Abzug! Bank Run auf irisch

10. Februar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

vom BANKhaus ROTT

Von der grünen Insel mit den vielen roten Zahlen kommen beängstigende Daten. Dem Bankensystem kommen die lebenswichtigen Einlagen abhanden. Der aktuelle Report der irischen Zentralbank zeigt eine dramatische Entwicklung…

Das ehemals als keltischer Tiger bekannte Land kämpft seit der unseligen Übernahme der Bankschulden durch die Allgemeinheit mit massiven Geldabzügen. Vor allem ausländische Anleger werden aktiv. So wie die Gelder zu Zeiten des scheinbar ewig blühenden Immobilienpreiswachstums auf die Insel strömten, so rasch suchen sie jetzt den nächsten Hafen, um sich in die Heimat oder sonst wohin abzusetzen. Im Zeitalter, in dem es ein paar Tage dauern kann, bis sie ihre neue PIN erhalten, ist eine Überweisung von Milliarden eine Frage von Millisekunden.

Der Zentralbank bleibt es dann überlassen, regelmäßig die neuen Löcher bekannt zu geben und vor „Unruhe zu warnen“. Bekanntermaßen sind die größten Krater aus den Bankbilanzen herausgelöst worden und auf die Staatskonten und in den öffentlichen Pensionsfonds verschoben worden. Ein Blick auf die Verschuldungsstatistik der Republik zeigt, wie eine langjährige Entwicklung mit eher mäßiger Verschuldung durch ein absurd unprofessionell und unvorbereitet wirkendes Bankensystem auf ein nicht haltbares Niveau getrieben wurde.

Wir bezweifeln übrigens, dass ein Kollaps der Banken in Irland den Iren mehr geschadet hätte, als diese künstliche Stützung desolater Firmen. Die Leidtragenden hätten wohl eher in London oder Frankfurt gesessen. Die folgende Grafik, dass auch bei den irischen Staatsanleihen die Gläubiger größtenteils im Ausland sitzen.

Es kam anders, die Banken wurden zur Freude ausländischer Investoren am Leben gehalten. Nun hat Irland ein kaputtes Bankensystem, einen kollabierten Immobilienmarkt, einen desolaten Staatshaushalt und zu allem Übel auch noch den IWF am Hals. Gerade letzteres wird dazu führen, dass die Malaise auf der grünen Insel noch so lange anhalten wird, wie es opportun erscheint und die Entwicklungen mit irischen Vorstellungen wohl nicht viel zu tun haben werden.

Leichte Anflüge von Panik sind den Anlegern allen europäischen Stützungsfonds zum Trotz nicht abzusprechen. Warum das Geld nicht andernorts lagern, wo es derzeit ein bisschen ruhiger ist? Ein kleines Beispiel für die Situation der Banken, wie die Zentralbank sie einschätzt:

For Irish-owned credit institutions1, the increased difficulty in sourcing funding in wholesale markets was compounded by continued market uncertainty over expected losses on loans that remain to be transferred to NAMA as well as on their non-NAMA loan book.

Verluste, die bis heute nicht abzuschätzen sind und Ungewissheiten bezogen auf die Papiere die noch in die Bilanz staatlicher Vehikel umgebucht werden sollen. Das kommt ihnen bekannt vor? Gut möglich, denn dieser Satz beschreibt im Grunde den Zustand weiter Teile des globalen Finanzsystems. Die Mittelabflüsse lassen sich bei dieser Ausgangslage nicht bremsen. Im Gegenteil, es kam zu einer teils deutliche beschleunigten Fluchtbewegung.

Der private Sektor – Haushalte, Pensionsfonds und andere Finanzfirmen – zogen ihr Geld mit einer jährlichen Rate von 4,8% von ihren Konten ab. Schlimmer erwischte es die Termingelder, was durchaus verständlich ist, denn die Unsicherheit steigt mit dem Zeithorizont. Da Banken in der Regel „überraschend“ und am Wochenende ihre Pforten schließen ist es mit der Sicherheit auf kurze Sicht allerdings ebenfalls nicht sonderlich weit her.

Die Abflüsse finden mit einer überaus bemerkenswerten Geschwindigkeit statt: Termingelder mit einer Frist von bis zu zwei Jahren sanken mit einer annualisierten Rate von 13,6%, bei den längeren Laufzeiten wurden sogar 23,7% gemessen. Das sind katastrophale Zahlen, die, wenn sie sich nicht rasch ändern oder zumindest stabilisieren, zu einem Kollaps des verbliebenen Sektors führen können.

Vor allem die Ausländer aus dem Nicht-EU Raum suchen das Weite, wie die folgende Darstellung verdeutlicht.

Einlagen, also das Geld der Kunden, ist für Banken immer noch die billigste Art der Finanzierung. Vergleichen Sie einfach einmal die Zinsen, die sie auf ihre Einlagen bekommen mit den Raten, die ihre Hausbank am Kapitalmarkt zahlen müsste. So billig dieses Geld für die Bank sein mag, so abhängig sind die Institute von dieser Quelle – einige mehr, einige weniger.

Daher werden Aktionen, wie der kürzlich in Frankreich gestartete Plan “StopBanque”,  ein Aufruf zur massenhaften Abräumung der eigenen Konten bei der Hausbank –  so rasch wie möglich ins Lächerliche gezogen und als Plan „gefährlicher geistig Verwirrter“ dargestellt. Nun, was auch immer der einzelne von einem solchen Vorgehen halten mag, der rasche Abzug von Einlagen ist jedenfalls ein sehr effizientes Mittel. Die vielzitierten gefährlichen geistig Verwirrten übrigens konnte man in der Vergangenheit vermutlich eher in Vorständen und Kreditprüfungsabteilungen bekannter Großbanken finden. Wie beim Konsum gilt beim Bankgeschäft, auch wenn das schwer vorstellbar ist: Der Kunde entscheidet. Was man nicht mag oder unterstützen möchte, muss man nicht kaufen. Bei Nullzinsen und Kontoführungsgebühren gilt für „Aktiv-, Extra- oder Platinum-Konten“ das Gleiche.

In Irland klappt es mit den Abflüssen offenbar gänzlich ohne Aktionsplan. Ein System, dass sich in Auflösung befindet, und das sich wegen mangelnder tauglicher Assets in den Bankbilanzen schon an die nationale Zentralbank wenden musste, um einen direkten Einbruch zu vermeiden, ist nicht Vertrauen erweckend.  Daher kommt das Geld nun halt woanders her. Die Europäische Zentralbank streift die Spendierhosen über und offeriert Gelder zu Konditionen, die weit unter Marktniveau liegen. So laufen Marktwirtschaft und Aufschwung im Jahr 2011.

(Central of Ireland) So Given the ongoing tensions in the money markets, the Eurosystem has continued to offer refinancing operations at a fixed rate tender with full allotment. Irish resident credit institutions’ borrowings from the Central Bank as part of these Eurosystem monetary policy operations increased significantly in recent months, from just over €95 billion in August 2010 to €138.2 billion in November.

Ja, da weiß man auch gleich, was “lender of last resort” bedeutet. Wenn jemand so im Schlamm steckt, dass ihm keiner mehr Geld leihen mag, dann leihen ihm halt alle Geld, ohne dass sie es selbst entscheiden können. Es ist ein bisschen wie bei der Riesterrente. Alle sollen die ganz dolle staatliche Förderung in Anspruch nehmen („Seien sie clever…“) und darüber wird vergessen, woher denn das Geld für eine staatliche Förderung eigentlich kommt. Steuern und Schulden wäre ein guter Tipp. Wie die sprichwörtliche Wurst haben auch staatliche Mittel zwei Seiten.

 

 

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2 Kommentare auf "Abzug! Bank Run auf irisch"

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