Abweichler: Schrecklich, nervig, schlecht auf Kurs

21. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

Glosse von Frank Meyer

Nein, diese Abweichler! Im Bundestag vermehren sie sich schlagartig nach jedem „Hilfspaket“. Je höher die Zahl der Rettungs-Runden, desto höher auch die Zahl dieser seltsamen Spezies. Vermutlich wird es kein 15. Rettungspaket für Griechenland geben, außer…

…man schafft diese Abweichler kurzerhand ab. Aber wie?

Was für ein Begriff, den die Journalistenmeute in den letzten Tagen so oft benutzte. Klingt frisch und modern! Der „Abweichler“ ist zumindest sprachlich mit dem „Weich-Ei“ verwandt und auch sonst recht unbeliebt, da unbequem.

Ein „Abweichler“ ist eigentlich ein Rebell, um nicht Seuche einer Partei zu benutzen – in Diktaturen ein Dissident bzw. im halbdemokratischen Sozialismus der Sand im Getriebe eines sonst dahinflutschenden Regierungsbetriebs. Einige sagen, sie wären mutige Helden, den anderen ist das ohnehin egal, außer es scheppert mal.

Man kann „Abweichler“, auch als Störenfried bekannt, einfach nicht auf Linie bringen. Jedenfalls noch nicht und herkömmlichen Mitteln. Es gäbe schon Möglichkeiten. Gerüchtehalber soll nach Aussagen des Postillons ein Herr Kauder kurz nach der Bundestags-Entscheidung am Mittwoch über de griechische Konkursverschleppung kurzerhand 63 Säurefässer bestellt haben. Woher der Positillon nur diese Glaskugel hat…

Ja, aber wirklich mal: Stehen diese Störenfriede eigentlich noch auf dem Boden der Demokratie? Vielleicht ist das ja das eigentliche Problem in Zeiten von weniger Demokratie. Man kann durchaus vermuten, dass ihnen als Volksvertreter das Volk noch irgendwie wichtig ist. Wie altmodisch!

„Querulant“ wäre ja auch ein passendes Wort wie Dissident. Letztere bekommen später manchmal den Nobelpreis, wobei dieser auch nicht mehr das ist, was er mal war. Und bis dahin dauert es meist lang.

Frau Merkel kann in der Partei ja nicht mit der Peitsche umher laufen. Aber sie kann Herrn Kauder schicken. Er muss dazu gar nicht aufgefordert werden, wenn es der eigenen Karriere dient. Er, fest mit dem Boden der Demokratie verschraubt, droht, die Abweichler aus den Ausschüssen zu verbannen. Ich weiß gar nicht, warum diese Gremien Ausschuss genannt werden. Vielleicht kommt nur selbiges heraus? Keine Ahnung. 

Nein, so ein Abweichler hat es schwer mitten im Wandel einer Demokratie zu einer Super-Demokratie über den Zwischenschritt der Demokratur, an deren Ende die Diktatur steht. Nicht die des Volkes. Die „Diktatur des Guten“ ist doch immerhin etwas anderes als das, was man so landläufig unter diesem Begriff kennt.

„Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen!“ sagte einst ein Herr Pofalla zu Wolfgang Bosbach. Das Säurefass wäre durchaus geräuschärmer gewesen. Trotz Kauder zeigt Bosbach Mut und Rückrat. Inzwischen gibt es schon 63 Bosbachs in der CDU.

Kurzum, Abweichler sind schreckliche Menschen, die den Nachrichtenfluss stören, die Sendekanäle verstopfen wie Haare den Abfluss und auch noch ganze Sätze bilden können mit giftigem Inhalt.

Abweichler, so weiß Wikipedia zu berichten, sind Leute, die an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen sind . Dazu muss man erst einmal eins haben! Und das gibt es sicher nicht im Supermarkt. Am besten kommt man als Abgeordneter durch, wenn man sich erst gar keins zulegt. Sonst landet man bei der Wahl auf einem Listenplatz, der nicht umsonst so heißt, da man so diese „Leute“ auslisten kann wie schlecht gehenden Käse im Supermarkt

Übrigens, in meiner Gegend, Postleitzahl 64579, haben Franz-Josef Jung („Gemeinsam erfolgreich für Deutschland“) und Gerold Reichenbach („Gesagt, Getan. Gerecht“) dem dritten Insolvenzpaket zugestimmt. Möge das Kreuz der Wähler ihnen später eine Botschaft sein! Ha… wenn es so einfach wäre… Ihre Jobs werden irgendwann durch Hippster und Püppchen aus der Spezies „jung & naiv“ später ersetzt. Wenn auch sie fünf Jahre überstanden haben, dann haben sie auf Lebenszeit ausgesorgt – will heißen, die Sorgen haben dann andere. 

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