Aktien und Gold

18. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Aktien seien aus Anlegersicht die Feinde des Goldes und umgekehrt, heißt es. Man vernimmt die Diskussion zu dieser These seit einiger Zeit umso häufiger, je tiefer die Aktienkurse fallen und je mehr der Goldpreis sich erholt. Die Antwort fällt nicht eindeutig aus. Spurensuche 15 Jahre zurück…

Aktien (gemessen am Dow Jones, dem klassischen amerikanischen Börsenstimmungsbarometer) bis Anfang 2000 aufwärts, danach drei Jahre lang abwärts – Gold in derselben Zeit erst noch ein Jahr abwärts, dann Beginn eines langjährigen Preisanstiegs mit nur kurzen Unterbrechungen – Aktien von Anfang 2003 bis Ende 2007 aufwärts – Gold ebenfalls – Aktien 2008 abwärts – Gold auch, aber nicht so heftig wie Aktien – Aktien von Anfang 2009 bis Mitte 2014 mit kurzer Unterbrechung 2011 aufwärts – Gold bis Mitte 2011 aufwärts, dann bis Mitte 2013 abwärts, anschließend unter Schwankungen seitwärts.

Zu welcher Erkenntnis kommen wir nach unserer Spurensuche? Dass es mal eine positive, mal eine negative Korrelation gibt. Oder populär formuliert: Sowohl Aktien als auch Gold entwickeln sich eigenständig, mal in dieselbe, mal in die entgegengesetzte Richtung. Auf die aktuelle Entwicklung übertragen: Die Aktienkurse schmieren ab, weil die Konjunktur – selbst in den USA – doch nicht so rosig ist, wie allenthalben vermutet wurde (auch wenn die Kurse sich am Freitag vorübergehend erholt haben), und weil die Geldpolitik allein sie nicht mehr genug stimulieren kann. Der Goldpreis erholt sich, weil das Edelmetall in asiatischen Ländern weiterhin stark nachgefragt wird und weil spekulative Verkäufe aus europäischen und amerikanischen Beständen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

Ginge man ins Detail, ergäben sich weitere Gründe für die Bewegungen von Aktienkursen und Goldpreisen. Etwa die Ukraine-Krise, die erst die europäische Konjunktur einschließlich Aktien herunterzieht und dann in deren Gefolge die amerikanische. Oder die wahrscheinlich von höchster Stelle initiierten Versuche, den Goldpreis zu manipulieren, damit die Papiergeld-Welt rosiger erscheint, als sie in Wahrheit ist. Doch all dem nachzugehen, ist mühsam, zeitaufwändig und meistens frustrierend. Um trotzdem den Überblick zu behalten, habe ich mir angewöhnt, durch das regelmäßige Beobachten der Börsen und durch den Gedankenaustausch mit Spezialisten für die wichtigsten Anlagesparten (Aktien, Anleihen, Immobilien, Gold) à jour zu bleiben.

Vermutlich werden Sie sich jetzt fragen, ob das auch ohne einen solchen Gedankenaustausch geht. Ja, es geht, und zwar – in beschränktem Umfang, aber schlussendlich effektiv – durch eigene Erfahrungen. Das heißt, durch Spekulation. Vorausgesetzt, Sie bereiten sich gründlich vor, indem Sie zum Beispiel vor dem Kauf einer Aktie Wissen über das betreffende Unternehmen aufbauen, die Gründe für den Kauf notieren und einen möglichst günstigen Kaufzeitpunkt abwarten. Danach registrieren Sie einen Kursgewinn oder -verlust. Bei dieser Gelegenheit sollten Sie Ihre Kaufgründe noch einmal überdenken und erneut notieren… (Seite 2)




 

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Ein Kommentar auf "Aktien und Gold"

  1. Michael sagt:

    Der Zeitpunkt des Kaufs ist wesentlich spannender als der Zeitpunkt des Verkaufs. Zumeist wird eher eilig gekauft und versucht den optimalen Verkaufszeitpunkt zu erwischen. Das Schwanz der versucht mit dem Hund zu wedeln.

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