Alles andere ist Kredit…

11. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Endlich, endlich, so sollte es scheinen, werde Aufklärung zur Absturzursache des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 geboten. Am Dienstag legte der niederländische Untersuchungsausschuss Dutch Safety Board (DSB) seinen Zwischenbericht vor – der Abschlussbericht soll innerhalb eines Jahres nach dem Unglück veröffentlicht werden…

Die wesentliche Eigenschaft dieses Zwischenberichts scheint seine Interpretierbarkeit zu sein. Auf www.wiwo.de stellt die Wirtschaftswoche nüchtern fest:

„Neue Erkenntnisse bringt der Bericht nicht. Allerdings bestätigt er, dass ein Abschuss die Ursache des Absturzes war.“

Dagegen lehnt sich die FAZ weiter aus dem Fenster:

„Der Absturz von Flug MH17 war offenbar das Ergebnis eines Beschusses mit einer Boden-Luft-Rakete.“

Das wichtige Wort ist „offenbar“, denn im Bericht ist von einer Boden-Luft-Rakete keine Rede. Dort heißt es lediglich, dass das Flugzeug von einer hohen Anzahl hochenergetischer Objekte durchsiebt worden sei. Ob diese aus der Luft oder vom Boden abgefeuert wurden, hat der Bericht nicht geklärt – schon gar nicht, wer da gefeuert hat.

Vorläufige Waffenruhe

Unabhängig davon gelang es, praktisch parallel zum NATO-Gipfel eine Waffenruhe in der Ukraine zu vereinbaren. Diese hat, abgesehen von einigen Zwischenfällen, bislang sogar gehalten. Damit ist vorerst einmal Tempo aus dem Konflikt genommen worden. Auch die EU hat das Inkrafttreten weiterer Sanktionen verschoben, was ebenfalls deeskalierend wirkt.

Zuviel der Deeskalation für www.bild.de: „Wie lange will der Westen noch schwanken?“ / „Wie lange eiert der Westen noch rum?“ Und besser als die Handelnden weiß man bei BILD ohnehin, was Sache ist: „BILD analysiert, wie Obama, Merkel & Co. den Kreml-Chef in der Ukraine-Krise weiter unterschätzen“.

Auffällig ist, dass auch US-Präsident Obama seit einigen Tagen in Ungnade gefallen zu sein scheint, wohl weil die Schreibtischtäter in der Redaktionsstube auch dessen Politik als zu lasch empfinden. Jüngste Kostprobe in dieser Hinsicht ist ein Erguss zum engen zeitlichen Zusammenhang zwischen Obamas Pressekonferenz zur Foley-Enthauptung und einer Runde Golf: „So geschmacklos spricht Obama über seine Golf-Runde der Schande„. Das sind ungewohnt raue Töne aus Berlin in Richtung Washington. Einen US-Präsidenten wird man dort allerdings nicht so leicht aus dem Amt schreiben können wie den ehemaligen Bundespräsidenten Wulff.

Wer gießt Öl ins Feuer?

Die geneigten Leser sollten in dieser Phase der relativen Entspannung ihre Aufmerksamkeit auf die Frage lenken, von welcher Seite eine jederzeit mögliche, erneute Verschärfung des Konflikts betrieben wird. Allerdings ist gerade eine solche Analyse gar nicht so leicht, denn auch bei einer erneuten Eskalation werden wir wiederum zwei Versionen vorgesetzt bekommen.

Gerade in den jüngeren Konflikten und Kriegen war häufiger zu beobachten, dass sich der eigentliche Aggressor einen Vorwand suchte, der ihn medial zum Opfer stilisierte, das praktisch gezwungen war „zurückzuschießen“. Da offen aggressives Verhalten zwischen den Staaten ein wenig aus der Mode gekommen ist, sollte man sich im Nebel der gegenseitigen Vorwürfe daher auch stets die Frage stellen, wer den Nutzen aus einer Entwicklung zieht – Cui Bono? Zum Gold… (Seite 2)



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