Absehbare Schieflage

15. Oktober 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Während die Immobilienpreise in den australischen teils zu neuen Rekorden aufschwingen frisst sich die reale Krise langsam aber sicher fest. Der wenig beachtete Abwärtstrend bei den Industriemetallen und der Existenzkampf vieler Minen wird tiefe Spuren in der Wirtschaft des fünften Kontinents hinterlassen…

Die Preise für Industriemetalle haben seit dem Hochpunkt 2007 36% nachgegeben. Seit der Jahrtausendwende steht zwar noch immer ein Anstieg von 120% zu Buche, für die meisten in den letzten Jahren angestoßenen Projekte ist das aber zu wenig. So stehen die Firmen vor der Entscheidung, die Projekte abzuschließen, die Projekte zu verkaufen oder sie vorerst stillzulegen. Wie auch immer man sich entscheidet, man wählt zwischen Abschreibungen und laufenden Kosten.

Wie bedeutend die Investitionen der Minen für Australien sind, zeigt folgende Grafik von der Reserve Bank of Australia.

invaus

Der Druck auf die Bergbaukonzerne wirkt sich bereits auf die Realwirtschaft aus. So gibt es einen drastischen Rückgang der Investitionen, den bisher vor allem die Ausrüster bemerken. So zerbröselte der operative Gewinn von Caterpillar geradezu und fiel im Vergleich zum zweiten Quartal 2012 um 43%. Der Umsatz fiel im gleichen Zeitraum um 16%, soviel zum Thema Margendruck. Auch andere große Unternehmen spüren den enormen Kostendruck bei rückläufiger Nachfrage.

Hier einige nach Regionen gegliederte Zahlen von Caterpillar aus dem August:

  • North America machine sales up 1% after falling 1%
  • Asia/Pacific sales Aug. down 30% after falling 28% in July
  • Latam sales Aug. down 3% after rising 11%
  • EAME (Europe, Africa, Mid East) sales Aug. down 12% after falling 12%
  • • Power systems sales: Aug. down 6% after being unchanged 0%


Wer weniger investiert, wird auch bei den Arbeitskräften nicht mehr mit dem Füllhorn spazieren gehen. Die Zeiten der 100.000 Australdollar-Gehälter für jeden, der eine Schaufel halten kann, sind wohl vorüber. Nicht jeden hat dies vom Kauf eines Hauses abgehalten, frei nach dem Motto, wenn man schon keinen Job mehr hat, will man wenigstens einen Kredit haben. Ein Blick auf die Entwicklung der Arbeitslosenquote und der Erwerbsquote (participation rate) in Australien legt nahe, dass dies keine sonderlich schlaue Idee sein muss.

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Seit Anfang der 90er Jahre ist der Anteil der Bergbauinvestitionen deutlich angestiegen, derzeit entfallen mehr als 40% aller Investitionen auf diesen Sektor. Abgesehen von den „other business services“ liegen die verbliebenen Sektoren allesamt unter 10%.

Man vermag hier eine gewisse Abhängigkeit von Investitionen eines Sektors zu erkennen, der selbige derzeit in nie dagewesener Art und Weise zurückfährt. Die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft sollte man nicht unterschätzen, denn die anderen werden diesen Rückgang nicht auffangen, so dass deren Anteil am Kuchen wachse, der Kuchen selbst aber schrumpfen wird.

Wenig überraschend werden in einer wirtschaftlichen Abschwächung weder im Einzelhandel noch auf dem Bau rauschende Feste gefeiert werden. Den aufgeblasenen Bankensektor auf der Insel wird das erst dann stören, wenn die Ausfallraten anziehen. Aber das kann natürlich nicht passieren, denn down under ist ja alles anders …


 

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