Achtung Wende?

3. März 2014 | Kategorie: Gäste

von Ronald Gehrt

Wenn ich nun höchst gescheit voraussage, dass es für die kommenden Wochen am Aktienmarkt nur drei Möglichkeiten gibt, nämlich steigende, fallende oder seitwärts laufende Kurse, werden sie mich womöglich nicht für den Wirtschafts-Nobelpreis vorschlagen…

Allerdings ist diese Erkenntnis, so simpel sie auch sein mag, manchen Marktteilnehmern völlig fremd. Denn man findet unter Privatanlegern ebenso wie bei großen Adressen, die Milliarden für andere verwalten, doch immer wieder erstaunlich viele Akteure, die irgendeine Richtung einfach kategorisch ausschließen. Das ist ebenso menschlich wie gefährlich. Denn dadurch übertragen viele die Gewohnheit, ihren Willen durchzusetzen, in einem Bereich, wo ihr Wille niemanden interessiert.

Vor allem pflegt man dabei Veränderungen der letzten Endes entscheidenden Rahmenbedingungen nur zu gerne auszublenden. Und so sind immer noch verblüffend viele Anleger fest davon überzeugt, dass das Risiko, dass die Aktienmärkte eine kräftige Korrektur oder gar eine Trendwende absolvieren, gegen Null geht. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass die Indizes weiter steigen. Aber genau darum geht es ja an den Börsen: unmöglich ist nichts. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Optimisten womöglich schon in dieser Woche scheußlich die Finger verbrennen, ist meines Erachtens relativ hoch. Denn fasst man mal die aktuell bullishen und bearishen Argumente in zwei Abschnitten zusammen, sieht das meiner Ansicht nach wie folgt aus:

Bullishe Argumente:

(….)

Bearishe Argumente:

Die Entwicklung der Konjunktur in Europa, den USA und China ist weiterhin außerordentlich kritisch. Dass der Einkaufsmanagerindex der Region Chicago am Freitag über den Erwartungen lag, kompensiert nicht die deutliche Korrektur des Bruttoinlandsprodukts der USA im vierten Quartal von zuletzt 3,2 % auf jetzt nur noch 2,4 %. Denn das ist erschreckend dünn, wenn man bedenkt, dass der Oktober und der November noch relativ starke Monate waren und der Einbruch des Wachstums erst im Dezember begann.

Die Lage am Devisenmarkt ist zwar ein wenig aus den Schlagzeilen verschwunden, aber alles andere als geklärt. Der Kursverfall wichtige Emerging Markets-Währungen ist zwar teilweise zunächst gestoppt, eine Gegenbewegung ist aber nicht in Sicht. Und nun beschleunigt sich der Abstieg des Rubel zu Euro und US-Dollar, zugleich steigt auch noch der Euro zum US-Dollar kräftig an. Das ist für das exportlastige Europa eine außerordentlich problematische Entwicklung, gegen die sich die Unternehmen durch Absicherungen nur zeitlich begrenzt wehren können.

Die Entwicklung in der Ukraine und speziell auf der Krim gewinnt seit Freitagabend deutlich an Dramatik. Wenngleich man nicht einfach damit rechnen sollte, dass es hier nachhaltige Auswirkungen auf die Weltwirtschaft geben wird, so dürfte dies doch die Nervosität der Marktteilnehmer deutlich steigern.

Das in letzter Zeit nicht wenige wichtige Unternehmen zwar gute Zahlen für das vierte Quartal 2013, zugleich aber einen enttäuschenden Ausblick für das laufende Quartal und die Zeit darüber hinaus abgaben und sich das durch fast alle Branchen zieht, dürfte den meisten Anlegern nicht verborgen geblieben sein… (Seite 2)


 

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3 Kommentare auf "Achtung Wende?"

  1. Michael sagt:

    Schwer zu sagen. Vermutlich ist die Euphorie höher und die Stimmung ist noch nicht mal wirklich mehr optimistisch. Wenn mal der Klabautermann von Bord geht wird es Zeit für alle anderen es ihm gleich zu tun. Wir werden sehen. Sinkender Bug bei Flaute … kann sein dass er sich nochmal aufstellt bevor das Heck endgültig nach unten gezogen wird. Schwer zu entscheiden im Moment. Im Nebel … muss man auf Sicht fahren und das tun wir schon seit 2008/09.

  2. Lickneeson sagt:

    Jaja, es gibt immer 3 Möglichkeiten. Und ab und zu noch ein schwarzes Schwänli dazu.
    Nachdem der SPX am freitag ein neues ATH machte, sackt er erstmal per Gap wieder unter die 1850. Solange er nun darunter bleibt per SK darf man eher auf der shortseite mit Gewinnen rechnen. Beim DAX ist unter 9500 eine
    Seitwärtsrange verlassen, die erstmal Richtung 9150/9000 gehen dürfte.

    Aber viel interessanter sind seit einiger Zeit z.B. die Agrarrohstoffe sowie die Soft Commodities. Seit Monaten redet kaum jemand davon. Immer ein guter Zeitpunkt sich solche Märkte anzusehen. Auch bei den Devisen gibts nette Konstellationen, z.B.
    EUR/GBP. Hier kann man mit nettem CRV mal long gehen, es könnte in einiger Zeit ein Ausbruch aus einem „falling wedge“ anstehen, was meist eine impulsive Bewegung in die andere Richtung nach sich zieht.SL < 0,8140

    Die Mischung machts.

    MfG

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