Affen mit iPhones. oder: Warum es Deppen an der Börse manchmal leichter haben

19. Januar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

von Ronald Gehrt

Als ich am Wochenende sah, wie ein Bekannter vergeblich mit seinem neuen, „selbsterklärenden“ iPhone rang, während er mir zugleich verbissen mitteilte, dass eine Bedienungsanleitung zu lesen reine Zeitverschwendung sei, erinnerte mich das an dermaßen viele Begebenheiten und andere Personen, dass ich – allerdings nicht zum ersten Mal – ins Grübeln kam…Diese scheinbare Belanglosigkeit ist keine … sondern Symbol dessen, was aus dem Gros der Menschheit in der sogenannten „ersten Welt“ geworden ist: Affen mit iPhones. Das hat so viel mit Börse tun … und mit meinem Entschluss vor einigen Jahren, als Börsendienste zum einen einen Infodienst, zum anderen aber rein durch Handelssysteme geführte Depots anzubieten, dass eine Kolumne daraus werden musste. Um auf den Punkt zu kommen, muss ich etwas ausholen. Genauer gesagt im Mittelalter beginnen. Aber diejenigen, die so ungern mehr als fünf Minuten am Stück lesen, mögen unbesorgt sein: Auch sie können diesen Text durchhalten!

Von wegen überlegen

Im angeblich „finsteren“ Mittelalter wurden die Messen auf Latein gelesen, um zu verhindern, dass das niedere Volk (also 98% der Menschen) auf dumme Gedanken käme. Man hielt die Menschen bewusst unwissend, um die besser lenken zu können. Aberglaube und Angst, Elend und Krankheit machte aus den Menschen in Europa wahrlich Primitive, die man nach Belieben beeinflussen konnte. Der Kinderkreuzzug im Jahr 1212, die Hexenverbrennungen in den Jahrhunderten danach, die Vernichtung der Katharer, der Dreißigjährige Krieg … all das ließ sich so spielend bewerkstelligen. Tja, diese Zeiten sind vorbei. Heute könnte man das mit uns aufgeklärten, hochgebildeten Bürgern nicht mehr machen, nicht wahr? Richtig: nicht wahr!

Im Gegenteil. Die Mehrheit der „zivilisierten“ Menschen sind sogar hilfloser als vor Jahrhunderten. Sie sind weit weniger imstande, in Krisensituationen die Kontrolle zu behalten und sich aus diesen herauszukämpfen. Wie einst Athen, Konstantinopel und Rom hat die „erste Welt“ eine Atmosphäre des Wohlstands erschaffen, der immer mehr in die Dekadenz abgleitet. Nehmen wir nur die Vorbilder in dieser Hinsicht, die Mitglieder des sogenannten Stammes der „Amis“. Träge, geistig unflexibel, fett und träge …. aber von sich selbst überzeugt bis zur Arroganz und Verachtung anderer, weil sie sich als führende Nation des Planeten definieren, obwohl 90% nichts dazu beitragen. Das ist eine Verallgemeinerung und unfair. Natürlich sind bei weitem nicht alle US-Bürger so. Aber diese Beschreibung ist eben auch nicht völlig falsch. Und wir, wir sind auf dem besten Weg, die USA einzuholen. Warum?

Ein Aspekt: Als Altkanzler Helmut Schmidt in den 80er Jahren eindringlich vor den Gefahren des Privatfernsehens warnte, haben ihn die meisten ausgelacht. Und ihre Kinder vor der Mattscheibe geparkt. Man hatte seine Ruhe und konnte sich um andere Dinge kümmern (meist auf einem anderen Fernseher Lindenstraße schauen). Die Folge war, dass sich immer mehr Menschen in der „ersten Welt“ in Wort und Schrift schlechter ausdrücken konnten, die Allgemeinbildung den Bach runterging und spielende Kinder an der frischen Luft selten wurden. Diese Kinder von damals haben heute selbst Kinder. Und tun das selbe, weil sie selbst nichts anderes kannten. Nur kommen jetzt auch noch Computer und Spielekonsolen hinzu. Und dann fragt der Focus ernstlich, ob unsere Kinder verblöden? Die Frage kommt 20 Jahre zu spät, denn viele Eltern sind es bereits. Und mit welchen Argumenten! „Für Bildung und die Entwicklung sozialer Kompetenz sind schließlich die Schulen zuständig.“ Die das aber natürlich nicht allein leisten können. Das Ergebnis: Zunehmende Trägheit. Körperlich wie geistig. Und man muss sich fragen, wie sich das in bei der kommenden Generation darstellen wird. Es sei aber erneut betont: Ich verallgemeinere nicht, diese Beschreibungen treffen beileibe nicht auf alle zu. Nur wird ihre Zahl immer größer.

Der zweite Aspekt: Die Menschheit beweist immer wieder, dass sich ihre geistigen Fähigkeiten in den vergangenen Jahrtausenden wenig bis gar nicht verbessert haben. Zu geistigen Leistungen eine Leonardo da Vinci wäre auch heute kaum jemand fähig. Und die Gelehrten der Ägypter oder Griechen sind klugen Menschen von heute beileibe nicht unterlegen. Auch emotional sind wir nicht anders als früher. Angst und Gier, Neid und Hass, Freude und Leichtsinn werden nur heutzutage durch Gesetze und soziale Schranken besser kanalisiert. Doch per saldo gilt: Wir sind heute noch genauso klug oder dumm, beherrscht oder unbeherrscht wie eh und je. Und wer das auszunutzen weiß, kann die Menschen genauso lenken wie einst im Mittelalter. Und merken … tun sie es heute erst recht nicht. Jeder weiß zwar im Prinzip, dass Bilder, auch und gerade im Fernsehen, manipulierbar sind. Aber die Mehrheit glaubt dennoch unbeirrt genau das, was ihnen vor Augen geführt wird. Gedrucktes kann lügen, Bilder nicht. So einfach ist das … >>>>>weiter>>>>>

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