Abschwung-XXL in Italien

(von Bankhaus Rott) Die Probleme Spaniens hatten für einige Wochen die italienische Rezession aus dem Fokus gedrängt. Im Schatten der Diskussion um Banken, Spender und Bazookas konnte der Abschwung in der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone weiter Fahrt aufnehmen…
So trostlos und zäh die Erholung der italienischen Wirtschaft nach dem Einbruch in den Jahren 2008 und 2009 verlief, so dynamisch vollzieht sich nun der erneute Spurwechsel.
Alle Sektoren melden äußerst schwache Zahlen und auch in den Luxus-Geschäften ausgewählter Einkaufsstraßen deutscher Großstädte breiten sich Nervosität und teils bereits der Stellenabbau aus. So heiß der Herbst auf den südeuropäischen Straßen werden mag, so kühl erwarten die Händler die Umsatzentwicklung. Man wird sehen, ob es im Verlauf der Krise auch die gehobenen Nutzlosigkeiten erwischt, die breite Masse der Einzelhändler in Italien geht jedenfalls trostlosen Zeiten entgegen.
Die Wirtschaftsleistung des Landes geht in das vierte Quartal, in dem ein Rückgang verzeichnet wird. Die Realeinkommen sinken, ebenso die Einzelhandelsumsätze. Auch die Nachfrage nach Investitionsgütern liegt darnieder. Warum auch sollten Unternehmen im beginnenden Abschwung die bereits bestehenden Überkapazitäten nochmals erweitern.
Deutlich zeigen die unteren beiden Charts das stagnierende BIP pro Kopf bei gleichzeitig sinkender Arbeitslosigkeit.
Seit 2007 hingegen ist mit der steigenden Arbeitslosigkeit das pro-Kopf-BIP deutlich zurückgegangen. Die Arbeitslosigkeit wird so bald nicht abnehmen. Geringeres Ordervolumen und steigende Einkaufspreise erhöhen laufend den Druck auf die italienischen Unternehmen.
(Markit Economics) July PMI data pointed to recession in Italy’s service sector deepening at the start of the third quarter. New business intakes fell at a sharp monthly rate that has been exceeded only four times over the series history, all of which occurred around the height of the global financial crisis. Furthermore, data on expectations showed sentiment at a record low, and gave no impression of an impending recovery.
Not only did July see a further deterioration on the demand front, but input cost inflation also picked up from June’s recent low. This placed greater pressure on service providers to reduce their overheads, with a solid and accelerated decrease in employment levels one outcome. At the same time, backlogs of work were still reduced at a marked pace, suggesting yet more scope for job cuts.”
Auch Berichte aus der italienischen Hauptstadt klingen wenig erbaulich. So berichtet die Agentur AFP aus Rom:
The sales have gone “very badly” compared with 2011 according to the shopkeepers’ association Confesercenti, which reports a 20 percent drop in turnover in central Rome, a figure that rises to 40 percent in outer suburbs.
Even exclusive outfitters in via Campo Marzio behind Italy’s parliament have been affected. The family-run shop Conti has shut down, not far from the up-scale shoemaker Nando er Cazolaio, which has also thrown in the towel.
Lina Rocchi, a lingerie shop founded in 1938, closed down and left a sign that read “80 years, three generations, a story comes to an end.”
Zur Not geht es eben auch ohne Dessous. Bei Umsatzrückgängen von 20 – 40% ist eine rapide Zunahme der Insolvenzen nicht verwunderlich. Vor allem kleinere Geschäfte ohne große Reserven und ebensolche Lobby können einem derartigen Druck nicht lange standhalten. Bis sich die Mieten durch die wachsenden Leerstände nach unten angepasst haben dürfte es für viele Ladenbesitzer zu spät sein. Warum sich die betroffenen Geschäftsleute für eine Stützung des Systems Eurozone einsetzten sollten bleibt ein Rätsel, es sei denn die Damen und Herren bewerten ihre derzeitige Situation als wünschenswerten Erfolg.
Was genau eine monetäre “Bazooka und damit gegebenenfalls verbundene sinkende Renditen und steigende Aktienkurse verbessern soll, verbleibt unsichtbar im Nebel der diffusen Hoffnungen auf schmerzfreie Problemlösungen… (Es geht besser…! Seite 2)
Pages: 1 2
2 Responses to Abschwung-XXL in Italien
Hinterlasse eine Antwort
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.




Tags: 









Den Zahn kann ich Ihnen ziehen: Es wird niemand austreten, jedenfalls nicht so bald. Dass die Italiener wütend sind und revoltieren, ist zunächst mal nur ein Dampfablassen. Danach bleiben viele Wankelmütige zurück, die in die Zermürbungsmühlen der Euroretter geraten. „Ohne den Euro geht es uns allen schlechter“ ist ja auch noch ein ebenso beliebter wie wirkungsvoller Spruch, der viele im Zaum hält, siehe Griechenland. Davon lassen sich viele einschüchtern, denn auch der ärmste Schlucker kann sich vorstellen, noch eine Stufe tiefer zu sinken. Solange die Aussicht auf Milliardenkredite bzw. – geschenke besteht, wird keiner austreten.
Und ein Austritt bei den Geberländern? Glaube ich auch nicht dran. Jedenfalls nicht so bald. Bisher wurde jeder Vorstoß wieder wortreich zurückgenommen oder abgeschwächt. Wer will denn schon schließlich derjenige sein, der den ersten Stein wirft? Der Europa zerstört? Der die Wirtschaft ruiniert und die Staaten in den Abgrund reißt? (Noch) keiner!!
Die Rhetorik greift und alle werden bis zum bitteren Ende weitermachen.
“Wer will denn schon schließlich derjenige sein, der den ersten Stein wirft? Der Europa zerstört? Der die Wirtschaft ruiniert und die Staaten in den Abgrund reißt? (Noch) keiner!!”
Das ist nur eine mögliche Sichtweise. Der finnische Außenminister Erkki Tuomioja hatte sich bereits ähnlich geäußert.
http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/9480990/Finland-prepares-for-break-up-of-eurozone.html
“But nobody in Europe wants to be first to get out of the euro and take all the blame,” he said.”
Ich drehe daher das oben Zitierte gerne um – das ist erfrischender – und frage:
“Wer möchte der erste sein, der sein Land, die Wirtschaft seines Landes und womöglich gleich Europa mitrettet, indem er aus dem Euro austritt?”
Auf diese Art gefragt erscheint es mir wesentlich realistischer, konstruktiver und zielführender.