Abwärts bis zum nächsten Schuss

3. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Rot, blau und grün… In diesen Farben zeigt sich der DAX nach dem schlechtesten Mai seit 1988 wie die Vene eines Junkies. Minus sieben Prozent. Ist das Brummen des Aufschwungs etwa ein Presslufthammer unter der DAX-Tafel? Rote Kurse, blaue Flecken und ewig grüne Ampeln von Experten…

Für sie sind Aktien immer billig, selbst vor jedem Sommerschlussverkauf. Schuld am Gemetzel waren keine Hells Angels, auch nicht Hellas Engels, sondern der spanische Stier, der ausgehungert als klappriger Gaul daher kommt.

Spanier holen ihr Geld von der Bank und schlafen auf dem bunt bedruckten Papier. Wohl dem, der etwas davon in Gold getauscht hat. Gold in Euro verteuerte sich im Mai und verdoppelte sich im Preis seit 2008. Moment! Vielmehr hat sich die Kaufkraft des Euro gegenüber Gold halbiert.

Der DAX sitzt auf dem Trockenen wie in einer Badewanne ohne Stöpsel. Bislang rufen die Märkte vergebens nach frischem Geld. Notenbanken sind hartherzig. Sie werden aber eingreifen, bevor die Wanne leer ist und der Junkie auf dem Trockenen sitzt. Aus der Eurozone wird Geld abgezogen. Der Euro hat im Mai gegenüber dem US-Dollar fünf Prozent verloren. Anleger akzeptieren sogar negative Zinsen in der Schweiz. So verbrennen sie Geld aus Angst, Geld zu verbrennen. Und es wird noch verrückter.

Ich mache mich am Wochenende in Waffenkunde schlau. Nach der Bazooka und der dicken Bertha aus der EZB sollte man auf den nächsten Schuss vorbereitet sein. Bis dahin werden die Märkte weiter abrutschen, bis sie neue Liquidität bekommen und DAX und Junkie dann noch ein paar glückliche Tage und Woche erleben.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


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3 Kommentare auf "Abwärts bis zum nächsten Schuss"

  1. GoldeneRegel sagt:

    „Ich mache mich am Wochenende in Waffenkunde schlau.“

    1.Regel:“ Wechsel stets die Waffe aus, von der Du annehmen kannst, daß
    sie auch die Hülse durch den Lauf treibt (siehe Titelbild).“

    Viele Grüße.
    PS: Die Philosophie der Freiheit: http://www.freiwilligfrei.info/archives/2831

  2. crunchy sagt:

    Liquidität schaffen sich die Anleger gerade durch Verkäufe. Doch wo fliesst die hin?
    Nur in Festgeld oder auch in Gold und später Silber?
    Wenn dem so wäre, begriffen sie, wohin die Reise geht bzw. der neue, profitable Trend aufgebrochen ist:
    Weg von Aktien, rein in Edelmetall. Wenn dann, beispielsweise im Zusammenhang mit dem griechischen Wahlausgang, weitere „Liquidität“ in den Markt gedrückt wird, bin ich mal gespannt, welche neue Blase sich auftut. Greenspan weiss, auf welches Thermometer er schauen muss. Unsere Politiker werden dann alle möglichen Farben sehen, bis sie ihre eigene nicht mehr erkennen können.

  3. samy sagt:

    Upsi!

    Sollte das Faber’chen Recht behalten mit dem Tip nicht so sehr nach Griechenland zu starren, sondern auch mal nach China zu Schielen?
    http://www.heise.de/tp/artikel/37/37043/1.html?utm_medium=twitter&utm_source=twitterfeed
    „Bank Run in China“, klingt für mich eigentlich etwas abwegig. Eine Massenbewegung, die dem Bankensystem schadet, die müsste eigentlich den freien Zugang zu freien Medien für viele chinesische Bürger voraussetzen.

    VG

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