After Crash Party

8. Dezember 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer
(Kolumne aus den Lübecker Nachrichten vom 20.September 2009)

Die Worte „Jahreshoch“ und „Aufschwung“ sind momentan so schick wie die neuesten Autos auf der IAA in Frankfurt. Die Börsenberichte lassen vermuten, dass der DAX täglich seine fünf Prozent schafft. Dabei waren es „nur“ 18 Prozent seit Mitte Juli…

Händler sagen, der Drops wäre fast schon gelutscht. Ist es eine gute Zeit, um auszusteigen? Ich weiß es nicht. Ist es eine gute Zeit, Aktien zu kaufen? Ich bezweifle es. Die meisten warten auf günstigere Kaufkurse, und das schon seit März.

Momentan steigt alles: Aktien, Rohstoffen, Edelmetalle und die Stimmung. Halleluja! Manche sprechen von einer After-Crash-Party. Riechen Sie das? Es könnte Inflation sein. An der Börse richtet man sich darauf ein, auch wenn heute davon noch nichts in den Schlagzeilen steht. Aussteigen aus Aktien, hieße Umsteigen auf Bargeld. Wichtige Experten riefen in dieser Woche das Ende der Rezession aus. Wie lustig, lagen die meisten in ihren Einschätzungen so schief im Markt wie ein Krabbenkutter vor Helgoland bei Windstärke acht. Und sollten Ihrem Ferngerät Seifenblasen entweichen, könnte der Grund dafür eine Obama-Rede sein oder Dinge aus dem Bundestagswahlkampf.

Börse funktioniert wie ein Ofen. Unten schmeißt man Geld rein – oben aus dem Schornstein quellen Plus – oder Minuszeichen. Und jetzt will man die Bennstoffzufuhr drosseln, will dem Säufer den Stoff entziehen. Na, ich bin mal gespannt, ab wann er randalierend durchs Lokal rennt. So funktioniert eine auf Kredit aufgebaute Wirtschaft. Mehr Wachstum braucht mehr Schulden. Und Börse ist dabei ganz einfach: Man zähle nur die Kohlezüge.

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