Alles anders – weil Gefahr im Verzug

22. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Die Entwicklungen der letzten Tage sowohl in der Politik als auch an den Aktienmärkten lassen sich eigentlich nur äußerst negativ interpretieren. Allen voran in Europa scheint sich die Lage mehr und mehr zu zuspitzen. Nachdem es bereits gelungen ist, in Griechenland mit Loukas Papadimos einen lupenreinen Technokraten…

…ohne Wahl oder ähnlich lästigen demokratischen Ballast zu installieren (Herr Papadimos war übrigens zuvor eben jener Gouverneur der Griechischen Zentralbank, deren Bilanzierungstricks den Beitritt zur Eurozone erst ermöglichten), folgte nun auch der zweite Coup. Mario Monti, ehemaliger Direktor von Goldman & Sachs (übrigens eben jenes Institut, welches den Griechen jene Bilanzierungstricks beibrachte, die den Beitritt zur Eurozone erst ermöglichten), wurde nun als neuer Duce…Verzeihung, neuer Ministerpräsident Italiens installiert – selbstverständlich ohne Wahlen oder ähnlich lästigen demokratischen Ballast.

Harte Sparpakete

Die Installation derartiger Technokraten verspricht, dass die Sparrhetorik wieder deutlich schärfer werden wird. Während mit der einen Hand die Milliarden weiterhin direkt an die Banken durchgereicht werden dürften, werden mit der anderen harte Einschnitte für die Bevölkerung vorbereitet werden. Das Ganze ist natürlich Gift für die wirtschaftliche Entwicklung, ebenso als würde man einem Alkoholiker völlig unvermittelt die Schnapsflasche wegnehmen und ihn an einer einsamen Landstraße stehen lassen.

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks türmen sich die dunklen Wolken immer höher: das überparteiliche Supercomittee ist gescheitert und so werden ab 2013 „Sparmaßnahmen“ mit der Rasenmähermethode durchgesetzt (tatsächlich wird einfach nur etwas weniger Geld ausgegeben). Um im Bild zu bleiben, das dürfte ähnliche Folgen haben als würde man einem Alkoholiker erzählen, dass man ihm morgen die Flasche wegzunehmen gedenkt…

Dabei sind einige Fundamentaldaten gar nicht so schlecht: In den USA ist die Berichtssaison fast zu Ende und es zeigt sich, dass zwei von drei S&P500-Unternehmen die an sie gerichteten Analysten-Erwartungen übertreffen konnten. Das KGV der US-Börse liegt derzeit bei rund 12,5, was keinesfalls teuer ist. Trotzdem legten die US-Börsen den Rückwärtsgang ein. Aber die Börse preist gerade einen rabiaten Einbruch der Konjunktur ein.

Charts deuten Schlimmeres an

Die Kursentwicklungen weltweit lassen Schlimmeres erwarten. Viele Börsen legten in den letzten Tagen sehr negative Entwicklungen hin, so dass sich charttechnisch unschöne Konstellationen herausgebildet haben. Insbesondere die Emerging Markets tun sich hier hervor, z.B. Indien oder Brasilien (siehe nächstes Heft).

Und hierzulande hat der DAX seine Kopf-Schulter mit dem gestrigen Tage tatsächlich vollendet. Das hatten wir so nicht erwartet: noch letzte Woche gingen wir davon aus, dass der Markt nur „antäuschen“ würde, um dann nach oben abzuziehen. Andere europäische Börsen notieren schon wieder auf Kursen unterhalb der Tiefs vom Sommer. Das sieht alles nicht wirklich gut aus und im Grunde genommen schreit das Ganze sogar noch weiter fallenden Kursen. (Seite 2)


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9 Kommentare auf "Alles anders – weil Gefahr im Verzug"

  1. Avantgarde sagt:

    Wach ich – oder träum ich 🙂

    Der Smartinvestor schwört der Hyperinflation nach Monaten tatsächlich ab?

    Noch nicht lange her da war angeblich alles klar mit der Hyperinflation.
    Korrektur vorbei – Dax 8000…
    http://www.rottmeyer.de/ralf-flierl-der-euro-wird-nicht-uberleben/

    Nun sind sie tatsächlich aufgewacht.
    Alles Makulatur.
    Aber immerhin: Besser spät als nie.

    Es geschehen noch Zeichen und Wunder. 🙂

    *scnr*

  2. Reiner Vogels sagt:

    Smart investor hat recht. Die Lage ist äußerst unübersichtlich und praktisch unkalkulierbar.

    Gerade die Tatsache, dass Gefahr im Verzug ist, und zwar nicht nur für die Börsenkurse, sondern für die Realwirtschaft, könnte allerdings dazu führen, dass die Regierungen schneller handeln als erwartet. Meine Frage: Werden sie wirklich den offenen Zusammenbruch von Dexia, Commerzbank & Co zulassen? Wird Deutschland wirklich erlaubt werden, dem vereinigten Druck der Siegermächte, die Geldschleusen zu öffnen, zu widerstehen? Man erinnere sich daran, dass Schäuble am vergangenen Freitag in Frankfurt erklärt hat, dass wir seit dem 8. Mai 1945 noch an keinem einzigen Tag souverän gewesen sind.

    Die Entwicklung ist unglaublich spannend. Schon morgen oder am kommenden Wochenende kann alles wieder anders sein. Eine Prognose wage ich nicht. Und für Frau Merkel sind Kehrtwenden um 180 Grad ja geradezu typisch. Sie ist ja der Wendehals wie er im Buche steht.

    • FDominicus sagt:

      Auf diese Art von Spannung kann ich gut verzichten. Denn es kann noch immer schlimmer werden und so wie ich unsere Delebets einschätze werden Sie den Schaden liebend gerne potenzieren, wenn Sie nur ein bisschen Zeit gewinnen.

  3. Johannes sagt:

    Irgendwie sieht das „aktuelle“ Bild des Dax verdammt ähnlich dem vom Jahr Ende 2007/ Anfang 2008 ähnlich.

    Damals ist der Dax auch nach 4 Versuchen quasi an der 8000er- Marke gescheitert, diesmal bei ähnlich vielen Versuchen schon bei 7500.

    Dann Anfang 2008 der Absturz von rund 8000 auf ca. 6200, also um ca. 1800 Punkte.

    Aktuell ist der Absturz von 7500 auf ca. 5100, also um ca. 2400 Punkte.

    Beiden wiederum ähnlich, das leichte Aufbäumen und wieder abfallen.

    Schon verdächtig ähnlicher Verlauf, wenn man die beiden Zeiträume vergleicht.

    Somit verstehe ich den Smart Investor mit seiner Entscheidung.

    Ich kann auch nichts Negatives an dieser Smart- Investor Entscheidung finden, ganz im Gegenteil finde ich es gut, wenn man seine Positionen laufend überdenkt und kritisch hinterfragt.

  4. MARKT sagt:

    Dies sind die ersten Anzeichen das wir eine 2. Phase der Bärenmarktrallye sehen werden.

    Ich gehe nun mit der 1. von mindestens 2. Tranchen long.

    PS. Aber nicht wegen der Hyperinflation sondern aufgrund der antizyklik und eines „überverkauften“ Marktes.

  5. Krisu sagt:

    Bin gespannt, wie es kommen wird. Runter? Rauf? Runter und rauf? Rauf und runter?

  6. Takuto sagt:

    Lasst ihr euch die Aktien physisch ausliefern? Sonst könnte morgen schon bei einer Bankpleite alles weg sein. MF Global lässt grüßen.

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