Absolut irre!

13. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Vor wenigen Tagen wurde in den USA eine Resolution verabschiedet, die einem Krieg in der Ukraine alle Türen öffnet. Die Medien hierzulande schweigen, weil das alles „ganz normal“ ist. Ist es das?

Der US-amerikanische Kongressabgeordnete der Republikaner plädiert seit Jahren dafür, die US-Notenbank abzuschaffen. Mit seinem griffigen Slogan „End the Fed“ erreichte der Politiker in der Vergangenheit bezeichnenderweise vor allem die jungen Leute in den USA.

Manche mögen Paul wegen dieses Ansinnens für „vollkommen verrückt“ halten. Allein die Vorstellung, die US-Notenbank abzuschaffen, dürfte vielen Zeitgenossen als Sakrileg gelten. Wo doch grade diese Institution eindrucksvoll bewiesen hat, dass sie mit ihren segensreichen Wirkungen ganz entscheidend zum Wohlergehen der Menschen beiträgt. Nicht wahr…?! Wir kommen noch darauf zurück…

In dieser Woche hat sich Ron Paul erneut zu Wort gemeldet. Auf der Seite www.antiwar.com hat sich der Politiker die Resolution mit der Nummer 758 vorgenommen, die der US-amerikanische Kongress vor wenigen Tagen verabschiedet hat.

Paul klein

Das Engagement des streitbaren Politikers hat gute Gründe: Paul spricht von der „schlimmsten Gesetzesvorlage“, die es jemals gegeben hat und warnt einigermaßen unverblümt vor einem dritten Weltkrieg. Wenn Sie sich fragen, warum Sie davon in den Medien hier zu Lande nichts gehört haben, dann lesen Sie einfach weiter:

Gleich zum Auftakt nimmt Resolution 758 in Paragraph 3 Russland aufs Korn und beschuldigt das Land einer Invasion in der Ukraine. Beweise? Fehlanzeige. Ron Paul fragt: „Wir hörten die stellvertretende Staatssekretärin Victoria Nuland prahlen, dass die USA fünf Milliarden Dollar in den Regimewechsel investierten. Warum ist das o.k.?“

Paragraph 11 in Resolution 758 verurteilt die Menschen im Osten der Ukraine, weil dort im November „betrügerische und illegale Wahlen“ abgehalten worden seien. Wie kommt es, fragt Ron Paul, dass Wahlen von der US-Regierung immer dann als „illegal und betrügerisch“ bezeichnet werden, wenn sie nicht das gewünschte Ergebnis liefern?

Paragraph 13 der Resolution 758 fordert einen Rückzug russischer Truppen aus der Ukraine. Beweise, dass russische Truppen dort überhaupt stationiert sind? Fehlanzeige.

Besonders pikant ist Paragraph 14 der Resolution 758. Dort wird behauptet, dass Flug MH 17 von einer Rakete prorussischer Separatisten abgeschossen wurde. Das ist schlicht gelogen, denn bis auf den heutigen Tag existiert für diese These nicht ein einziger belastbarer Beweis.

Paragraph 17 von Resolution 758 verurteilt Russland, kein Witz, für ökonomische Sanktionen gegen die Ukraine. Wer hatte nochmal mit diesem Spielchen begonnen, die Sanktionsspirale angeschoben und spricht heute ganz offen von einer weitere Verschärfung eben dieser Sanktionen?

In Paragraph 22 von Resolution 758 wird behauptet, dass Russland 2008 in die Georgien einmarschiert sei. Dabei hat selbst die Europäische Union festgestellt, dass Georgien den Krieg gegen Russland begonnen hatte und nicht umgekehrt.

Ron Paul fragt: „Wie kann der Kongress mit derart unverschämten Lügen davonkommen? Lesen die Mitglieder die Resolutionen nicht, bevor sie darüber abstimmen?“

Paragraph 45 von Resolution 758 gibt dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko grünes Licht, seine Militärangriffe im Osten der Ukraine neu zu beginnen, während gleichzeitig darauf gedrängt wird, „die Separatisten und paramilitärischen Kräfte zu entwaffnen“. Was das für die Zivilisten im Osten der Ukraine bedeutet, kann man sich an fünf Fingern einer Hand abzählen.

Mit einem grandiosen Finale fordert Resolution 758 die US-Regierung schließlich dazu auf, „die Regierung der Ukraine mit tödlichen und nicht-tödlichen Verteidigungsmaterialien, Diensten und dem erforderlichen Training auszustatten, um das Territorium und die Souveränität zu verteidigen.“ Das bedeutet: US-Waffen in den Händen US-trainierter Militäreinheiten, die in einem heißen Krieg an der Grenze Russlands engagiert sind. Ron Paul fragt vollkommen zurecht: „Hört sich das irgendwie nach einer guten Idee an?“ und stellt fest:

„Der gefährlichste Teil von Resolution 758 ist jenes Statement, mit dem „militärische Interventionen“ durch die russische Föderation in der Ukraine als „Gefahr für internationalen Frieden und Sicherheit“ bezeichnet werden“.

Derartige Terminologie sei kein Unfall: Diese Phrase sei die in dieses Gesetz implantierte Giftpille, „von der aus weitere aggressivere Resolutionen ausgehen werden“. Wenn wir nach allem akzeptieren, dass Russland eine „Gefahr“ für den internationalen Frieden darstellt, wie könnte diese dann ignoriert werden? Das sind die glitschigen Gefälle, die zum Krieg führen.



Resolution 758 wurde vor wenigen Tagen vom US-amerikanischen Kongress mit nur zehn Gegenstimmen verabschiedet. (Link)

Man stellt sich unwillkürlich die Frage, und damit schließt sich der Kreis: Ist dieser Ron Paul wirklich verrückt geworden, weil er nicht nur die Notenbank abschaffen will, sondern auch noch auf derartige Ungeheuerlichkeiten aufmerksam macht?

Oder ist es vielleicht genau anders herum? Sitzen die krankhaften Psychopathen womöglich an den Schalthebeln der Macht und wüten dort nach Herzenslust, indem sie beispielsweise Resolutionen verabschieden, die Kriege geradezu heraufbeschwören?

Sitzen die Geisteskranken unter uns womöglich in den politischen Gremien, wie etwa der EU-Kommission, wo sie ungerührt Verträge brechen, die zum Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften führen werden? Sind womöglich Mario Draghi, Angela Merkel und Wolfgang Schäuble die eigentlichen Psychopathen, die es dringend zu behandeln gilt? Erleben wir sehenden Auges epidemische Ausbrüche des Wahnsinns, der sich als Vernunft geriert?

Wer Antworten auf diese nicht ganz unbedeutenden Fragen sucht, der könnte während der Weihnachtszeit einmal bei dem Psychiater und Psychotherapeuten Manfred Lütz vorbeilesen. In seinem Werk „Irre – Wir behandeln die Falschen“ kam der Mediziner schon im Jahr 2009 zu dem Schluss, dass die Probleme der heutigen Zeit ganz woanders zu suchen sind, als man das bei oberflächlicher Betrachtung vermuten würde.

Irre! – Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen

Buch Irre

In den Abendnachrichten hat Lütz beobachtet, dass Kriegshetzer, Wirtschaftskriminelle und schamlose Egomanen heutzutage als „normal“ gelten, während er es als Psychiater in seiner Klinik mit rührenden Demenzkranken, dünnhäutigen Süchtigen und mitreißenden Manikern zu tun hat.

Dabei beschleicht den Mediziner das ungute Gefühl, die Falschen zu behandeln.

Nie war dieses Buch aktueller als heute…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief
www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de




 

3 Kommentare auf "Absolut irre!"

  1. stonefights sagt:

    „Der US-amerikanische Kongressabgeordnete der Republikaner…“
    muss heißen „Der EHEMALIGE US-amerikanische…“,
    soviel Zeit muss sein 😉
    Ansonsten sind die Fragestellungen und Betrachtungsweisen nicht falsch,
    was aber an den zukünftigen Geschehnissen nichts ändern wird, so skeptisch
    dieses wiederum sein mag…
    lg, stonefights

  2. bluestar sagt:

    Sehr guter Artikel, vielen Dank.
    Aber es handelt sich nicht um kranke Psychopathen sondern um Verbrecher an den Hebeln der Macht. Macht nichts, denn die Mehrheit des Volkes ahnt nichts, weiß nichts, macht nichts.
    Nein, stimmt nicht ganz. Die Mehrheit macht mit, bewusst oder unbewusst.
    Heute gelesen: Laut Forsa-Umfrage Anfang Dezember würden bei Direktwahlen zum Bundeskanzler 58% der Deutschen für Mutti stimmen. Wir sprechen über Dezember 2014 und von sogenannten vernunftbegabten Wesen. Mutti ist eben total normal,integer, klug, mutig, ehrlich, weise, christlich, deutsch und unabhängig, also alternativlos.

  3. samy sagt:

    Aloha,

    hier ein Link von Telepolis.
    http://www.heise.de/tp/artikel/43/43590/1.html

    Beschrieben wird die Arbeit von Ivan Katchanovski. Ein kanadischer-ukarinischer Sozialwissenschaftler der Universität Otawa. Er kommt offensichtlich zu anderen Ergebnissen als der US-Kongress.

    Sein Bericht:

    http://www.academia.edu/8776021/The_Snipers_Massacre_on_the_Maidan_in_Ukraine

    Auszug aus der „Conclusion“:
    „… This includes the following: the Maidan leaders gaining power as a result of the massacre, President Yanukovych and his other top government officials fleeing on February 21, 2014 from Kyiv and then from Ukraine, and the retreat by the police. The same concerns Maidan protesters being sent under deadly fire into positions of no important value and then being killed wave by wave from unexpected directions. Similarly, snipers killing unarmed protesters and targeting foreign journalists but not Maidan leaders, the Maidan Self-Defense and the Right 29 Sector headquarters, the Maidan stage, and pro-Maidan photographs become rational….“

    Es wurde also keinen wichtige Persönlichkeit der Maidanbewegung von den angeblich pro-russischen-Snippern auf‘ Korn genommen. Nur die zweite Garde? Bauernopfer?

    Nun muss auch dieser Bericht nicht die Wahrheit widerspiegeln. Er zeigt aber mal wieder auf, dass nichts aufgeklärt ist.

    Es interessiert aber niemanden auf der Strasse. Sei es in den USA oder in Europa. Die Demokratien schlafwandeln schon lange.

    Mir wäre wohler ums Herz, wenn die 60 Persönlichkeiten, die in der ZEIT einen Aufruf zum Dialog mit Russland zu Papier gebracht haben, einen stillen Protest auf der Strasse anführen.

    Papier ist einfach zu geduldig.

    VG

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