Absurdes und Kurioses vom 17. Juli 2008

19. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Ein nettes Spektakel, ein Feuerwerk der guten Laune und ein Garant für krampfende Zwerchfelle, dieser 17. Juli 2008. An den Börsen brennt den Bären das Fell, die Kurse steigen und Bankaktien taumeln vor Freude wie der Ost-Berliner nach dem Mauerfall. Der Grund ist ganz einfach. Als ersten Schritt verbietet die SEC in Amerika das Leerverkaufen von wichtigen Bankaktien. 20 Prozent der Aktien sollen leerverkauft worden sein, da der Markt auf die Pleite des einen oder anderen Kandidaten spekulierte. Sicherlich wäre dieser Schritt rasch erweiterbar auf alle anderen Aktien. Als nächstes muss wohl damit gerechnet werden, dass man an den Börsen Aktien nur noch kaufen darf, nicht mehr verkaufen. Auch wenn das nicht funktioniert, die Idee hätte auch aus dem SED-Politbüro kommen können, oder aus dem in China. Ob es den gebeutelten Bankwerten auf Dauer helfen wird? Soweit zum Thema „freie Märkte“.

Jeder Amerikaner scheint in den letzten Wochen den Entschluss für ein Eigenheim getroffen zu haben. Anders sind die vorhin gemeldeten Zahlen zu den Neubauverkäufen und Baugenehmigungen wohl nicht zu erklären. Obwohl der NAHB-Stimmungs-Bau-oder-Bau-Stimmungs-Index gestern mit 16 Punkten auf ein Allzeittief erreicht hat, blickt der Amerikaner optimistisch in die Zukunft. Aber vielleicht hat man ja aus Versehen eine Null zuviel angehängt, bevor der Datenmix die Öffentlichkeit erfreute. Null macht ja bekanntlich nix aus. Oder?

Die Dresdner Kleinwort hat das Kursziel für Air Berlin ihre Verkaufsempfehlung bestätigt. Das Kursziel wurde von 5,80 auf 0,00 Euro gesenkt, fast so teuer wie telefonieren. Und womit fliegt Herr Kerner dann um die Welt?

An der Tankstelle meines Misstrauens hat man die Preise für Kraftstoffe festgenagelt, eingefroren oder vergessen zu ändern. Jedenfalls steht da seit dem Wochenende 1,51 EUR für Diesel und 1,53 EUR für Normal – oder Superbenzin. Genau weiß man ja nicht, was man in den Tank zapft, schrieb neulich die Bild. Öl ist dabei zehn Prozent gefallen und der Euro in etwa gleich geblieben. Sicherlich nur Zufall und alles Super! Oder nicht?

Die Experten des IWF heben gerade die Wachstumsprognose für Deutschland auf zwei Prozent an. Da sie schon mal dabei waren, taten sie das auch gleich für die restliche Welt. Die meisten Institute nehmen gerade ihre Prognosen zurück, reichlich spät. Aber der IWF ist eben der IWF. In dem Gutachten stellen die Ökonomen fest, dass die weltweite Konjunktur derzeit „eine schwierige Phase“ durchlebe. Ach was! Das erzählte mir neulich Frau Kleinert beim Bäcker. Ihre treffsichere Analyse hätte sie dem IWF auch anbieten können. Sie verlangt dafür nur 4,80 Euro in der Stunde, arbeitet aber zur Zeit noch als Putzkraft in einer Artpraxis, in zwei Sonnenstudios und in zwölf Restaurants.

An der Börse bleibt alles beim Alten. Die Öffnungszeiten werden nicht auf 8.30 Uhr vorverlegt. Schade, ich hätte den DAX gerne schon um 3 Uhr nachts in die Spur geschickt, nur um die verschlafenen Gesichter der Händler zu fotografieren, und die Fotos dann Amnesty International zu schicken.

Auch bei den Medien in den USA zieht gerade jemand am Stecker. Nicht nur dass die Anzahl der Zeitungen und deren Auflagen sinkt, die Unternehmen selbst kosten nur noch einen Apfel und zwei Eier. Für hunderte von Zeitungen und Webseiten, darunter auch die good old New York Times und dutzende Radiostationen legt man gerade mal 3,6 Mrd. USD auf den Tisch. Haben die Amerikaner etwa die Lust am Hören, Sehen und Lesen verloren? Oder geben sie gerade ihr Geld für die oben genannten neuen Häuser aus. Wer weiß?

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