Absturz am Rentenmarkt: Sieht so ein Bond-Crash aus?

7. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wenn etwas gut läuft an der Börse, dann sind es die Renditen für Staatsanleihen. Binnen weniger Tage haben sie sich ver-14-facht. Der Bund-Future badet entsprechend im eigenen Blut…

Ja, Mist aber auch! Hat ja niemand ahnen können, dass der Rentenmarkt auch fallen kann. Wo ist das Problem, fragte meine Nachbarin, meine Rente steigt doch! Okay…

Teils erratische Bewegungen bestimmen das Handelsgeschehen. Raus! Raus! Raus! … rufen diejenigen, deren Position unter Wasser liegt. Und es dürften viele sein, die deutsche Staatspapiere zu weit höheren Kursen gekauft haben, als niemand im Traum daran dachte, dass die Zinsen auch steigen könnten, trotz Gegenwehr der Zentralbank.

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So schnell kann das gehen… Bislang standen ja jeden Morgen genügend Dumme auf, die alles gnadenlos kauften, wo ein Kupon draufstand oder noch ein einziger Basispunkt auf dem Papier. Und dann begann man auch bei Papieren zuzugreifen, die garantierte Verluste einbrockten. Ver-rückt? Offenbar nicht mehr an seinem Platz.

Es gab noch andere Verrücktheiten… Kennen Sie Dong Energy? Nein, das macht nichts. Sie sollten aber wissen, dass das Unternehmen eine Anleihe herausgebracht hat mit drei Prozent Kupon jährlich, und das auf eine Laufzeit von 1.000 Jahren. Ja, Sie haben richtig gelesen. Ende der Laufzeit: 3.015. Das werden wir wahrscheinlich nicht mehr erleben, wahrscheinlich auch Dong Energy nicht. Der Bond fand reißenden Absatz. Drei Prozent jährlich bis zum Jahr 3015 haben schon Charme in einer zinslosen Zeit.

Manch Guru stellt heute erstaunt fest, dass der Anleihemarkt wohl etwas außer Rand und Band geraten sei. Kollege Rott schrieb darüber vor einem Jahr und kurz vor dem Crash. Manche meinen ja, das ist so verrückt wie der Neue Markt damals. Dong Energy würde das ja bestätigen…

Ist es eine spekulative Blase, die jetzt platzt? Zumindest hat sie keine fundamentale Rechtfertigung. Ohne die EZB wäre es vermutlich nie dazu gekommen. Platzen lassen können sie das Ding auch nicht, wäre zu vermuten.

Wir sollten uns bei den Zentralbanken bedanken für diese Umsicht und uns zugleich wundern, dass die Kurse fallen, obwohl die Bundesbank jeden Tag kräftig kauft. Hat sich der alte „Mister Market“ aus seinem Kellerloch befreien können, und wenn auch nur für einen Moment und kämpft seinen Kampf gegen die EZB? Wahrscheinlich aber ist mangelnde Liquidität der Grund, obwohl dieser Markt in Liquidität zu ertrinken droht.

Die meisten Anleihen werden von Kapitalsammelstellen gekauft und bis zum Ende gehalten. Auf der anderen Seite sorgen die Handelsbücher dafür, dass Schwankungen früher recht schnell ausgeglichen werden konnten. Doch ein Handelsbuch zu halten, kostet eben Geld und vor allem wegen der zunehmenden Regulierung Nerven. Dann ist es einfacher, das Handelsbuch stark zu verkleinern oder aufzulösen. Doch wer fängt die Papiere auf, die von den Kapitalsammelstellen dann verkauft werden müssen, wenn die Kurse entsprechende Niveaus unterschreiten? Das passiert gerade jetzt.

Viele der in den letzten Wochen gekauften Positionen treffen jetzt auf einen auch durch staatliche Regulierung ausgetrockneten Markt. Die Geister, die man rief, spuken jetzt umso lauter herum. Und niemand hat es kommen sehen.


 

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3 Kommentare auf "Absturz am Rentenmarkt: Sieht so ein Bond-Crash aus?"

  1. Marjin sagt:

    Sie sollten bitte erwähnen, dass der Dong Bond nach 5 Jahren erstmals gekündigt werden kann, was bei einem Hybrid sehr wahrscheinlich ist

  2. samy sagt:

    Tja Frank,

    da ist wieder ein Dummer aufgestanden. Mit ganz tiefen Taschen.
    http://www.zerohedge.com/news/2015-05-07/did-worlds-central-banks-hit-panic-button-morning

    VG

  3. Hans und Franz sagt:

    Schlimm, Herr Meyer ist schon so tief in meinen Kopf eingedrungen, dass ich diesen Text innerlich mit seiner Stimme und Tonalität gelesen habe 😀

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