Alle einsteigen in den Trump-Express

30. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Der Dow Jones handelt mittlerweile auf einem neuen Allzeithoch über 19.000. Aber nicht nur der Dow, sondern auch der S & P 500, der Nasdaq und der Small-Cap-Russell 2000 notieren jeweils auf neuen Allzeithochs.

Das letzte Mal geschah dies im Dezember 1999. Nur wenige Monate später platzte die Dotcom-Blase und der Nasdaq verlor 80% seines Wertes. Der breite US-Aktienmarkt verlor etwa 50 Prozent an Wert.

Aber Investoren sind bullish. Sie glauben, dass der designierte PräsidentTrump gut für Aktien sein wird. Er soll nach Washington zu seiner Inauguration kommen und dann direkt rüber ins Kapitol marschieren, um dort eine Steuersenkung durchzudrücken. Das würde dem Privatsektor 6 Billionen Dollar in den nächsten zehn Jahren zurückgeben … ganz zu schweigen von dem vorgeschlagenen Billionen-Dollar-Infrastruktur-Programm.

Sein Chefberater (und ehemaliger Goldman-Schützling), Stephen Bannon, erklärte Michael Wolff von „The Hollywood Reporter“ letzte Woche:

„Ähnlich wie beim Populismus von Andrew Jackson wollen wir eine völlig neue politische Bewegung aufbauen“, sagt er. „Das ganze steht in direktem Zusammenhang mit Arbeitsplätzen. Die Konservativen werden irrsinnig. Ich bin der Kerl, der auf ein Billionen-Dollar-Infrastruktur-Programm drängt. Mit negativen Zinsen auf der ganzen Welt, ist es die größte Chance, alles wieder aufzubauen. Werften, Eisenwerke, alles Mögliche. Wir werden es versuchen und sehen, ob es klappt.“

Wow!

Jeder spricht über die Möglichkeit, Geld, das man für lau bekommt, zu investieren.

Es macht uns nervös; wir wissen, wie schwer und diffizil es ist, einen guten Return on Investment zu bekommen – vor allem, wenn Sie nicht wissen, was Sie tun.

Die Regierung zahlt etwas mehr als 2% für ein 10-Jahres-Darlehen. Wenn die Inflation im nächsten Jahrzehnt irgendwo in der Nähe ihres langfristigen Durchschnitts liegt, liegen die effektiven Kosten der Feds bei etwa NULL.

Das Geld, so sagen es die großen Geldausgeber in Washington, wird umsonst sein!

Alle einsteigen!

Auf den Seiten der Financial Times spricht sich eine weitere Stimme massiv dafür aus, Geld, das es überhaupt nicht gibt, zu investieren.

Hier ist Stanley Fischer, der Vize-Präsident der US-Notenbank, der jüngst beim „Think-Tank“ Council on Foreign Relations eine Rede hielt. Er sagte folgendes:

„Makroökonomische Politik muss sich nicht nur auf die Geldpolitik beschränken“, sagte Fischer …
„Bestimmte Fiskalpolitiken, insbesondere solche, die die Produktivität steigern, können das Potenzial der Wirtschaft erhöhen“, sagte er.

Dies ist ein Zug, dessen Tickets schnell ausverkauft sein werden. Jeder will an Bord gehen. Geld für lau. Arbeitsplätze. Inflation. Infrastruktur.
Wer mag das nicht? Wer will da nicht Passagier auf diesem Expresszug nach Fantasyland sein?

Über die größte Bedrohung für den designierten Präsidenten Trump
von Bill Bonner

Schauen wir uns die größte Bedrohung für die Präsidentschaft von Herrn Trump an….

Bisher waren wir sehr erfreut über die Wahl von Mr. Trump. Und zwar keinesfalls deswegen, weil wir Vertrauen oder Zuneigung für den Mann haben. Aber er behauptet von sich selbst ja, ein Störer zu sein. Und das ist exakt das, was die Wirtschaft dringend braucht.

Aber zunächst schauen wir heut auf das Weltgeschehen. Wir haben von einem lieben Leser ein update aus Indien erhalten. Sie erinnern sich – die indische Regierung startete ja einen Versuch, die Verwendung von Bargeld einzuschränken:

„Meine Tochter ist wegen einer Hochzeit in Indien und hat den Mangel an Geld am eigenen Leib zu spüren bekommen. An den Geldautomaten kann man nach sechs Stunden Wartezeit maximal das Äquivalent von 20 Dollar bekommen. Es fahren keine Taxis, weil niemand Geld hat. Hotels haben auch kein Geld. Das Leben ist zu einem kompletten Stillstand gekommen.“

Ach, was kümmert uns das Geschehen in Indien, denken viele.

Aber diese Geschichte ist eine Warnung für uns. Es gibt nicht genügend physisches Bargeld im System. Wir verlassen uns auf Bankkredite, um die Lücke zu schließen. Und das bedeutet, dass das Kreditsystem nicht ausfallen darf … Kredite müssen weiter fließen … Geldautomaten müssen funktionieren … Kreditkarten müssen gezogen werden können…

… das ganze System muss funktionieren … oder es wird in einem schrecklichen Chaos zusammenbrechen.

Unser System basiert seit 1971 auf Kredit, nicht auf Bargeld. Und Kredit unterliegt dem Kreditzyklus. Es dehnt sich aus. Und es kontrahiert. Aber eine Kredit-Kontraktion in einer globalen Wirtschaft mit 63 Billionen Dollar Schulden ist eine große Sache. Deshalb kämpfen die Feds so verbissen darum, dies zu unterbinden. Ökonomen, Politiker, Deep State-Insider – jeder will eine Korrektur am Kreditmarkt vermeiden. Um jeden Preis.

Das Muster begann nach dem großen Börsencrash von 1987. Damals eilte der neue Fed-Chef Alan Greenspan zur Hilfe, um mit aggressiven Zinssenkungen den Aktienmarkt zu stützen. Es war das Debüt des „Greenspan Put“ – die Politik der Fed, mit Zinssenkungen einen Boden einzuziehen, um eine echte Korrektur am Aktienmarkt zu verhindern. Jedes Mal waren die Feds seit 1987 bei jedem „Nieser“ am Aktienmarkt zur Stelle, um den Investoren die „Nasen“ zu putzen.

Das war immer der Fall und zwar bei der Rezession der frühen Neunzigerjahre … der Asien-Finanzkrise von 1997 und dem Zusammenbruch des Hedge-Fonds Long-Term Capital Management … bei der Mini-Rezession nach den 9/11 Angriffen … und schließlich noch 2008 bei der Finanzkrise. Jedes Mal stellte die Fed (unterstützt von denselben Wall-Street-Insidern, die sich nun dem Trump-Team anschließen) mehr Kredit zu immer günstigeren Konditionen zur Verfügung.

Und jetzt haben wir unserer Schätzung zufolge überschüssige, exzexxive Schulden in Höhe von 35 Billionen Dollar. Es ist eine „Schuldenbombe“, die wahrscheinlich vor den Augen von Mr Trump in die Luft fliegt.

Aber die Fed war nicht führend … Sie folgte dem Beispiel der Bank von Japan (BoJ), die seit mehr als einem Vierteljahrhundert gegen eine Kreditverknappung kämpft. Es war die BoJ, die Pionierin der Nullzinspolitik (ZIRP), Quantitative Easing (QE) … und Negativer Zinspolitik (NIRP) war. Und jetzt geht die BoJ wieder voran…

Reuters schreibt:
„Die Bank von Japan feuerte einen Warnschuß in die Märkte. Sie bot zum ersten Mal an, unbegrenzt Anleihen vor dem Hintergrund veränderter politischer Rahmenbedingen zu kaufen. Hintergrund ist, dass die Renditen japanischer Staatsanleihen nach dem Trump-Wahlsieg gestiegen sind.“

Wow!!!

Unbegrenzt? Ja, so steht es. Die Japaner kämpfen nun hemmungslos, um eine Korrektur abzuwehren.

Sie können Schlachten in diesem Krieg gegen die Märkte gewinnen, aber sie können den Krieg nicht gewinnen. Märkte können angehalten werden. Sie können getäuscht werden. Sie können Fehler machen. Aber Märkte hören nie auf zu existieren.

In diesen Tagen bereiten wir einen weiteren offenen Brief an Mr. Trump vor. Wir werden ihm raten, „eher früher als später zu stören.“ Es wird schmerzhaft sein. Also, lasst uns die Schmerzen jetzt hinnehmen …auch wenn es weh tut.

Oh, ja .. und machen Sie unbedingt jene Menschen dafür verantwortlich, die es am meisten verdienen: Clinton, Bush und Obama … Greenspan, Bernanke und Yellen. Machen Sie es im Fernsehen in einer Rede an die Nation. Sagen Sie den Bürgern, dass Sie die Hinterlassenschaft einer 35 Billionen Dollar Schuldenbombe geerbt haben. Unterbrechen und stören Sie das System. Lassen Sie es explodieren … genau so wie Paul Volcker an der Fed und lassen Sie die Inflationsbombe explodieren.

Quelle: Kapitalschutz-Akte
Eine andere Welt...(von Bill Bonner)
Die Partei des Krieges(von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.