Alles bleibt so wie es ist. Vielleicht.

21. November 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Aktien mit einem 400er KGV. Verschuldung in Höhe des Fünffachen des Bruttoinlandsproduktes. Renditen 50 Jahre laufender Staatsanleihen bei 1,5%. Unternehmen können sich umsonst Geld leihen. Das ist alles ganz normal. Das geht ewig so weiter. Oder auch nicht…

Es gibt ein unterhaltsames kleines Buch von Pippa Malmgren. Es trägt den Titel „Signals“ und beschäftigt sich mit einfach zu erkennenden Signalen, die auf möglicherweise größere ökonomische Verwerfungen hindeuten. Es handelt von der Immobilienkrise in den Staaten und in Europa, von Nacktmodels und der Wichtigkeit, Ökonomie nicht mit Mathematik zu verwechseln. Frau Malmgren erzählt einige Geschichten, in denen sie davon erzählt, wie sie Freunden geraten hat rechtzeitig ihre Immobilie zu verkaufen, bevor die Preise fallen. Die Frage, die sich durch das Buch zieht ist die, warum (die meisten) Menschen vielleicht zuhören aber nicht danach handeln. Schnell landet man bei den üblichen Verhaltensweisen, die Menschen an den Tag legen, wenn es um Finanzen geht. Wer will schon zu früh verkaufen, wenn das Haus des Nachbarn weiterhin teurer wird?

Einen Punkt darf Frau Malmgren bei der nächsten Auflage ihres Buches ergänzen. Auf Volkswirte hört möglicherweise auch deshalb niemand mehr, weil man sich an die nicht vorhandenen oder irreführenden Ratschläge dieser Branche im Verlauf der letzten Krisen eher ungern und mit einem Kopfschütteln erinnert. Man muss zunächst entscheiden, welchem Volkswirt man zuhören sollte und welchem nicht. Frau Malmgren rät aber sympathischerweise ohnehin dazu, die eigenen Augen aufzumachen und Entscheidungen zu treffen.

Diesen Aufruf kann man nur unterstützen, wenn man an manchen Fernsehauftritt der Über-Experten denkt. Wer erinnert sich nicht noch an den von manchem „Chef“-Volkswirt auch im deutschen Fernsehen abgesonderten Unfug, die Subprime Krise sei „contained“. Beim Jupiter, die hat es uns aber gezeigt, diese eingegrenzte Krise. Im Nachhinein erklärt man diese Fehlleistungen gerne als unausweichlich, da das eingetretene Ereignis eben ein schwarzen Schwan, also einem nicht vorhersehbaren Problem, gewesen sei. Dabei bezieht man sich auf Nassim Taleb. Mit seinem Job macht man allerdings dennoch weiter, was wenn man sich wirklich auf Taleb beziehen würde, Blödsinn wäre. Taleb rät unter anderem dazu, die Zeit statt mit Prognosen lieber in der Bar zu verbringen. Das wird leider schlechter bezahlt und führt nicht zu Einzahlungen in die betriebliche Altersvorsorge der Bank. Daher verhallt der sympathische Ratschlag Talebs weitgehend ungehört.

Das ist schade, denn warum sollte man jemanden dafür bezahlen, etwas zu prognostizieren, was nicht prognostizierbar ist. Sollte man das wirklich so sehen, hätten viele Finanzangestellte einen reichlich sinnentleerten Zeitvertreib. Den Konjunktiv kann man beruhigt streichen, denn diese Zustandsbeschreibung trifft in der Tat auf weite Teile der Finanzbranche zu. Der größte Anteil der burn-outs im Finanzgewerbe ist vermutlich weniger auf übermäßigen Stress (den es natürlich auch gibt) als vielmehr auf die traurige Einsicht einer Jahrzehnte währenden Lebenszeitverschwendung zurückzuführen (ein offenes Geheimnis).

Ein einfacher Ratschlag an Privatinvestoren lautet daher, zumindest nicht auf öffentlich verkündete Ratschläge und Analysen von Volkswirten und Groß-Strategen zu achten. Das gilt vor allem wenn diese bei einem Unternehmen angestellt sind, das Finanzprodukte verkauft. Natürlich greift diese Vorsichtsmaßnahme nicht nur bei Angestellten sondern auch bei Beratern oder vereinfacht gesagt, bei allen, bei denen eine Prognose mit finanziellen Interessen im Rahmen des Verkaufs von Finanzprodukten verbunden ist. Das Risiko ist hoch, nicht nur Opfer einer mangelnden Prognosefähigkeit zu werden sondern gleichzeitig noch das Risiko einer auf Grund von Zahlungen verzerrten Wahrnehmung des Prognostikers auf sich zunehmen.

Die Immobilienblase und die möglichen desaströsen Auswirkungen wurden von vielen sehr wohl gesehen und auch kommuniziert. Das gilt in gleichem Maße für die Blase bei den Technologie-Aktien um die Jahrtausendwende. Der Versuch, den Menschen einzureden, diese Ereignisse habe niemand kommen sehen ist frech, selbstgerecht und würdelos. Zum Glück kann ja dieses Mal nichts passieren, denn weder die Verschuldung noch die Bewertung noch eine Rotte schwarzer Schwäne können dem Markt nichts anhaben. Ach, kennen Sie eigentlich schon unseren Top-Spitzenfonds? Das ist ein ganz tolles Produkt, wenn alles steigt. Und sollten die Märkte fallen, ist er nur genauso schlecht wie alle anderen! Da kann man halt nichts machen ….

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Ein Kommentar auf "Alles bleibt so wie es ist. Vielleicht."

  1. Lukas sagt:

    So einfach ist es ja leider nicht, selbst wenn ich nicht an die immer währende Hausse in allen Marksegmenten glaube.
    Das Problem ist doch vielmehr die absolute Alternativlosigkeit beim Investment. Überall kracht es im Dachgebälk und in keinem Raum ist es mehr sicher.
    Verkauf ich meine Immobilien, was mache ich dann mit den Euros. In Aktien investieren, lieber nicht. In US Dollar anlegen, halbe halbe vielleicht? Edelmetall ist auch kein sicherer Hafen, also was tun? Da lässt man dann doch lieber alles wie es ist und harrt der Dinge die da kommen.

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