Achtung, es wird heftig gesprungen!

12. August 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Ist es Ihnen nach dem Diesel-Gipfel nicht auch so ergangen: Egal, was beschlossen wurde, Hauptsache, die Gemüter beruhigen sich wieder so schnell wie möglich, und die enge Verbindung von Regierungs- und Konzerninteressen bleibt erhalten…

Schließlich darf sich die Bundesregierung so kurz vor der Wahl im September keinen Eklat leisten, der die Autobranche, Deutschlands Schlüsselindustrie schlechthin, in ihren Grundfesten erschüttern und die Wähler auf dumme Gedanken bringen könnte.

Geradezu entwaffnend nimmt sich das folgende Gipfel-Zitat von Daimler-Boss Dieter Zetsche aus:

„Wir haben für drei Milliarden Euro eine neue Dieselgeneration entwickelt.“

Woraus sich schließen lässt, dass diese Aussage nicht so sehr als Offenlegung geheimer Daimler-Pläne zu interpretieren ist, sondern eher als Warnsignal in Richtung Berlin: Sollte die Bundesregierung wagen, den Dieselmotor als Auslaufmodell zu verdammen, wäre das nicht nur ein Schlag gegen die deutsche Ingenieurkunst, sondern auch eine Gefahr für viele Arbeitsplätze.

Keine Frage, hier handelt es sich um ein hochgradiges Politikum: Geht die Bundesregierung zu streng gegen die Autolobby vor, muss sie sich deren Gejammer wegen der dadurch möglicherweise wegfallenden Arbeitsplätze anhören, wie bereits vor Einführung des Katalysators in den 80er Jahren geschehen.

Parallelen zur viel zu hektisch angegangenen Energiewende nach dem Atomreaktorunfall von Fukushima drängen sich da geradezu auf. Gibt die Bundesregierung dagegen klein bei, dürfte sie nicht umhin kommen, zusammen mit der Autoindustrie so schnell wie möglich ein Konzept für den Übergang zur E-Mobilität zu erarbeiten; denn in Sachen Elektroautos fahren zunächst Amerikaner und Chinesen voraus.

Für Anleger liefert die Dieselaffäre viel Anschauungsunterricht. Denn sie markiert den defensiven Teil eines neuen Technologiesprungs, dessen offensiver Teil von Tesla, Alphabet (Google), BYD und einer Reihe weiterer außerhalb Deutschlands ansässiger Unternehmen geprägt wird, die mit der traditionellen Autoindustrie wenig zu tun haben. Im Gefolge des Technologiesprungs lässt sich viel Geld verdienen (allerdings auch verlieren, falls man nicht aufpasst).

Viele Sprünge (nicht nur technologische) liegen hinter uns, wie der Übergang vom stationären zum mobilen Telefonieren, von der Schreibmaschine zum Computer oder von der Analog- zur Digitalfotografie. Andere Sprünge begleiten uns seit Jahren, wie die Urbanisierung, die Biotechnologie, das Internet oder die Globalisierung. Wiederum andere befinden sich erst in den Anfängen, wie die Zunahme des Durchschnittsalters der Bevölkerung weltweit, die Völkerwanderung nach Europa, die Digitalisierung in immer mehr Lebensbereichen, der Cyberkrieg, der Klimawandel, der Ersatz fossiler durch regenerative Energien und das allmähliche oder schlagartige Platzen der internationalen Schuldenblase.

Dass all diese Entwicklungen sich überschneiden, dass sie zum Teil interdependent und nur bedingt beeinflussbar sind, macht die Sache für Anleger nicht einfach. Dennoch drängt sich die eine oder andere Schlussfolgerung geradezu auf. So hat beispielsweise die Urbanisierung, also der Zuzug der Menschen in die Städte, dazu geführt, dass man auf das eigene Auto verzichtet und stattdessen das Carsharing bevorzugt.

Und wenn man wegen zu hoher Mieten in den Städten lieber aufs Land ausweicht, bietet sich der öffentliche Nahverkehr an. Dann gilt es, Aktien von Unternehmen ausfindig zu machen, die davon profitieren, seien es Waggonbauer und ihre Zulieferer, Schienenspezialisten, Logistiker oder auf Verkehrslösungen konzentrierte Softwarehäuser.

Sofern es um die internationale Schuldenblase geht, erscheint die Schlussfolgerung zunächst ganz einfach: Ihr Platzen ist programmiert, weil die Schulden wegen ihrer Höhe und wegen der Geschwindigkeit ihres Wachstums nie und nimmer zurückgezahlt werden können. Doch der Zeitpunkt des Platzens bleibt ungewiss.

Um sich vor den Folgen zu schützen, setzen vor allem reiche Anleger auf Sachwerte, besonders auf Immobilien. Dabei bedenken die wenigsten von ihnen allerdings, dass der Staat mittelbar Zugriff auf Immobilien hat, etwa indem er die Grundsteuer erhöht und die Mieten begrenzt. Gold und Silber in Form von Anlagemünzen oder Barren sind da die bessere, auch für weniger reiche Anleger mögliche Alternative – zumal nach dem vorübergehenden Rückschlag vom vergangenen Freitag, der nochmals eine günstige Gelegenheit zum (Nach-)Kaufen bietet.
Manfred Gburek – Homepage

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