Aktion Mülltonne: Wo die EZB noch fündig werden könnte

26. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Mein Gott, ist das kompliziert mit der Geldproduktion! In einem hochkomplizierten Verfahren kauft die EZB „Wertpapiere“ mit lustigen Buchstaben aus dem Markt und gibt den Inhabern dafür frisches, aus dem Nichts produziertes Geld. Das soll gegen Deflation helfen und die Welt glücklich machen. Das ist in etwa so, als schlage man mit dem Staubsauger einen Nagel ein. Wenn Nägel mit Köpfen, dann richtig!

Kennen Sie das? Wenn man mal die Mülltonne vergisst, vor die Tür zu stellen, weiß man was passiert, vor allem im Sommer. Dann wartet man sehnsüchtig auf das orangefarbene Auto. Inzwischen sind ja auch schon die Müllschlucker der EZB unterwegs. Kommen sie auch durch meine Straße? Ich werde sie am blauen Auto mit vielen Sternen erkennen.

Viel einfacher wäre es doch, Draghi und seine Kollegen gingen von Haus zu Haus und verteilten an Türen, Toren, Pforten und auf dem Marktplatz ihre bunten Scheine. Das würde die Popularität der Herren steigern und auch die Preise. Danach sehnt sich doch die EZB. Ein paar Milliarden Euro in meinem verschlafenen Örtchen verteilt – ich glaube schon, dass sich das allgemeine Preisniveau erhöhen würde.

Sollte unsere Politik das nicht erreichen können oder sollten sich weitere Risiken für die Preisstabilität zeigen, würden wir den Druck erhöhen und die Kanäle verbreitern, über die wir intervenieren, indem wir die Größe, die Geschwindigkeit und die Zusammensetzung unserer Käufe ändern. (Mario Draghi)

Ähm… Zusammensetzung?

Moment! Wenn diese fremdländisch sprechenden Anzugträger plötzlich Geldscheine verteilen würden, dann könnten Leute denken, die kämen von der Mafia, waschen Geld oder gehen anderen dunklen Geschäften nach. Alles richtig! Ich stelle mir gerade vor, wenn die Polizei die Herrschaften einsammeln sollte…

Reichtum ist heute ganz einfach

Kann man den Leuten nicht einfach Geld aufs Konto überweisen, statt es so umständlich den Banken und Pensionskassen in den Hals zu stopfen? Bei der Beschaffung der nötigen Bankdaten der Privatleute hilft die NSA sicherlich gerne. So aber macht man die Sache viel zu kompliziert. Vielleicht funktioniert sie nicht, weil nur Wenige das frische Geld bekommen. Was machen sie damit? Shoppen gehen? Unsinn, und wenn, dann tauschen die einstigen Geldversprechen gegen wirklichen Besitz.

Schon die Ankündigungen der Aufkäufe von Papieren sorgten dafür, dass die Preise wie durch Geisterhand gestiegen sind. Dadurch wurde ein zusätzliches Vermögen von unzähligen Milliarden geschaffen, natürlich bei denen, die diese Papiere besaßen – ein kleines Zubrot ganz ohne Anstrengung. Wenn die Kurse steigen, wird sich der eine oder andere an den alten Satz erinnern: „Wer heilt, halt Recht“

Weidmann warnt mal wieder

Auch Backe! Jetzt warnt auch noch Bundesbankchef Jens Weidmann vor den EZB-Maßnahmen. Er warnt gerne und er warnt viel. Was soll er sonst tun? Dennoch ist es gut, richtig und wichtig, dass es Warner gibt. Es befördert den demokratischen Prozess im Streit um Lösung, die ohnehin schon feststehen. Neulich war ja zu lesen, dass in der EZB eine Art von Küchenkabinett regiert. Ob Malta auch dabei ist? Schließlich hat die kleine Insel ein BIP in der Größenordnung des Umsatzes aller Berliner Friseure. Herr Nowotny von der Österreichischen Nationalbank warnt auch und riet der EZB, in der er sitzt, sie solle ihr Pulver nicht so schnell verschießen. Manche Notenbankchefs verstehen sich wirklich auf Satire. Doch es kommt noch besser… (Seite 2)


 

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12 Kommentare auf "Aktion Mülltonne: Wo die EZB noch fündig werden könnte"

  1. JayJay sagt:

    Also wieder mal wunderbar geschrieben und man kann diesem ganzen Finanzmurks weltweit nur noch mit Sarkasmus beschreiben.

    Gold & Silber Ahoi 🙂

  2. Sandra sagt:

    Am Ende sind das doch alles nur Bilanzierungstricks.
    Geld hat die Funktion zum Tausch in der Realwirtschaft. Durch Bilanzierungsregeln ist jeder Unternehmer gezwungen, eine Ausgangsrechnung als offene Forderung zu buchen. Eine offene Forderung ist eigentlich eine Erinnerung, werden jedoch als Wert behandelt und natürlich schonmal versteuert (auch Aktien) – damit trägt der Unternehmer bzw. Leistungserbringer ein doppeltes Risiko. Die zeitliche Differenz der Zahlungen, die sich ja aufheben (z.B. Umsatzsteuerzahlung bei Rechnungsausgang, Vorsteuerabzug bei Begleichen) wird anderweitig genutzt. Dieses Schema wiederholt sich in vielen erdenklichen Formen.

    Ein Weg zur Normalisierung der Geldfunktion, ist Zahlungsmoral (d.h. ich spreche mich mit meinem Kunden ab), wenig offene Forderungen oder Verbindlichkeiten bzw. gedankliche Trennung vom Wert. Wert haben diese erst, wenn eingelöst. D.h. jede Börsenstatistik ist ja egal, wenn ich gerade gar nicht kaufen bzw. kaufen will, damit eine relative Wertvorabschau.

    Offene Forderungen oder Verbindlichkeiten machen erpressbar. Das wissen alle – die Mafia, jede Bank, jeder Unternehmer, jeder Politiker, jeder Spekulant, jeder Börsianer …

  3. Sandra sagt:

    Man könnte dies auch als gesteuerte Wertstellung der Erwartungshaltung benennen.

  4. Sandra sagt:

    Die fiktive Festlegung von Erwartungswerten findet man überall in sehr vielen Beziehungen, angefangen in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

  5. Reiner Vogels sagt:

    Sehr geehrter Herr Meyer,

    haben Sie schon einmal über die Möglichkeit nachgedacht, daß die EZB gar nicht beabsichtigt, mit dem Ankauf von Schrottpapieren die Realwirtschaft anzukurbeln? So dumm, daß sie nicht aus den Erfahrungen der letzten Jahre insbesondere in Japan gelernt hätten, daß das nicht funktioniert, können die hohen Damen und Herren doch gar nicht sein.

    Vielleicht geht es ihnen lediglich darum, durch Geldentwertung die Staatsschulden abzuwerten und Staatsbankrotte und Bankenbankrotte zu verhindern. In dieser Hinsicht jedenfalls könnte die grenzenlose Geldschöpfung aus dem Nichts durchaus erfolgreich sein.

    Daß dabei die Sparer, die Rentner und die vielen Menschen, die mit ehrlicher Arbeit ihr Geld verdienen, betrogen und bestohlen werden, ist dann eben unter Kollateralschaden abzubuchen.

    • FDominicus sagt:

      Spielt das Ziel bei einem Betrug eine Rolle?
      Nehmen wir mal an Herr Meyer hätte recht und die EZB meint damit die Wirtschaft ankurbeln zu können. Die bestehende Frage ist: Wer wird geschädigt?

      Nun nehmen wir Ihre Annahme an, wer wird geschädigt?

      Betrachten Sie es doch einfach mal von der trivialen Seite. Anleihe von Staaten wurden begeben, dafür wurde von den damaligen Käufern Gespartes verwand. Nun werden dies Anleihen aufgekauft und was wird dafür begeben? Neues Geld.

      Der ganze Effekt ist doch „nur“: Immer schneller Geld drucken damit Staaten sich immer mehr unter den Nagel reißen können, oder aber diejenigen die zuerst an das Geld kommen. Und was passiert immer mit den Anteilen die die Sparer noch halten? Diese werden entwertet und um dieser Entwertung entgegen zu wirken. Wird auch noch mehr Geld in irgendwelche „Sachwerte“ gesteckt. Werden wir alle durch nominal höhere Werte reicher – oder sind es nur diejenigen die rechtzeitig genug wieder verkaufen?

      Die Basis von allen Aktionen der Zentralbanken ist doch weltweit gleich. Die überschuldeten Staaten irgendwie am Laufen zu halten, die Kosten sind ganz eindeutig auf die Eigentümer abzuwälzen. Daher läuft es immer auf dasselbe heraus: Enteignung. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn dann alle den großen Banken und Staaten gehört – was dann?

      • Reiner Vogels sagt:

        Sehr geeehrter Bruder Dominicus (ich nehme das „F“ mal als Abkürzung von „frater“),

        wenn Sie meinen Beitrag als Rechtfertigung des EZB-Handels verstanden haben sollten, so ist das ein Mißverständnis. Vielleicht habe ich mich nicht klar ausgedrückt.

        Natürlich ist das Handeln der EZB, weil es ein Raub an allen Geldbesitzern und ein Diebstahl an allen ehrlich arbeitenden Menschen ist, in meinen Augen zutiefst unmoralisch und verwerflich und durch nichts zu rechtfertigen.

        • FDominicus sagt:

          Ich habe Ihren Beitrag so nicht verstanden. Was ich nur klarstellen wollte, ist daß doch das Ziel bei beiden Sichtweisen dasselbe ist. Das mit dem Bruder finde ich irgendwie lustig, da ich mit der Kirche nicht so sonderlich viel am Hut habe. Das ich so so kirchlich herüberkomme wundert mich schon….
          Nein, das F ist die Abkürzung für meinen Vornamen 😉

  6. querschuss sagt:

    Hallo Frank,
    „Und was halten die Banken dann für Asetts?“ …..Cash Assets (Barreserve/ Zentralbankgeld), nur dieses ist auf der Aktiva-Seite einer Bankbilanz unattraktiv – Bilanzidentität zur Passiva-Seite des Eurosystems, als Einlage, denn die Zentralbankgeldhaltung kostet Geld, einen Strafzins von -0,2% beim Eurosystem. Wenn also die Kreditvergabe nicht anzieht, wird es einfach zu einer Bilanzverkürzung bei den Banken kommen, die Identität, Einlage beim Eurosystem wir auch sinken. Denn die Banken werden ihre ABS-Papiere an das Eurosystem abgestoßen, dafür Zentralbankgeld erhalten und mit diesem ihre Zentralbankgeldkredite zurückgeführt, auch eine Bilanz-Nullnummer für das Eurosystem, deshalb heißt es ja auch nicht Bilanzziel, sondern Bilanzerwartung 🙂

    Aber was bingt das Ganze eigentlich? Durch die Bilanzverkürzung bei den Banken, steigt bei gleichem Eigenkapital, deren Eigenkapitalquote und die Banken erreichen so einfacher Basel 3. Eine verdeckte Bankenhilfe.

    Ansonsten köstlich geschrieben dein Artikel und mit der nötigen Prise Sarkasmus versehen, nur so ist es auch zu ertragen 🙂

    Gruß Steffen

  7. Sandra sagt:

    Das Problem ist nicht das Verbrechen, sondern die Deckung. Solange sich keiner schämt, da ja Millionen Menschen genau das selbe tun, gibt es keine Einsicht.
    Wie fragil einige Daten sind, wissen die Betroffenen oft selbst nicht. Z.b. Ein Unternehmen macht Gewinne auf Basis der Abhängigkeit, kann aber bei einer minimalen Änderung einer Anforderung in der Architektur große Probleme bekommen, da Entwicklungsarbeit der Generalisierung vernachlässigt

  8. Sandra sagt:

    Wer sich strategisch und operativ am Mehrwert für die Kunden ausrichtet, der macht dadurch manchmal weniger Gewinn. Zum Teufel nochmal sagt man sich da.

  9. Sandra sagt:

    Wem ist denn ein Vorwurf zu machen? Den charakterlosen Inkompetenten, denen die einfach clever sind und die Lücken nutzen, denen die in aller Stille kompetent ihren Charakter bilden und vertreten? Eins bedingt das andere.

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