Achtung: Währungskrise

31. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Die Geldpolitik der ungehemmenten Geldmengenvermehrung läuft Gefahr, einen Vertrauensverlust in die Kaufkraft des Geldes auszulösen.

Die Erschütterungen in den internationalen Finanzmärkten in 2008/2009 waren Symptome einer Ursache, und diese Ursache war eine Kreditkrise: Sparer und Investoren fürchteten, dass hoch verschuldete Staaten und Banken ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen könnten.

Erinnern wir uns: Ausgehend von der „Subprime-Krise“ in den USA schwand das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit vieler Schuldner. Kreditgeber waren nicht mehr bereit, ihnen neue Kredite zu geben – oder wenn, dann nur zu sehr hohen Zinsen. Die Kreditnehmer traf das unerwartet. Sie konnten ihre fälligen Kredite nicht zurückzahlen – weil sie darauf gesetzt hatten, dass sie bei Fälligkeit ihrer Verbindlichkeiten neue Kredite bekommen würden. Zudem waren die Schuldner auch nicht willens oder in der Lage, für neue Kredite hohe Zinsen zu bezahlen.

Der drohende Systemkollaps wurde abgewendet, indem die Zentralbanken die Zinsen drastisch absenkten und die Geldschleusen öffneten. Auf diese Weise gelang es, die Kreditausfallsorgen aus den Finanzmärkten zu vertreiben. Ein „Kunststück“ war das nicht: Schließlich sind die Zentralbanken ja die Monopolproduzenten des Geldes und können jeden Schuldner mit jeder benötigten Geldmenge versorgen.

Tiefzins- und Geldmengenausweitungspolitik konnten die Konjunkturen zwar stabilisieren, aber die eigentlichen Probleme, die zur Kreditkrise geführt haben, wurden dadurch nicht gelöst, sondern lediglich übertüncht. Vor allem die erdrückend hohen Schulden sind seither vielerorts noch weiter angestiegen. Das gilt insbesondere für den Euroraum und Japan.

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Geldmengenvermehrung

Weil das Wirtschaftswachstum nicht recht in Gang kommen will, hat die Bank von Japan Ende Oktober 2014 beschlossen, die Ausweitung der heimischen Geldbasis zu beschleunigen. Am 22. Januar 2015 verkündete dann auch die Europäische Zentralbank (EZB), sie werde bis September 2016 die Basisgeldmenge um 1,14 Billionen Euro ausweiten, indem sie ab März 2015 nun auch Euro- Staatsanleihen kaufen will.

In Japan hat das Ausweiten der Basisgeldmenge dafür gesorgt, dass die Aktienkurse merklich in die Höhe gestiegen sind. Ein sichtbarer „Schub“ für das Wirtschaftswachstum ist hingegen ausgeblieben. Vor allem scheint die japanische Geldpolitik die Befürchtung zu wecken, dass das „monetäre Experiment“ eine schlimme Wendung nehmen wird.

Das zeigt sich bereits im Verfall des Yen-Außenwertes. Offensichtlich treten Sparer und Investoren bereits „die Flucht“ an, verkaufen also Yen und investieren ihre Mittel unter anderem in andere Währungen, wie insbesondere den US-Dollar.

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Der Außenwert des Euro ist seit etwa August 2014 bis heute ebenfalls stark gefallen – vermutlich vor allem in Erwartung der Basisgeldmengenausweitung durch die EZB, die ab März 2015 nun Realität wird. Auch die EZB wird Staatsanleihen aufkaufen und sie mit neu geschaffenem Geld bezahlen. Im Zuge dieser Entwicklung – nimmt man Japan als Erfahrungsbeispiel – könnte der Euro- Außenwert vor einer Talfahrt stehen… (Seite 2)


 

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8 Kommentare auf "Achtung: Währungskrise"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    …Wird die Bereinigung der Überschuldungssituation verschleppt…
    Sie wird verschleppt werden, denn erst muss der dem Bürger noch der letzte Euro abgenommen werden.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. Argonautiker sagt:

    Ich denke, der Euro war noch nie eine Währung des Vertrauens. Wenn ich mich daran zurück erinnere, ich kam gerade von einem längeren Auslandsaufenthalt nach D zurück, hatte den Wechsel also nicht in der Eurozone miterlebt, kam wieder, und der Euro war seit etwa einem halben Jahr im Umlauf. Man war das ein Geschimpfe auf den Euro, das mir entgegenschlug.

    Denn Alle, denen es möglich war, also den Preisgestaltenden Menschen, hatten diesen Wechsel auf die ein oder andere Weise für sich genutzt, und der Verbraucher, schaute dumm drein, und hatte mit Konsumverweigerung reagiert. Das war extrem auffällig gewesen. Das Geld saß lang nicht mehr so locker wie zu DM Zeiten.

    Man sagte zwar, daß bei dem Währungswechsel alles mit rechten Dingen zugegangen sei, aber das war es nicht. Später ruderten die Preisgestaltenden dann zwar wieder etwas zurück, aber man konnte eindeutig merken, daß der Vertrauensbruch schon bei der Einführung stattgefunden hatte, und selbst jahrelanges auf die Menschen einreden, konnte das nie wieder zurückbringen. Zumal man ja gerade in D wußte, daß man den Euro, gegen die Mehrheit des Volkes eingeführt hatte.

    Die dicke Birne hatte das mit seinem französischen Kollegen durchgeboxt. Da gab es sogar Interviews, wo Kohl das stolz sagte, das er den Euro im Alleingang durchgeboxt habe, und er ein wahrer Diktator gewesen sei, aber manchmal müsse man halt hart gegen sein Volk sein, weil das Volk nun mal die Zusammenhänge nicht so verstehen würde, und BlaBlaBla.

    Da frage ich mich, wenn es doch Kohls Diktat gegen den Willen des Volkes gewesen ist? Warum läßt man ihn nicht auch persönlich dafür haften? Ah ja, ich vergaß, man möchte zwar in verantwortungsvollen Positionen sitzen, und die daraus folgende Macht genießen, aber die Verantwortung aus seinem Handeln, möchte man wohl nicht tragen.

    Was wäre es herrlich, wenn alle Regierenden und Bürokraten haftbar für ihr Handeln wären, halt so, wie jeder andere Mensch auch haftbar für sein Handeln ist.

    Schönen Gruß

    • bluestar sagt:

      Wie wäre es damit, das das deutsche Volk endlich einmal selbst die Verantwortung für seine eigene Dummheit übernimmt ?
      Der EURO wurde regulär von den Blockparteien eingeführt und diese vom Wahlvolk gewählt.
      Also sollten zumindest diese Wähler dazu stehen und nicht jammern.
      Es gab eine klare Alternative, nämlich die Partei pro DM. Vom 2007 leider gestorbenen Bolko Hoffmann 1898 gegründet und mit riesigem Einsatz von Privatvermögen wurden in allen Zeitungen bundesweit über seitengroße Anzeigen die Gefahren des EURO veröffentlicht.
      Jeder Deutsche ab Hauptschulabschluss konnte das verstehen – wenn er wollte. Die Partei pro DM wurde natürlich von den Proleten hier nicht gewählt, man entschied sich wie immer für die Einheitsbrühe der Blockparteien. Übrigens wurde Bolko Hoffmann schon damals als Rechtspopulist diffamiert, kennen wir das nicht irgendwie ?
      Alle Warnungen von Bolko Hoffmann sind eingetreten, jetzt werden die Deutschen wenigstens für ihre Dummheit bezahlen. Ich finde zurecht und die Masse der GROKO-Wähler
      sollte dazu auch stehen.

      • Argonautiker sagt:

        Das ist schon richtig, jedoch solange man vom Wahlrecht her keine echte Wahl hat, sondern Minderheiten einfach einverleibt werden, wird sich daran, daß die etablierten Parteien tun was sie wollen, auch so bleiben. Wir haben eben immer noch das Recht des Stärkeren, nur in einer demokratischen Verpackung, folglich rotten sich die Menschen zusammen, weil sie lieber ihre Identität aufgeben, anstatt bei den Verlierern zu sein.

        Merci für die Info zu Bolko Hoffmann, ich muß gestehen ich habe den Namen noch nie gehört.

        Schönen Gruß

      • JayJay sagt:

        So schauts aus, der mündige Bürger will es so und dann soll er auch später nicht jammern, wen die politische Kaste den laden endgültig an die Wand fährt.

  3. cubus53 sagt:

    Bei dem Gezeter um den Euro und den Vertrauensverlust in den Euro wird etwas Wesentliches übersehen. Geld ist ein Mittel zum Tauschen von Waren. Solange Geld auf Papier gedruckt ist, wird man immer geneigt sein, zusätzliches Papier zu bedrucken, um sich auf diese Weise ohne Gegenleistung zu bereichern. Ob nun auf diesem Papier Euro, Dollar, Yen usw. steht, ist doch völlig egal. An der Geldentwertung ist also nicht „Der Euro“ Schuld, sondern das Geldsystem auf Papierbasis. Jedes solcher Geldsysteme taugt irgendwann nur noch als mehr oder weniger kunstvoll bedrucktes Stück Papier. Jeder von uns sollte das wissen und privat entsprechende Vorsorge treffen.

  4. Michael sagt:

    Schauen wir mal auf den EURO. Der EURO ist ein politisches Projekt und war nie ein ökonomisches – diese Aussage aus einer Talkshow letzte Woche erstaunt dann doch. Der EURO ist eine Bürde die es zu tragen gilt.

    Wer ist vernarrt in den EURO? Der sog. Nordeuroraum der nicht nicht mehr die Hartwährungspolitik fortsetzen kann und damit bessere Exportchancen hat.

    Herr Polleit. Sie sehen unser heutiges Geld aus der Brille von Geld. Denke es handelt sich dabei eher um ein idealbildliche Vorstellung im Stile des Minnegesangs. Wer soll den noch die Wirkung von Geld erfahren, wenn es weggesperrt ist im Bankensystem und praktisch als beliebig vermehrbares Gut wird feilgeboten. Deswegen nenne ich unser ‚Geld‘ eher als in Landeswährung oder Superstaat Wärhung bewertetes Tauschpotential. Politiker reichen eben Tauschpotentiale weiter – das ist der Nachteil von politischen Projekten.

    Was passierte beim Export bspw… Tauschpotential wurde übergeben und die Güter hergeschenkt. Wenn ich der Herr Polleit mir den Betrag überwies mit dem ich beim ihn einkaufte hätte er zunächst mal zwar Geschäft gemacht, aber sein eigenes ‚Geld‘ zurückerhalten. Beim Herrn Polleit erhält man einen Gegenwert den man gegebenenfalls zurückgeben kann.

    Das Vertrauen in ‚Geld‘ schwindet in der breite auch ob der beschränkten Tauschbarkeit in nachhaltige Werte – selbst wenn man Realgüter betrachtet im Sinne von Konsum fälschlicherweise auch Investition des Privatmanns genannt. Was hält schon lange.

    Wir haben es gar nicht mit einem traditionellen Vertrauensverlust in die Werthaltigkeit respektive Wertspeicherungsfähigkeit von Geld zu tun, wir haben bereits einen Vertrauensverlust in die Eintauschbarkeit an sich. Wir haben ein Zwangsgeld gepaart mit der Alternative Produkte aus gesellschaftlichen Zwängen heraus und Verankerung von Abhängigkeiten gepaart mit geplanter Obsoleszenz zu tun. Diese Form des unredlichen Wirtschaftens, unredlich bezogen auf die ursprüngliche Bedarfsdeckungsabsicht selbst darüber hinaus, nagt an der letzten verbliebenen Geldfunktion.

  5. Michael sagt:

    Herr Polleit. Sie sehen unser heutiges Geld durch die Brille des redlichen Kaufmanns als Geld. Das ist jetzt die saubere Formulierung.

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