Achtung Meinungsfreiheit. Medien kontra Naidoo.

8. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

Ach wie gerne wird hierzulande die Meinungsfreiheit hochgehalten. Hat dann mal jemand eine eigene Meinung, die nicht der gewünschten Vorstellung entspricht, wird allerdings schnell munter draufgehauen. Diesmal sind wieder einmal Xavier Naidoo und die „Söhne Mannheims“ an der Reihe, die mit ihrem Lied „Marionetten“ offenbar zu frei mit ihrer Meinung umgehen…

Wenn man überlegt, wie es selbst so genannte „Femen“ oder auch Konstellationen wie „Pussy Riot“ zu wohlmeindenen Äußerungen in den Medien schafften, weil Sie gegen oder für das aktuell vermeintlich falsche beziehungsweise richtige sind, dann kann man das aktuelle Geschrei gegen Naidoo nur erschrocken zur Kenntnis nehmen. Vielleicht haben sich zu viele in dem Liedtext „Marionetten“ wiedergefunden.

Bemerkenswert ist die wieder einmal massive Breitseite aus allen Ecken der Medienwelt. Beim Zurückschießen kannte der Michel mal wieder keine Gnade und so dürfen die Leser wieder einmal die deutsche Meinungsfreiheit 2017 in vollem Umfang genießen.

Seit Tagen steht Xavier Naidoo für seinen neuen Song „Marionetten“ in der Kritik. Jan Böhmermann griff das Thema nun auf – und veralberte Naidoos Gruppe als „Hurensöhne Mannheims“.

SÖHNE MANNHEIMS: „MARIONETTEN“-SONGTEXT

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?
Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter
Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein
Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter
Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?
Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter
Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein
Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter

Und weil ihr die Tatsachen schon wieder verdreht
Werden wir einschreiten

Und weil ihr euch an Unschuldigen vergeht
Werden wir unsere Schutzschirme ausbreiten
Denn weil ihr die Tatsachen schon wieder verdreht
Müssen wir einschreiten
Und weil ihr euch an Unschuldigen vergeht
Müssen wir unsere Schutzschilde ausbreiten

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?
Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter
Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein
Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter
Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?
Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter
Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein
Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter

Aufgereiht zum Scheitern wie Perlen an einer Perlenkette
Seid ihr nicht eine Matroschka weiter im Kampf um eure Ehrenrettung
Ihr seid blind für Nylonfäden an euren Glieden und hackt
man euch im Bundestags-WC, twittert ihr eure Gliedmaßen
Alles nur peinlich und sowas nennt sich dann Volksvertreter
Teile eures Volkes nennt man schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter
Alles wird vergeben, wenn ihr einsichtig seid
Sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass ihr einsichtig seid

Mit dem zweiten sieht man …

Wir steigen euch aufs Dach und verändern Radiowellen
Wenn ihr die Tür’n nicht aufmacht, öffnet sich plötzlich ein Warnhinweisfenster
Vom Stadium zum Zentrum einer Wahrheitsbewegung
Der Name des Zepters erstrahlt die Neonreklame im Regen
Zusamm’n mit den Söhnen werde ich Farbe bekennen
Eure Parlamente erinnern mich stark an Puppentheaterkästen
Ihr wandelt an den Fäden wie Marionetten
Bis sie euch mit scharfer Schere von der Nabelschnur Babylons trennen!

Ihr seid so langsam und träge, es ist entsetzlich
Denkt, ihr wisst alles besser, und besser geht’s nicht, schätz’ ich
Doch wir denken für euch mit und lieben euch als Menschen
Als Volks-in-die-Fresse-Treter stoßt ihr an eure Grenzen
Und etwas namens Pizzagate steht auch noch auf der Rechnung
Und bei näherer Betrachtung steigert sich doch das Entsetzen
Wenn ich so ein’n in die Finger krieg’, dann reiß’ ich ihn in Fetzen
Und da hilft auch kein Verstecken hinter Paragraphen und Gesetzen

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?
Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter
Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein
Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter
Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?
Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter
Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein
Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter

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8 Kommentare auf "Achtung Meinungsfreiheit. Medien kontra Naidoo."

  1. Insasse sagt:

    „Marionetten“ ist für meinen Geschmack noch eher sagen wir „umschreibend“. Zumal es für dieses Parlament ein historisches Vorbild auf deutschem Boden gibt. Es ist noch nicht sehr lange her und es hatte die Bezeichnung DDR-Volkskammer. Aktuell muss man nur noch ergänzen mit 2.0.

    Aber wen wunderts bei der parteiübergreifend ideologischen Verblendung in Richtung neoliberaler Globalisierung. Zudem sollte man die Lebensläufe der Volkskammer-Abgeordneten einmal näher betrachten. Wenn Sie nicht ganz und gar gefälscht sind, offenbaren sie in vielen Fällen, dass die Damen und Herren außer der inhaltsleeren, dafür aber umso moralinsaureren Dummschwätzerei nicht viel anzubieten haben, um außerhalb staatlich zwangssubventionierter Bereiche ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Solche Umstände erhöhen natürlich den Druck zur Systemkonfomität.

    Aber solcherlei Erkenntnisse kann man von ausbildungstechnisch nicht bessser ausgestatteten, dafür ebenfalls zwangssubventionierten Dummschwätzern, wie Blöder-, ähm Böhmermann selbstverständlich nicht erwarten. Und dann ist ja auch bei ihm noch das Problem, dass er in der freien Wildbahn große Schwierigkeiten hätte, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

    Und deshalb gilt: Ein zwangssubventionierter Dummschwätzer hackt dem anderen kein Auge aus.

    Schöne neue Welt!

  2. Diederich Heßling sagt:

    ZUGESPITZT !!!??? Jetzt verschlägt es mir den Atem…was an dem Songtext ist denn zugespitzt ??? Aber daran sollt ihr eure Pappenheimer erkennen.

  3. hansreiner sagt:

    Was ist nur mit diesem Land los. Meinungsfreiheit hoch und heilig – ja. Aber sobald mal Einer etwas von sich gibt, was nicht „regierungskonform“ ist, wird er als rechter Hetzer verteufelt. Das erinnert mich sehr an die untergegangene DDR. Da hatte ich dann auch nicht das richtige „Klassenbewußtsein“! Freie Bürger, schaut Euch doch mal den Text von „Street Fighting Man“ von den Rolling Stones an. Da waren wir 1968 wohl freier und weiter als heute.

  4. Don_Juan_Matus sagt:

    Hallo,

    wieder ein toller Beitrag!
    Danke es tut gut, wenn man merkt, dass es noch Menschen mit „gesundem Menschenverstand“ und *Rückgrat* in Deutschland gibt!
    Dieser Artikel legt den Finger präzise auf die Wunde und demaskiert DIE Matrix – und macht dadurch Löcher hinein.
    Ganz prima, dass sie den Original-Songtext veröffentlichen!
    So kann sich jeder (mit/ohne Restverstand) eine EIGENE Meinung bilden.
    So geht Widerstand gegen den „political-correctness-Gaga“.
    Was ist daran antisemitisch / rechts / Verschwörungstheorie???
    Er drückt sich deutlich, aber vorsichtig aus.

    Diese Pseudo-Qualitätsmedien entlarven sich hiermit wieder selbst – und bestätigen
    Xaver’s Liedzeilen von den Marionetten an den Nylonfäden!
    Für Pressefreiheit rumschreien für ein geschmackloses „Hetzblatt“, das ja.
    Aber wirkliche Meinungsfreiheit geht gar nicht – in einer „remote controlled“ Democracy.
    (Einer sagte: „Die Pressefreiheit ist die Freiheit der 200 reichsten Familien IHRE Meinung zu drucken“)…
    Orwell-like könnte man sagen: „Meinungsfreiheit ist Faschismus und Faschismus ist Meinungsfreiheit“.
    Hierzu fällt mir wieder diese treffende Aussage ein:
    „Wenn du wissen willst, wer dich BEHERRSCHT, überlege WEN du nicht kritisieren darfst“!…
    …Auch immer gut zu überlegen: „Qui Bono?“ – und warum??
    In diesem Sinne…

  5. bluestar sagt:

    Mut hat dieser Künstler auf alle Fälle.Ich glaube er wusste, dass auf diesen Text die mediale Hinrichtung durch die Kampfschwerter der Blockparteien folgt, natürlich auch zur Einschüchterung anderer Künstler. Pluralismus war früher, es lebe der Einheitsbrei.
    Es ist so herrlich entlarvend, wie die getroffenen Hunde bellen und wild um sich beißen.
    Aber natürlich auch gefährlich und beunruhigend, in welcher Geschwindigkeit wir uns in Richtung DDR-Verhältnisse entwickeln.
    Vielen Dank für die Veröffentlichung des Textes.

  6. samy sagt:

    Naidoo außert sich selbst zu der Diskussion in einem Kommentar:
    http://www.mmnews.de/index.php/politik/113398–marionetten-jetzt-spricht-xavier-naidoo-

    Nun übertreibe ich einmal bewusst mit einem Zitat aus der Zeitung „Neues Deutschland vom 17. November 1976“ bzgl. Wolf Biermanns.

    „Was er dort sang, rezitierte und zusammenredete, das waren massive Angriffe gegen unseren sozialistischen Staat, gegen unsere sozialistische Gesellschaftsordnung. Es enthielt die Aufforderung, diese Ordnung in der DDR zu beseitigen. Er beleidigte aufs Gröbste die Bürger der DDR, von den Arbeitern in den Betrieben bis zur Führung der Partei und des Staates. … Er befindet sich in der Front derer, die ihre Hetzkampagne, ihre psychologische Kriegführung gegen die DDR wieder auf eine Höhe getrieben haben, die hinter der Zeit des kalten Krieges kaum noch zurücksteht. … Zur Staatsbürgerschaft gehört eine Treuepflicht gegenüber dem Staat. Das ist nicht nur in der DDR so.“

    Quelle:
    https://www.jugendopposition.de/152587?gallery=145337

    Eine weitere Paralelle Biermann zu Naidoo ist es, dass für beide Künstler andere Künstler dieser Länder diesem in einem offenen Brief beistehen bzw. beigestanden haben.

    (Weder hat Naidoo eine Vita wie Biermann, noch geht er (bisher) vergleichbare Risiken ein oder droht ihm eine Ausweisung oder sonst was. Auch befinden wir uns nicht in einer Diktatur oder sind von bewachten Mauern umgeben. Daher hinkt der Vergleich. Aber die Reaktion unserer Medien und Politik auf diesen Songtext ist doch ungewöhnlich heftig. Und genau das Heftige, dieses „Angefasstsein“ sein der Macht, diese einzelne Meinung eines Künstlers nicht einmal ignorieren zu können, dass erinnert dann doch an diese fanatische, linientreue Empörung)

    VG

    PS: Diesen Satz aus o.g. Quelle muss man sich zu heutigen Zeiten von Edward Snowdens einmal auf der Zunge zergehen lassen:

    „Um den Grad der Unverschämtheit dieses sogenannten Liedermachers zu ermessen, muß man sich vergegenwärtigen, auf welcher Bühne sich das alles abgespielt hat, nämlich in einem kapitalistischen Land, in der BRD. Daß dort die kapitalistische Ausbeutung noch immer fortdauert, daß Unsicherheit, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Inflation die werktätigen Menschen quält, daß jede progressive Betätigung bespitzelt und mit Repressalien belegt wird, … “

    🙂

  7. Aristide sagt:

    Wie das alte Sprichwort schon sagt: „Getroffene Marionetten bellen.“ … oder so.

  8. cmartin sagt:

    Vielleicht sollte man sich auch mal wieder den Text von R. Mey aus dem Jahr 1996 zu Gemüte führen.
    http://www.songtexte.com/songtext/reinhard-mey/sei-wachsam-3bda04d0.html
    Ich hoffe, die Meinungsfreiheit bleibt nicht auf der Strecke, und wir werden nicht nur mit diesen Wohlfühlliedern zugeschüttet. Schöne heile Welt!!!

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