar fast den Eindruck gewinnen können, dass eine rechtzeitige Anhebung des Schuldenlimits zum ersten Mal nicht zustande kommen könnte, wobei mit Vorlage des nächsten Defizithaushalts 2014 bereits eines sonnenklar war: die geplanten US-Steuereinnahmen (3,023 Billionen USD; ohne Renten- und Sozialversicherungsbeiträge 2,284 Billionen USD!) werden auch im laufenden Fiskaljahr 2014 nicht ausreichen, die auf 3,773 Billionen USD geplanten Ausgaben zu decken.

Wer aber einen derartigen Aufschuldungsdruck hat, verabreicht sich am Ende nicht etwa Sparprogramme, sondern „gönnt“ sich jetzt – als Kompromisslösung – bis zum 7. Februar 2014 sogar ein … unlimitiertes Schuldenmachen.

Nur einen Tag nach der (Vertagungs-)Entscheidung stieg die US-Verschuldung um 329 Milliarden USD (!) an und übersprang so problemlos die 17-Billionen-USD-Marke – Weltrekord!

Und während Amerikas Schuldensaldo mit Lichtgeschwindigkeit in Dimensionen vorstößt, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat, erodiert auf der anderen Seite die US-Beschäftigungsquote – bei offiziell abnehmender Arbeitslosigkeit – auf ein Niveau, wie zuletzt während der großen Stagflation in den 1970er-Jahren (s. Abb.).

Interessierte Beobachter wie wir müssen allerdings froh sein, dass sich diese, die triste US-Arbeitsmarkt-Realität relativ ungeschminkt widerspiegelnde Erhebung, derzeit nicht im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung befindet. Schließlich „überrascht“ der viel beachtete US-Arbeitsmarktbericht seine Kritiker immer wieder mit einer politisch korrekten Entwicklung.

Monierte die US-Presse noch vor Kurzem das Jobwunder der ersten 7 Monate dieses Jahres – 222.000 neuen
731.000 neue Teilzeitjobs gegenüber -, gibt es nun nichts mehr zu meckern: Wie von Geisterhand wurden im August und September gleich 828.000 Teilzeitjobs ausradiert, während angeblich zeitgleich 809.000 Vollzeitstellen geschaffen wurden?!

Was die US-Statistiken jetzt noch von früheren Berichten über die sozialistische Planerfüllung in der DDR unterscheidet, wissen alle Beobachter spätestens jetzt: Nichts! Offenbar hat, ganz so wie in Europa, die politische Elite auch in den USA inzwischen erkannt, dass es einfacher ist, Statistiken zu flexibilisieren als hartnäckig trübe Realitäten zu verändern… (Seite 2)

 

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3 Kommentare auf "Alles bleibt besser! Wetten dass… (nicht)?"

  1. stephan sagt:

    „Im nunmehr sechsten Jahr der Krise meinen auch Europas Zentralplaner nun wieder einmal untrügliche Anzeichen für eine Wende zum Besseren zu erkennen.“

    Und genau deshalb hat der Geld-Gott von Europas Zentralplanern, Draghula, gestern die Zinsen gesenkt und angekündigt, dass noch weitere Schritte folgen könnten.

    Ja, weils so gut läuft, senken wir die Zinsen und schmeißen noch mehr Kohle in den Ring. Das grenzt schon an Realsatire!

    Kann es sein, dass das, was die Damen und Herren EU-Planwirtschaftler sagen und das, was sie tun, zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe sind?

    Als altem Ossi, der die DDR immerhin 23 Jahre aktiv miterleben „durfte“, überkommt mich bei alldem irgendwie ein sehr bekanntes und wiederum sehr merkwürdiges Gefühl. Schön wäre, wenn ich das in eine DDR 2.0 zwangsumgewandelte Deutschland (es begann doch alles so verheißungsvoll) nach weiteren 24 Jahren auch endlich hinter mir lassen könnte. Leider spricht derzeit alles dagegen – welch Graus!

  2. Michael sagt:

    Kommen sie nach Österreich. Wir sind Anarchosozialisten. Das ist zwar nicht viel besser aber etwas anderes als sie bisher kannten. Bei uns kann es keine Planwirtschaft geben, da wir keinen Plan haben. Pläne funktionieren nie.

    Das hat uns bisher vor großen Unheil bewahrt. Wenn nicht dauernd die Opposition 30 Mrd. Schulden findet die keiner weiß und keiner gesehen haben will, angeblich von der Weltbank. Das ist genauso unvernünftig die damals die Deutschen Landesbanken – sagten, ‚Ui, wie will jemand die Schulden in des U.S. zurückzahlen für die Häuser‘. Wie kann man so dämliche Fragen stellen. Schulden zahlt keiner zurück das ist so.

    Die Europäer leben noch immer im Traum, das Geld so etwas wie ein Goldsackerl. In Österreich lernt man das in der Schule, nicht mehr Geld auf der Seite als man im Worst Case braucht als Privatmann falls der günstige Fall eintritt, dass man die Arbeit los ist und in der Handelsakadamie – ja nicht zuviel Geld auf der Bank, das kann morgen weg sein. Wir sind wir – Bekenntnis zum Binnenmarkt in Österreich.

    Wenn man jetzt schaut das Deutschland, ob der Export vor Gericht, obwohl .de die Daimler hergeschenkt hat mit dem Ziel die Wirtschaftsleistung der Eurozone hochzuhalten. Das ist der Dank am Ende.

    Wir haben in Europa und den U.S. genau 2 Alternativen. Entweder wir hungern uns durch die nie endende Krise noch tiefer rein oder Feiern uns raus. Dafür bräuchten wir in Berlin Bunga Bunga und nicht Hunger Hunger.

    War gestern bei zerohedge – die U.S. Bürger deleveragen Kreditkartenverbindlichkeiten und der Staat borgt Geld für Studentenkredite und Autos, befeuert damit dem Konsum. Kredite braucht man nicht unbedingt zurückzahlen, so ich das verstand. Das ist ein Zugang.

    In Österreich wurde die Staatsverschuldung einfach reduziert in dem die Schulden in Konstrukte wurden ausgelagert und so viel umgegründet, dass letzt keiner mehr weiß wo die Schulden hin sind. Und? Schauen wir mal, ob die 30 Mrd. überhaupt existieren … soll uns mal jemand nachweisen:) Wenn derjene die findet?

    Es ginge eh so einfach. Schulden rausstreichen und sagen, ‚Eine unerwartete Strömung gebildet von den abschmelzenden Polkappen riss den Schuldenberg mit sich‘. Wir könnten auch die Schulden zu 0% den Pinguinen auf ewig borgen, … und nachher, ‚Wir müssen etwas gegen die Klimaerwärmung tun, die armen Gläubiger – aber es ist halt eine Naturkatastrophe, was sollen wir machen‘.

  3. stephan sagt:

    „Monierte die US-Presse noch vor Kurzem das Jobwunder der ersten 7 Monate dieses Jahres – 222.000 neuen …. 731.000 neue Teilzeitjobs gegenüber -, gibt es nun nichts mehr zu meckern: Wie von Geisterhand wurden im August und September gleich 828.000 Teilzeitjobs ausradiert, während angeblich zeitgleich 809.000 Vollzeitstellen geschaffen wurden?!“

    Und heute geht es weiter wie von Geisterhand nach oben mit den Arbeitsplätzen in USA. Reuters meldet soeben:

    „…Trotz des Haushaltsstreits hat die US-Wirtschaft im Oktober überraschend viele Stellen geschaffen…. Es entstanden 204.000 neue Jobs … Ökonomen hatten lediglich mit 125.000 Stellen gerechnet,… Ökonomen zeigten sich überrascht, zumal in den beiden Vormonaten nach korrigierten Angaben auch noch 60.000 Jobs mehr entstanden als bislang angenommen. „Die Zahlen sind viel besser als erwartet“, sagte Thomas Costerg von der Großbank Standard Chartered in New York….“

    Quelle: http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE9A703820131108

    Natürlich quillt der Artikel vor lauter Freude über. In den kurzen Popaganda-Zeilen steht immerhin einmal „überraschend“, einmal „überrascht“ und einmal „viel besser als erwartet“.

    Was sind das nur für Leute (Ökonomen möchte man dazu nun wirklich nicht sagen), die permanent von allem „völlig unerwartet“ „überrascht“ werden? Wozu braucht man die, wenn sie eh nix wissen und zwar noch nicht mal näherungsweise??? Meine Oma (Gott habe sie selig), die sich mit diesen Themen nie beschäftigt hat, wäre über solche Zahlen auch nicht mehr und nicht weniger „überrascht“ gewesen.

    Ach ja, beinahe hätte ichs vergessen: Unter Zuhilfenahme dieser Zahlen können die „Experten“ wieder einmal „befürchten“ (warum eigentlich „befürchten“, wenn es am Arbeitsmarkt so gut aussieht?), dass die Staatsfinanzierung der FED „früher als erwartet“ (schon wieder haben die Deppen etwas „erwartet“) beendet werden könnte.

    „…Experten befürchten, dass die US-Notenbank Fed angesichts des robusten Arbeitsmarktes nun ihre extrem lockere Geldpolitik früher als erwartet beenden könnte. „Das könnte nun doch schon im Dezember passieren“, sagte Richard Franulovich von der Bank WestPac.“

    Jetzt kommts: Prompt fallen die beiden Geld-Edelmetalle wie ein Stein! Wenn das mal kein Zufall ist…

    Die positiven Prognosen von Herrn Zipfel und Herrn Bergold hinsichtlich Gold und Silber, möchte ich unter diesen Voraussetzungen kurz- und mittelfristig (!) nicht teilen. Beide Metalle werden aber nach dem Entweichen der vielen heißen Luft letztlich zu den Gewinnern dieses Papiergeld-Endgames gehören.

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