Abwerten ist gesund

18. Oktober 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott
Die freiwillige Abwertung der eigenen Währung ist der Offenbarungseid der Politik. Wenn einem gar nichts mehr einfällt, dann soll es gefälligst der sinkende Außenwert der Währung richten! Wenn das allerdings alle gleichzeitig versuchen, wird es gefährlich…

Das Fundament der derzeitig kursierenden Währungen ist das vielzitierte Vertrauen. Das ist eine sehr flüchtige Basis, was angesichts der über die letzten Dekaden vergleichsweise geringen Devisenkursschwankungen bei den so genannten „majors“, den großen Währungspaaren in Vergessenheit geraten ist. Bei den Währungen von Schwellenländern und „frontier markets“ sind massive Kursverluste nichts ungewöhnliches, wenn auch westliche Fans manches Landes das gerne vergessen. Aber eine längere Phase der Ruhe ist am Finanzmarkt kein Vorbote von Stabilität. Das Gegenteil ist richtig. Man mag sich an die „great moderation“ erinnern, die in einer üblen Krise endete oder auch an die kurze Phase der Ruhe in den ersten Jahren der Eurozone. Auf wenig Vola folgt viel Vola. Auf viel Vola folgt wenig Vola, entweder durch eine Pleite oder eine Gesundung. Und so weiter und so fort.

Die unlängst zu beobachtenden Turbulenzen beim britischen Pfund geben einen Vorgeschmack auf Dinge, die manchem Land bevorstehen dürften. Die Briten sind Kummer mit ihrer Währung gewohnt, jedoch oszillierte das Pfund über 38 Jahre in einer breiten Spanne zum Dollar. Innerhalb von einem Monat hat sich das Bild verändert, das Pfund markierte ein 38-Jahrestief und die Schwankungsbreite hat deutlich zugelegt. Ob das bereits die Auswirkungen beginnender nachhaltiger Kapitalabflüsse von der Insel sind, wird man später erfahren. Die Dynamik nagt jedoch an der Basis der Währung, dem Vertrauen. Das Wettrennen zwischen erhofften positiven Effekten einer Abwertung und der Mischung aus negativen Effekten und Vertrauensverlust ist in Gange.

Die Gefahr, die von einer raschen Abwertung einer Währung ausgeht, wird nach wie vor unterschätzt. Das gilt nicht nur für Großbritannien. Auf die groteske Resthoffnung Japans, in einer Yen-Abschwächung läge die Rettung der Pazifikinsel, darf man wohl antworten, man solle sich vor der Erfüllung manches Wunsches lieber fürchten. Wie will man, wenn die Währung erst einmal ins Rutschen geraten ist, einen dynamischen Sturz bremsen? Seine Währung zu schwächen kriegt über kurz oder lang jeder Depp hin. Kaputt machen können die meisten Menschen so ziemlich alles. Das wieder zu kitten ist nicht so einfach. Eine Zigarette zu Asche verarbeiten ist leicht, der umgekehrte Weg ist ungleich schwieriger. Der langfristige Verlauf des Pfunds gegen den Dollar sieht folgendermaßen aus.

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Markiert ist die vielbeschworene „Pfundkrise“, die jeder mit dem Namen George Soros verbindet. Angeblich hat der Mann die Bank of England gesprengt. Wie immer muss man aber wohl sagen, die Bank hat sich eher selbst gesprengt. Im übrigen zeigt der Chart, dass man besser die Zeiten markieren sollte, in denen das Pfund nicht in einer Krise ist. Man darf nicht vergessen, dass auch der Dollar im dargestellten Zeitraum gut zwei Drittel seiner Kaufkraft verloren hat.

Im Währungsgetümmel fast untergegangen ist die Idee des „Chefökonoms“ (was für ein Titel…) der Weltbank Justin Yifu Lin. Er sprach von einer global nutzbaren Papiergoldwährung. Ein überaus seltsames Konstrukt, handelt es sich dabei doch lediglich um eine globale Verrechnungseinheit, die wie die aktuellen Währungen durch nichts gedeckt ist, sich zur besseren Vermarktung aber völlig sinnfrei das Etikett „Gold“ anheftet. Der Mann könnte auch einfach von Sonderziehungsrechten sprechen, dann würde auch klarer, dass man der Institution, die niemand braucht und die im Grunde schon tot war, so zum ewigen Leben verhelfen möchte, dem IWF.

An der Gewichtung der genannten Sonderziehungsrechten schraubt man bekanntlich ab und zu herum. Die letzte Änderung war ausnahmsweise mal wieder interessant, wurde doch der chinesische Renminbi in den Währungskorb aufgenommen. Der Anteil steigt damit von 0% auf 10,9%. Das ist die erste spannende Nachricht, der zweite Teil betrifft die Währungen, deren Gewicht abnimmt. Wenig erstaunlich bleibt der Dollar bei rund 42%, eine natürlich vollkommen unpolitische Entscheidung. Verlierer sind das britische Pfund, das warum auch immer noch als Reservewährung gilt, und der Euro, der immerhin noch als Einheit gehandelt wird und noch nicht wieder in Einzelteilen. Der Platz, den die chinesische Währung künftig einnimmt, wird fast zur Gänze vom Euro freigeräumt. Der Anteil der europäischen Experimentalwährung schrumpft von 37,4% auf 30,9%. 

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Diesen Abbau darf der treue Europäer natürlich als weiteres ermutigendes Zeichen der Stärke und des Vertrauens auffassen. Denn unsere Währung, unser Geld, genießt Vertrauen in aller Welt.

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