Aktuelle Thesen zu Anleihen, Aktien, Gold und Silber

14. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Allmählich müsste sich ja herumgesprochen haben, dass Ratingagenturen mit den Euro-Ländern ein durchsichtiges Spielchen treiben. Wie jetzt Standard & Poor’s mit der Abstufung der Bonität Frankreichs und anderer Länder des Euro-Raums…

Da haben sich Italien und Spanien gerade über Anleihen zu unerwartet günstigen Konditionen frisches Geld besorgt, und schon geraten die Franzosen ins Visier. Die Nachfrage der Investoren nach den Staatsanleihen der Italiener und Spanier war so groß, dass es beiden Euro-Ländern möglich gewesen wäre, noch mehr Geld zu bekommen. Der Erfolg ihrer Auktion bestätigt den Optimismus im Hinblick auf die Euro-Rettung, den ich hier seit einigen Wochen verbreite, zuletzt mit der Bemerkung, Zentralbanker und Politiker würden sich zu einer gemeinsamen Problemlösung durchwursteln. So weit die gute Nachricht, der Attacke gegen Frankreich zum Trotz.

Bei aller aktuellen Euphorie ist allerdings festzuhalten, dass 1. Anleihen Schuldverschreibungen sind, die in diesem Fall den Schuldenstand beider Länder weiter nach oben treiben, 2. hier wie eine schmerzstillende Spritze nur vorübergehend wirken, während der dauerhafte Heilungsprozess noch aussteht, und 3. die laufenden Zinsen und die späteren Tilgungen der Anleihen irgendwie aufgebracht werden müssen.

Letzteres – ganz abgesehen vom schon bestehenden Schuldendienst – allein mit Steuererhöhungen in Italien und Spanien zu schaffen, ist illusorisch. Denn im Zweifel wird sich die Bevölkerung beider Länder das nicht gefallen lassen und, wie bereits geschehen, demonstrierend durch die Straßen ziehen. Diesbezüglich drängt sich ein Vergleich mit Griechenland auf, wo die Demonstrationen bisher am heftigsten waren: Für Griechenland muss Deutschland keinen großen Scheck zücken, weil das Euro-Schicksal nicht von diesem Land abhängt. Wohl dagegen für Italien und Spanien, falls die Steuer- und sonstigen Reformen in diesen beiden Ländern nicht den erhofften schnellen Erfolg bringen. Denn einen Abschied Italiens oder Spaniens vom Euro würde die Gemeinschaftswährung nicht verkraften.

Was folgt daraus? Allerlei. Bereits gefolgt ist ein Strohfeuer an der deutschen Aktienbörse. Strohfeuer (aber noch kein nachhaltiger Kursanstieg) deshalb, weil Aktien wegen des großen Erfolgs der Anleihenauktion Italiens und Spaniens mehr Konkurrenz durch weitere Staatsanleihen von Euro-Ländern bekommen werden. Das spricht allerdings nicht dafür, dass Anleger jetzt Aktien ganz links liegen lassen, sondern nur für deren weiteren Zickzackkurs. Denn Aktien verkörpern neben Erträgen aus Dividenden auch Sachwertsubstanz, während sich die Substanz von Anleihen auf das Rückzahlungsversprechen der Schuldner beschränkt. Das heißt, ein Portfolio aus fünf bis zehn ertrags- und substanzstarken Aktien kann im Gegensatz zu Anleihen nie ganz an Wert verlieren. Diesen Umstand sollten Sie sich zunutze machen, indem Sie bei den nächsten Schlagzeilen über einen Crash beherzt Aktien kaufen.

Was folgt noch? Gehen wir davon aus, dass das eingangs zitierte Durchwursteln gelingt und vor allem dank finanzieller Unterstützung anderer Euro-Länder durch Deutschland möglich sein wird, drängt sich die Frage auf, welche Konsequenzen die Überstrapazierung des Bundeshaushalts haben wird. Bundesanleihen mit vergleichsweise mickrigen Renditen werden dann jedenfalls nicht mehr die Funktion des sicheren Hafens ausüben. Falls ihre Renditen sich denen der höher rentierenden Anleihen Frankreichs, Italiens, Spaniens usw. nähern sollten (und nicht umgekehrt, was man ausschließen kann), bedeutet das: Die Kurse der Bundesanleihen werden fallen – je länger die Laufzeit, desto stärker… (Seite 2)

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