Abspecken!

9. März 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die närrische Zeit ist nun vorbei. Das muss jedoch nicht heißen, dass es weniger Narren gibt bzw. man zum Narren gehalten wird. Und am Mittwoch begann die Fastenzeit…

Wie passend, denn schon seit Montag heißt es aufgrund der Ereignisse in der Ukraine sich anzuschnallen bzw. „Fasten your Seatbelts!“ Die Börse hat allein in dieser Woche drei Prozent abgespeckt. Nur die US-Börsen sind mit inzwischen nie gesehenen 20 Billionen US-Dollar Marktkapitalisierung so dick wie die Amerikaner selbst – und umfassen 30 Prozent der weltweiten Börsenwerte.

Fastenzeit heißt Verzicht: Alkohol, Süßigkeiten, Börse? Auf Börse zu verzichten, fällt den Deutschen leicht. Die Zahl der Aktionäre stagnierte 2013 trotz aller Überzeugungsarbeit. Heute muss man sich Aktien bei den Preisen auch irgendwie leisten können. Von den jungen Leuten lässt sich inzwischen nur noch jeder Zwölfte mit Aktien hinter dem Ofen, Pardon, dem iphone hervor locken. Sie haben andere „Luxusprobleme“. Und die Aktienkultur sieht inzwischen so mager aus wie manches Laufsteg-Modell.

Im Rohstoffsektor wurde dagegen überhaupt nicht gefastet – im Gegenteil. Allein der S&P Agrar-Index stieg dieses Jahr um 14 Prozent. Wir werden es zu spüren bekommen….

Wer behauptet, dass die „Rettungspolitik“ der Zentralplaner und Zentralbanker keine Wirkung hätte, sollte weiter ein Augen auf die Preise der Rohstoffe werfen. Dorthin ergießt sich jetzt auch ein Teil der gigantischen die Geldflut, die ja alternativlos ausgeschüttet wurde – so dass künftig Essen und Heizen teurer werden. Nein, wir haben ja keine Teuerung. Keine Sorge in den Büros derer, die die Zahlen errechnen.

Laut Statistik gibt man in Deutschen rund zehn Prozent des Einkommens für Lebensmittel aus – in Afrika fast alles. Wenn ein Chinese seine drei Schüsseln Reis täglich nicht bekommt, dann wird auch er rebellisch. Wir haben gesehen, dass man mit „Rohstoffpolitik“ die Leute auf die Straßen bringt.

Hunger ist bitter. Der DAX bei 20.000 Punkten schmerzt keinen, auch der Dow Jones auf Rekordkursen. Selbst der Goldpreis tut nicht weh – wohl aber derbe Aufschläge für Rohstoffe. Dann wird es vielleicht bald schon wieder heißen, die bösen Spekulanten haben die Preise für Essen in die Luft geschossen. Und wer hat ihnen dafür das Geld gegeben?

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

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Ein Kommentar auf "Abspecken!"

  1. bluestar sagt:

    Wieder super Artikel !!!
    Bei ihrem künstlerisch formuliertem, leicht und locker verpackten Sarkasmus zu den Dingen des täglichen Wahns muss ich innerlich immer lächeln. ( Ist bekanntlich sehr gesund)
    Ja, bei aller Dramatik der Ereignisse dürfen wir nicht die schönen Dinge des Lebens vergessen. Und gerade wegen der Schönheit des Lebens dieses verteidigen.
    Das betrifft auch Freiheit, Unabhängigkeit, Ehrlichkeit, Humanität. Für Ihren aufrichteigen und mutigen Beitrag dazu herzlichen Dank !!!

    VG und noch einen schönen Sonntag

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