Ach wie dumm, dass keiner weiß…

16. Dezember 2013 | Kategorie: Gäste

von Ronald Gehrt

… nein, nicht, dass ich Rumpelstilzchen heiß. Sondern dass man nicht weiß, was die großen Spieler an den Terminbörsen vorhaben…

Der dreifache Hexensabbat, sprich der große Verfalltermin an den Terminbörsen am Freitag, rückt immer näher, das brisant nahe davor platzierte Statement der US-Notenbank erst recht…

Wird man am Geldhahn herumfummeln und den Umfang der Stützungskäufe am US-Anleihemarkt zumindest um symbolische fünf oder zehn Milliarden zurücknehmen oder nicht? Gute Frage. Aber womöglich ist das gar nicht entscheidend. Den was in dieser Woche an den Aktienmärkten passieren wird, wird von den vorgenannten Riesenzockern am Terminmarkt bestimmt. Und da stellen sich die weitaus wichtigeren Fragen:

Was haben die vor? Oder anders: Haben die überhaupt schon einen Plan, wo man die Kurse am Freitag zur Abrechnung der Futures und Optionen gerne hätte? Und gibt es da überhaupt eine Art Konsens – oder ziehen die einen nach oben, während die anderen die Kurse zugleich zu drücken versuchen?

Genau das ist das entscheidende Element, welches diese neue Woche unberechenbar machen wird. Denn wenngleich der Eindruck entstehen könnte, wenn man pauschal von „großen Adressen“ oder den großen Spielern an der Terminbörse spricht, dass sich hier um eine geschlossene Gruppe mit einheitlichen Zielen handelt, so ist doch in Wahrheit das Gegenteil richtig. Hier ist jeder des anderen Konkurrent und wird den Teufel tun, sich mit denen regelmäßig vorher abzusprechen. Im Gegenteil, für den eigenen Profit wünscht man der Konkurrenz natürlich regelmäßig alles Schlechte. Und wenn mal wieder irgendwelche wüsten Gerüchte gestreut werden, hofft man inständig, dass die anderen „Großen“ darauf hereinfallen. Eine einheitliche Handlungsweise wird erst dann entstehen, wenn wirklich deutlich wird, dass sich eine Trendrichtung zum nächsten Verfalltermin durchsetzt.

Dabei ist es natürlich immer wieder das Ziel – und das von allen großen Spielern an den Terminbörsen – die Abrechnung der Derivate an einem Punkt zu vollziehen, der von der Masse der normalen Anleger nicht erwartet wurde. Denn dann verfällt der größere Teil der Optionen wertlos, was für die großen Adressen, die mehrheitlich als Stillhalter agieren (sprich die Optionen verkaufen) bedeutet, dass sie den beim Verkauf eingenommenen Preis als vollen Gewinn verbuchen können. Und natürlich rechnet es sich, wenn man die Indizes und Aktien entsprechend in die richtige Richtung bugsiert, vorausgesetzt, die Umsätze sind nicht allzu groß und man muss nicht damit rechnen, dabei auf dem falschen Fuß erwischt werden.

In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zwischen den Verfallterminen zu markanten Richtungswechseln der Aktienindizes, was insbesondere auf diesen Aspekt zurückzuführen ist. Und da man sich, wenn man die Kurse am richtigen Punkt mit der Brechstange anschiebt, der Gefolgschaft der Daytrader und computergesteuerten Handelsprogramme sicher sein kann, ist eine solche Vorgehensweise in Relation zum dann erzielbaren Gewinn im Derivatemarkt durchaus rentabel.

Das Problem in der aktuellen Situation ist, dass zwar der kurzfristige Trend im Augenblick noch nach unten weist, die Distanz zu den bisherigen Allzeithochs und damit zu einer Abrechnung an einem oberen Extrempunkt insbesondere bei den US-Börsen (wo gerade der Optionsmarkt eine viel größere rolle spielt als bei uns) aber noch nicht zu groß wäre… (Seite 2)

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