Warum Märkte abwechslungsreicher sind als Politik

7. Februar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(vom Smart Investor) Selten hatten wir so viel Feedback auf einen Smart Investor Weekly, wie auf die letzte Ausgabe „Deutschland, Land der „Sexisten“. Entgegen dem, was der Mainstream gerne glauben machen will, war auch unsere Leserschaft überwältigend der Meinung, dass „Dirndl-Gate“ eine ziemlich konstruierte Angelegenheit war…

…deren große Resonanz innerhalb(!) des Mainstreams sich dadurch erklärte, dass mehrere Fliegen mit einer Klappe erschlagen werden konnten: Pro Feminismus und Genderismus, Contra FDP und weiße Männer ganz allgemein. Wer wollte da nicht mitjohlen?! Inzwischen ist das Thema abgeflaut.

Dafür ist Frau Annette Schavan, derzeit Bundesministerin für Bildung und Forschung in die Schlagzeilen geraten. Über das Thema „Person und Gewissen“ scheint sie trotz einiger „Flüchtigkeitsfehler“ vor allem theoretisch Bescheid zu wissen. Denn während sich Schavan bei der Diskussion um die Aberkennung des Doktortitels von Karl-Theodor zu Guttenberg „nicht nur heimlich schämte“, scheint ihr öffentliches Schämen in eigener Sache nicht so zu liegen.

Jetzt, wo der Doktortitel erst einmal futsch ist, klammert sie sich an das Amt und genießt dafür das „volle Vertrauen“ von Duzfreundin Kanzlerin – Politikerinnen eben. Für den Zuschauer ist allemal auffällig, welches Kesseltreiben seinerzeit gegen Guttenberg – auch unter Beteiligung Schavans – stattfand, und wie viel Verständnis, Nachsicht und Relativierung uns in ihrem Fall zugemutet wurde und wird. Zweierlei Maß, wie gehabt.

Unseren Aufruf an die Leser zur Diskussion bezogen wir im letzten Weekly nicht nur auf die Tagesaktualitäten, sondern auch auf das Grundsätzliche. Denn es sind die grundlegenden Fragestellungen, die unseren Blick für das Aktuelle schärfen und uns die Einordnung in einen Gesamtzusammenhang erlauben. Wer den täglichen Nachrichten ohne ein Wertesystem ausgesetzt ist, in dem er „geerdet“ ist, wird dagegen schnell zum Spielball von Manipulation und medialer Umerziehung. Vielleicht ein Grund, warum allenthalben der Beliebigkeit das Wort geredet wird. Für uns jedenfalls Grund genug, die Dinge aus der Vogel- oder auch Froschperspektive, in jedem Fall aber mit Distanz zu betrachten. Hier also noch einmal die Links auf die Editorials 1/2013 und 2/2013 von Smart-Investor-Chefredakteur Ralf Flierl und das Interview mit dem Verleger Wolfram Weimer. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare am Ende der jeweiligen Beiträge.

Zu den Märkten

Ein zwiespältiges Bild liefert derzeit der amerikanische S&P500-Index. Die mit den Paniktiefs im März 2009 begonnene Aufwärtsbewegung flachte sich über die letzten Jahre immer weiter ab (oberer Teil der Abbildung). Während der Markt immer weniger nach unten wollte (oder durfte), wollte er auch nicht mehr richtig nach oben. Seit Ende 2011 bildet sich eine sogenannte Keilformation heraus. In einem solchen Aufwärtskeil steigen die Bewegungstiefs schneller an, als die Bewegungshochs, weshalb die untere Begrenzungslinie einen steileren Anstiegswinkel aufweist. Wenn man genau hinsieht, gab es bis Herbst 2012 sogar einen engeren Keil, der nach unten durchbrochen wurde. Wir waren damals – nicht nur deshalb – skeptisch für Aktien gestimmt. Die Erklärungen der Notenbank-Chefs Bernanke und Draghi fingen die kritische Situation seinerzeit aber wieder ein… (Seite 2)

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