Achtung! Demokraten bei der Arbeit.

21. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott
Die US-Wahl ist vorbei, Trump ist der gewählte neue Präsident, gibt sich konziliant und eigentlich sollte nun alles seinen gewohnten Gang gehen. Leider haben die Demokraten ihren Enthusiasmus erst nach der verlorenen Wahl wiedergefunden und verhalten sich nun so, wie sie es noch vor kurzem der anderen Seite vorwarfen…

Die Zündeleien und Demonstrationen in den USA nach dem Sieg der Republikaner, die von Anhängern von Clinton und Co veranstaltet wurden, hätten eigentlich den noch im Amt befindlichen Präsidenten und die unterlegene Kandidatin auf den Plan rufen sollen. War nicht von Angst vor einer Spaltung des Landes die Rede und von möglichen Unruhen, sollten die Republikaner und Trump verlieren? Nun bricht sich unter den Demokraten und Hipstern in den USA offenbar eine Erkenntnis Bahn, die man hierzulande von den Grünen kennt. Man verliert Wahlen denkt aber weiterhin man spräche für 99% der Bevölkerung, denn die Partei, die Partei die hat immer Recht.

Hierzulande dürfte die Dauerberieselung aus Gender-Mainstreaming, Quotenpenetranz und der Zurschaustellung und dem Aufbauschen von alles und jedem, was nicht der klassischen Familie, funktionierender Inhaltsvermittlung oder sonstigen Konventionen, die älter als fünf Jahre sind entspricht, durchaus einer großen Mehrheit auf die Nerven gehen. Auf dem langen und begrüßenswerten Weg der Toleranz, der unter anderem zum Ziel hat, die Menschen so leben zu lassen wie sie wollen, wenn sie dabei niemanden verletzen, ist eines leider über Bord gegangen. Der Begriff Toleranz leitet sich nicht von „toll finden“ ab. Jeder soll leben wie er mag, sollte aber nicht gleich zickig werden, wenn es eigentlich außer ihm selbst niemanden interessiert. In den USA sprechen bestimmte Themen offenbar ebenfalls keine 99% an. Das sollte nicht nur ein Politiker oder (yeah, polical correct!) eine Politikerin sondern auch deren Wähler zur Kenntnis nehmen und nicht auf der Stelle Durchdrehen und alle anderen zu Verrückten und geistig Minderbemittelten erklären.

Bei der Beschreibung der Veränderungen im politischen Apparat durch die Presse geht es aber weiter wie man es vom Wahlkampf gewohnt war. Während das Schwingen der Nazikeule in der deutschen Regionalberichterstattung bereits eine Tradition seit den späten siebziger Jahren hat, so muss man sich nun auch bei den Beschreibungen der Lage in den USA daran gewöhnen.

Der dauerhafte Gebrauch von Hitler- (oft) und Stalin-(fast nie) Vergleichen hierzulande ist gleichermaßen unerträglich, überflüssig und, was möglicherweise am schwersten wiegt, verharmlosend. Man wundert sich, warum noch niemand wegen Hitler-Verharmlosung verklagt wurde. Hat nicht der Saarländer von der Internet-Maasi  („Mainstream Agentur Angepasstes Sauberes Internet“) der Hetze den Kampf angesagt?

Na dann mal los, es gibt Arbeit auf der anderen Seite. Gestern war beispielsweise zu lesen, die Umbesetzungen, die Trump und sein Team im republikanischen Apparat vornehmen, seien wie die „Stalinschen Säuberungen“. Abgesehen davon, dass Trump unter anderem dafür gewählt wurde, die Sümpfe in Washington aber auch in der eigenen Partei trockenzulegen („drain the swamp“), sind diese Umstrukturierungen wenig überraschend. Viele Republikaner hatten schon im Wahlkampf ihren Unmut geäußert und teils offen gegen Trump opponiert. Das sollte eine Kooperation für beide Seiten eher unerquicklich machen. Umgebracht oder in Arbeitslager in Alaska verschleppt wurde aber bisher unseres Wissens niemand, auch kein abtrünniger Republikaner. Den Stalinschen Säuberungen fielen mehrere Millionen Menschen zum Opfer. Da man hierzulande mit der Entstalinisierung bisher nicht vom Fleck gekommen ist, muss man mit diesbezüglicher Unkenntnis in der Republik wohl noch eine Weile leben.

Bemerkenswert ist, wie schon den gesamten Wahlkampf über, die geradezu absurd kriecherische und einseitige Berichterstattung weiter Teile der deutschen Medien. Angefangen beim Staatsrundfunk, in dem steuerfinanziert behauptet wurde „Wir seien angesichts des Wahlsiegs betroffen“. Wir wissen nicht wie es Ihnen geht, möchten aber betonen, dass wir uns nicht als Teil dieses medialen Einheits-Wirs betrachten und uns schämen, für ein zunehmend an die aktuelle Kamera erinnerndes Staatfernsehen laufend eine Zwangsgebühr entrichten zu müssen.

Bei den Zeitungen und Websites der Republik haben wir glücklicherweise noch die Freiheit sie nicht zu lesen. Was etwa der kleine Moritz vom Handelsblatt denkt und prophezeit ist von derart zweifelhafter Qualität und hat sich nicht erst in den letzten Wochen als sehr oft einseitig und noch öfter als falsch herausgestellt, dass sich die verbliebenen Käufer dieses Blattes fragen sollten, wofür man Korrespondenten in den Staaten braucht, wenn dieser nicht ein Jota besser informiert ist als jeder Feierabend-Blogger in seiner Souterrain Wohnung in Frankfurt an der Oder, der die Staaten nie besucht hat.

Angesichts der durch sinkende Nachfrage bedingten finanziellen Schieflage in der sich viele Gazetten befinden ist leider auch eine staatliche Subventionierung ausgewählter Blätter des Sektors nicht mehr auszuschließen. Natürlich wird es heißen, diese geschehe zum Erhalt der Meinungsvielfalt. Allerdings steigt durch Wiederholung nicht die Vielfalt sondern lediglich die Menge der Einfalt. Wer zwei Dosen Ravioli kauft hat zwar mehr Ravioli aber nicht mehr Auswahl.

Uns guten Demokraten sei abschließend die Frage erlaubt, warum die Besetzung des Bundespräsidentenamtes in Deutschland nicht durch das Volk entschieden wird.

Nehmen wir einmal völlig unabhängig von existierenden Personen an, es gäbe den einen oder anderen deutschen Politiker, der Donald Trump als Hassprediger bezeichnet hätte. Diese Gestalt robbte sich gleichzeitig mit schöner Regelmäßigkeit in anderen Regionen der Erde bildlich gesprochen mit dem Hintern voran an Despoten heran, um in den dortigen Gefilden mit weichgespülter Rhetorik mehr Demokratie anzumahnen und ansonsten mit noch mehr Rhetorik droht, ansonsten aber alles beim alten lässt. Ob Wir dieses Prachtexemplar wohl wählen würden? Da ein Präsident in der BRD zwar größtenteils mit Phrasendreschen und wichtig über den Mikrofonwald hinwegblicken beschäftigt sein sollte, immerhin aber auch das Land repräsentiert, wäre es doch sinnvoller, diesen Menschen von eben dem Volk wählen zu lassen, das er repräsentieren soll, und nicht von Parteien, die schon lange bestenfalls noch sich selbst eher aber gar nichts mehr repräsentieren. Bevor man andere Länder belehrt wäre es doch schön, einmal selber einen richtigen Schritt zu machen.

Unterhaltsame Impressionen zur Bundespräsidentenauslese und politischen Erfolgen bekannter Bundestagswahlverlierer.

 

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Ein Kommentar auf "Achtung! Demokraten bei der Arbeit."

  1. Gurkengelee sagt:

    Anlässlich des Handelsblatt-Leserdialogs habe ich einen offenen Brief an Herrn Thomas Sigmund, dem Leiter des Hauptstadtbüros geschrieben, in dem es explizit um den tendenziösen und unwürdigen Unfug geht, den Moritz Koch verbreiten durfte. Ich bin mal gespannt, ob es darauf irgendeine Reaktion gibt.

    https://lastsresort.blogspot.de/2016/11/handelsblatt-leserdialog-offener-brief.html

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