Ach wie schön ist Niemandsland…

19. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Dinge im Überfluss wie Wasser, Luft und Schuldpapiere sollten im Preis eher niedrig als hoch stehen. Im Zinsmarkt ist das anders. Dort geht derzeit der Wahnsinn um. Willkommen im Niemandsland!

Die EZB sorgt mit ihren Käufen von Staatsanleihen für einen zusätzlichen Engpass bzw. für immer stärker negative Zinsen bei explodierenden Kursen der Papiere. Selbst marode Pleitestaaten bekommen jetzt sogar noch Geld dafür, wenn sie mehr Schulden machen. Irre!

Das ist wie ein Küchenkauf, wo man 100 Euro dafür bekommt, wenn man sie mitnimmt und in fünf Jahren gebraucht wieder abgibt – gegen eine neue kostenlose Küche mit dann 1.000 Euro Bonus. Die Botschaft der EZB war klar: Sie zieht das Ding durch bis September 2016. Im Anleihemarkt knallten die Sicherungen durch, während der EZB-Chef von einer Protestlerin mit Konfetti überschüttet wurde, was die Pressekonferenz durchaus unterhaltsam machte.

In der letzten Woche ist der DAX um 5,5 Prozent gefallen. Das muss ein Irrtum sein. Oder vielleicht ein doppeltes Hoch wie beim K-DAX, der sein Allzeithoch aus dem Jahr 2000 knapp übertraf, aber dann heftig abgewiesen wurde? Wir wissen es nicht. Ein Abwärtsimpuls im Aktienmarkt würde ja theoretisch die Anleihekurse noch weiter befeuern, so wie immer. Dann kommen wir eben noch schneller im Glück an. Oder nicht?

Im Niemandsland fließt Milch in Bächen  – und wenn es regnet, tropft Honig vom Himmel. Das Glück lässt sich nicht aufhalten, wenn Irrsinn regiert – bis es über der gesamten Eurozone Honig regnet und Milch den Rhein entlang fließt… Was werden die Folgen sein? Diese werden nicht ausbleiben.

Wenn die Politik die Märkte steuert, mag das erst einmal gut sein und zu einem scheinbaren Aufschwung führen. Doch dieses geborgte Glück hat seinen Preis. Die EZB hält den Euro-Laden derzeit mit Null-Zinsen zusammen. Die Inflation, die es ja offiziell nicht gibt, aber jeder spürt, entsorgt so die Schuldenlast in Zeiten, in der Statistik als neue Form der Kunst zählt.

Und was kommt als Nächstes? Wenn dann Bargeld verboten und jeder lückenlos überwacht wird, samt kostenlosem Geld und viel Propaganda, dann sind wir im endgültig und unumkehrbar im Niemandsland angekommen. Oder im finanziellen Jenseits? Vielleicht ist es auch nur eine Art von DDR mit vollen Regalen.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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3 Kommentare auf "Ach wie schön ist Niemandsland…"

  1. JFK sagt:

    Nein Herr Meyer,
    auch dann werden die Regale wieder leer sein – oder mindestens immer leerer werden, denn bis dahin wird sich die Erkenntnis auch beim letzten Homo primitivus durchgesetzt haben, dass sich Arbeit nicht lohnt und die DDR 2.0 begonnen hat.
    Es lebe schon jetzt der Neologismus für den wieder einzuführenden EVP (Einheitlicher Verbraucher Preis ) der transatlantischen Einheitspartei Deutschlands.
    Die Menschen werden nach China/Russland auswandern, weil die Unternehmnerische Freiheit dort größer sein wird. Schon jetzt wird an einer Mauser(nach deutschem Vorbild) an der Grenze Ukraine/ Russlans gebaut und in guter alter DDR-Tradition schiesst man dort auch schon auf Menschen die über diese Mauer nach Rusland wollen… in die Freiheit.
    Ostfernsehen ist jetzt schon in – man darf nur nicht laut sagen, dass man es schaut weil sonst die NSA anklopft.
    Alles bekannte Strukturen.

    Die Partei, die Partei die hat immer Recht und Obama es bleibe dabei !!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. FDominicus sagt:

    Ich habe dazu nur eine Frage. Heute schon tanken gefahren?
    „Wenn die Politik die Märkte steuert, mag das erst einmal gut sein und zu einem scheinbaren Aufschwung führen. “

    Ging irgendwie schnell vorbei mit dem „gut“ sein…..

  3. Michael sagt:

    Traue keinem Index den du nicht selbst manipulierst.

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