Achtung: Inflation, nicht Deflation

9. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Sparer müssen sich nicht gegen Deflation, sondern gegen Inflation wappnen – und vor „Überraschungsinflation“ auf der Hut sein. Die Rufer, die vor Deflation gewarnt haben, haben ihr Ziel erreicht…

Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft jetzt Euro-Schuldpapiere im großen Stil und bezahlt die Käufe mit neu geschaffenen Euro. Der jüngste Rückgang der Konsumentenpreisinflation war jedoch kein Anzeichen für eine nahende Deflation – also einer Entwicklung, bei der die Preise auf breiter Front dauerhaft absinken.

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Vielmehr hat der Ölpreisverfall die Konsumentenpreisinflation merklich absinken lassen. Zu keinem Zeitpunkt hat auf den Finanzmärkten so etwas wie eine „Deflationserwartung“ geherrscht. Die Inflationserwartungen im Euroraum (illustriert anhand der „Inflationsswaps“) waren zu keinem Zeitpunkt negativ: Selbst 2008/2009 herrschte die Erwartung vor, dass auch künftig die Preise weiter ansteigen werden.

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Dieser Befund ist nicht überraschend. Denn Inflation ist stets und überall ein monetäres Phänomen. Es wird durch das Anwachsen der Geldmenge gewissermaßen willentlich „in die Welt“ gebracht.

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Steigende Preise auf breiter Front sind das Symptom einer Ursache – und diese Ursache ist die Vermehrung der Geldmenge. Ohne dass die Geldmenge anschwillt, ist ein fortgesetztes Ansteigen aller Preise nicht möglich. Im Euroraum wächst die Geldmenge derzeit mit einer Jahresrate von mehr als vier Prozent. Das spricht für künftig weiter steigende Preise – und spricht gegen die Vermutung, es werde zu einer Deflation kommen.

In einem ungedeckten Papiergeldsystem, in dem der Staat das Monopol der Geldproduktion hat, kann eine Deflation aber nicht nur abgewendet werden, wenn das politisch gewollt ist. Die Zentralbank kann auch, wenn es politisch gewünscht ist, für höhere Inflation sorgen, indem sie die Geldmenge ausweitet, sei es nun durch Bankkreditvergabe oder durch den Aufkauf von Wertpapieren, Devisen oder ähnlichem.



Nebenwirkungen

Die Warnung vor Deflation, die in den letzten Monaten zu hören war, war ganz offensichtlich Mittel zum Zweck: Sie hat nun zu einer Geldpolitik geführt, durch die die Euro-Staatsschulden monetisiert werden.

Diese Geldpolitik hat eine Reihe von Nebenwirkungen. Sie führt beispielsweise dazu, dass die Bilanzen der Euro-Banken wieder anwachsen. Man bedenke: Es war der Bankenapparat, der die Eurokrise ausgelöst hat! 2008/2009 drohten Euro-Banken zahlungsunfähig zu werden, und die Staaten eilten ihnen zur Hilfe, indem sie die Verbindlichkeiten der Banken mit Steuergeldern garantierten.

Weil das aber die Finanzkraft der Steuerzahler ganz und gar überfordert hätte, schwand auch die Kreditqualität der Staaten, und viele sahen sich nun ihrerseits steigenden Kreditkosten gegenüber. Erst als die EZB in Aussicht stellte, sie werde die elektronische Notenpresse anwerfen, um die offenen Rechnungen von Staaten und Banken zu finanzieren, entspannten sich die Kreditmärkte.

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Überraschungsinflation

Die Geldpolitiken dies- und jenseits des Atlantiks verfahren nach dem Motto „Weiter so“: Immer mehr Kredit und Geld zu immer niedrigeren Zinsen soll in Umlauf gebracht werden, um die Konjunkturen zu beleben.

Das Vermehren der Geldmenge ist zur Politik des kleinsten Übels geworden: Besser die Geldmenge vermehren, als eine Verlangsamung der Wirtschaft oder gar Zahlungsausfälle von Staaten und Banken hinnehmen.

Die wachsenden Schuldenlasten werden über kurz oder lang eine höhere Inflation politisch als wünschenswert erscheinen lassen, weil steigende Preise helfen, die realen Kreditverbindlichkeiten herabzusetzen. Allerdings führt Inflation nur dann die politisch gewünschte Umverteilung (vom Sparer zum Kreditnehmer) herbei, wenn sie sich überraschend einstellt, wenn es zu einer „Überraschungsinflation“ kommt.

Unter derartigen Bedingungen ist es vermutlich nur noch eine Zeitfrage, bis das Vertrauen in die Werthaltigkeit des Geldes schwindet, bis die Marktakteure nicht mehr an das Inflationsversprechen der Zentralbank glauben (können). Sparer müssen sich nicht gegen Deflation, sondern gegen Inflation wappnen – und vor „Überraschungsinflation“ auf der Hut sein.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH


 

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3 Kommentare auf "Achtung: Inflation, nicht Deflation"

  1. Argonautiker sagt:

    Die Rothschildsche Taktik funktioniert immer noch prächtig. Auf diese Weise, kam er jedenfalls aus einer Situation, des nahezu bankrott Seins, zu unermeßlichem Reichtum. Er ließ überall verbreiten, daß die Engländer gegen Napoleon verloren hätten, worauf die englischen Papiere ins Bodenlose fielen, und alle ihre englischen Staatsanleihen für einen Apfel und Ei verkauften. An wen? Natürlich an Rothschild. Als kurze Zeit darauf die Meldung kam, daß doch die Engländer gewonnen hatten, war Rothschild ein gemachter Mann.

    Lug und Trug scheint in diesem Geschäft der Spekulationen an der Tagesordnung zu sein. Jedenfalls hat man, und das finde ich das Seltsamste, es akzeptiert, und ihn nicht wegen Betruges eingesperrt. Wen wundert es also, daß es im Hochfinanzgeschäft immer mehr so zugeht wie unter Verbrechern. Was mich ebenso wundert, ist, daß man vom Volk bis in den Tod Vaterlandstreue fordert, es jedoch als legitim betrachtet, daß die Hochfinanz, im Falle einer Niederlage, mal eben so ganz schnell ihre Anteile am Vaterland verscherbeln, um sich mit dem ehemaligen Gegner zu verbünden.

    Nun könnte man sagen, Moral, wen kümmert schon Moral? Täuschung und Finten Legung, gehören nun mal auch zur Welt. Das ist schon richtig, aber eben unter Feinden. Und gegen Feinde darf man sich auch wehren. Letzteres darf das Volk, durch die Erzeugung eines Gewaltmonopols leider nicht mehr.

    Daß man es seitens des Gewaltmonopol Inhabers, also der Regierung, zuläßt, daß die Feinde der Gesellschaft an der Spitze der Gesellschaft stehen, macht das Ganze, was wir da haben, zu nichts anderem, als zu so etwas wie einem Forellen Aufzucht Teich, oder irgend einer anderen Zuchtanstalt. Betrieben von Schlächtern, die dort, je nach Belieben, ihre Köder einwerfen, und sich bedienen dürfen. Und ihr Tun, sich selbst mit der Tatsache begründen, na, wenn wir die Farm doch anlegen, und sie aufziehen, dann dürfen wir,…

    Ist das die Welt, in der wir leben wollen?

    Leider ist der Mensch zu nichts anderem geworden. Seine großen Leistungen, die er erbringt,- und die wirklich großen Leistungen erbringt er erst durch ein friedliches Arbeits- und Aufgabengeteiltes Miteinander, sind zum Futtertrog einer täuschenden Bande von Räubern geworden.

    Manchmal möchte man wirklich zu den Waffen rufen, aber nicht um Völker gegen Völker zu rufen, sondern die Völker gegen diese räuberische und täuschende Bande zu rufen, denn immerhin versuchen diese gerade wieder die Völker gegeneinander zu hetzen, um von ihrem bösartigen Tun abzulenken.

    Der andere Teil der traurigen Wahrheit, ist der, daß der größte Teil der Menschen eben inhaltlich auch nichts anderes mehr ist, als ein Aufzucht Tier, und mit der Eigenverantwortung, die mit der Freiheit käme, wohl auch ein wenig überfordert wäre.

    Warum bleibt die Elite unter sich? Aus dem gleichen Grund, warum ein Bauer keine zu innige Beziehung zu den Tieren aufbaut, die er schlachten oder ausbeuten will.

    Schönen Gruß aus Bremen

  2. Markt sagt:

    Die Geldmenge unabhängig von der Geldumlaufgeschwindigkeit als Maßstab für Inflation zunehmen halte ich für nicht (ganz) seriös.
    Gold schützt doch auch vor einem Schuldenschnitt Herr Prof. Dr. Polleit!
    Geld ist knapp, nur Kredit (Giralgeld) gibt es im Überfluss.
    Wer den Unterschied nicht wahrhaben will, dürfte diesen in nicht all zu ferner Zukunft bemerken.

  3. Ralf sagt:

    Zutreffende Analyse. Für unsere Elite sind wir auch nur willenlose manipulierbare Tiere, die ebenso wie die Tiere im Stall des Bauern vollkommen unfähig sind, sich gegen den Bauern zu erheben. So ist die Menschheit nach zwei verlorenen Weltkriegen dazu verdammt, die nächsten tausend Jahre ein Sklavendasein zu fristen wie die ägyptischen Bauern, die der biblische Joseph durch Geldmanipulation erfolgreich in die Sklaverei brachte. Die heutigen Massen sollen und werden zu gegebener Zeit die Bitte der ägyptischen Bauern aufgreifen und rufen: Joseph, Joseph, gib uns Brot, wir wollen auch deine Sklaven sein.

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