Abkassieren, identifizieren, denunzieren

21. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Auf diese Weise lassen sich im ersten Schritt US-Steuerpflichtige identifizieren und ihre Daten an die USA melden. Im zweiten Schritt wollen die Amerikaner erreichen, dass ihnen alle für sie interessanten Daten geliefert werden. Die eine oder andere deutsche Bank ist schon dabei, die entsprechende Software zu erstellen.

Das alles mag man aus europäischer Sicht für übertrieben halten, aber Europa ist weit davon entfernt, eine schlagkräftige Abwehr dagegen zu setzen. Nehmen wir nur mal die Schweiz als Beispiel. Hier verschärft die Schweizerische Nationalbank die Kontrolle über private Finanzgeschäfte ihrer Angestellten mittels einer dem Präsidenten der Bank unterstellten Compliance-Abteilung. Ihr darf dann ein Angestellter, der bei einem anderen etwas Verdächtiges entdeckt hat, eine Meldung machen. In den USA nennt man so etwas Whistleblowing, in Deutschland würde man es eher als Verpetzen oder Denunzieren bezeichnen.

Der erfolgreiche Druck der USA auf die Schweiz – der Bundesrat der Eidgenossen hat bereits uncodierte Datenlieferungen nach drüben bewilligt – findet in gewisser Hinsicht eine Parallele im Druck, den Deutschland auf die Schweiz ausübt. Dessen Ergebnis besteht nun in einem Ergänzungsprotokoll zum Kooperationsabkommen vom vergangenen September. Es muss allerdings noch in Deutschland den Bundestag und den Bundesrat passieren, um wie geplant Anfang 2013 in Kraft treten zu können.

Trotzdem sollten Anleger sich schon jetzt mit den wichtigsten Punkten des Abkommens anfreunden. Da ist zunächst die erhöhte pauschale Nachversteuerung von bisher unversteuerten Anlagen mit Steuersätzen zwischen 21 und 41 (statt wie ursprünglich geplant 19 bis 34) Prozent, abhängig von der Höhe des Kapitalvermögens. Erbfälle nach Inkrafttreten des Abkommens sollen einbezogen werden. Die Zahl der Auskünfte, die Deutschland in der Schweiz einholen darf, wird von maximal 999 auf 1300 erhöht. Die Verlagerung des Kapitalvermögens deutscher Steuerpflichtiger aus der Schweiz in andere Länder wird nach dem Inkrafttreten des Abkommens nicht mehr ohne Meldung möglich sein.

Böse Zungen behaupten, das Geschäftsmodell der Schweizer Banken bestehe primär aus dem Bankgeheimnis, ja es habe immer schon daraus bestanden. Diese Behauptung enthält sicher mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Demgegenüber argumentieren die eidgenössischen Banker, ihr Service sei besonders gut – was man indes auch so interpretieren kann, dass das Bankgeheimnis ein Servicebestandteil ist. Mit dem beschriebenen Kooperationsabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz wird das Bankgeheimnis nicht vollständig kassiert, sondern nur insoweit relativiert, als deutsche Anleger über die abzuführenden Steuern zur Kasse gebeten werden – was allerdings nicht ausschließt, dass noch so manche CD mit heiklen Daten den Weg aus der Schweiz nach Deutschland finden könnte.

Manfred Gburek, 20. April 2012
Homepage von Manfred Gburek


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4 Kommentare auf "Abkassieren, identifizieren, denunzieren"

  1. Avantgarde sagt:

    „Böse Zungen behaupten, das Geschäftsmodell der Schweizer Banken bestehe primär aus dem Bankgeheimnis, ja es habe immer schon daraus bestanden. Diese Behauptung enthält sicher mehr als nur ein Körnchen Wahrheit“

    Mitnichten…

    Eher beruht das Geschäftsmodell der Beilhilfe zur Steuerhinterziehung Schwerstkrimineller und Zusammenarbeit mit Diktatoren jeder Art.
    Die Schweizer Bankengeschichte ist gruselig.
    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/1809/die-schweiz-das-geld-und-die-moral

    In der Schweiz sitzen ganz sicher keine Opfer – und die Steuerhinterzieher aus D sind ebefalls keine.
    Das geplante Steuerabkommen ist sogar noch eine Art Beihilfe – es scheint als wolle der Deutsche Staat die Steuern der Reichen gar nicht.
    Rein technisch kann ihnen jeder Lehrling beim Steuerberater in ein paar Minuten erklären was zu tun ist… – dann lieber gar kein Abkommen.

    Selbst die NZZ hat verstanden, daß das geplante Steuerabkommen für die Schweiz nur gut ist.
    http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/die-hoffnung-stirbt-zuletzt_1.16249824.html

    Daß die USA auf die Schweiz wirksamen Druck ausüben ist gut zu verstehen.
    Nur solch eine Sprache wird dort scheinbar verstanden.

    • FDominicus sagt:

      „Daß die USA auf die Schweiz wirksamen Druck ausüben ist gut zu verstehen.
      Nur solch eine Sprache wird dort scheinbar verstanden.“

      Gewalt in den „richtigen“ Händen mit „richtiger“ politischer Gesinnung ist gerecht?

      Ja ich glaube damit treffen Sie den Nagel auf den Kopf. Und so gute Menschen wie Sie definieren was „richtig“ ist, habe ich das so ungefähr „richtig“ verstanden?

      • Avantgarde sagt:

        Sie brauchen sich doch gar keine Sorgen zu machen.

        Was Deutschland anbetrifft geniessen die Schwerkriminellen doch weiterhin Schutz im Schweizer Bankensystem.

        Und wenn der geplante Vertrag SO durchgeht auch noch rechtlich abgesichert 🙁
        Die Justiz dürfte dann noch nicht einmal mehr mit diversen CDs tatsächlich begangene Straftaten ermitteln.

        Also seinen Sie zufrieden.

  2. purity sagt:

    „Die Anbieter von Fonds, Zertifikaten, aber auch Kapital- und Fondspolicen, Riester-Renten und weiteren nicht originären, sondern abgeleiteten Finanzprodukten können mit diesen viel besser Geld verdienen als etwa mit ein paar Krügerrand, die über die Theke gehen, oder mit Aktien, für die man bei Direktbanken nur einen geringen Aufschlag zum gerade gehandelten Kurs zahlt.“

    Das sehe ich auch so. Allerdings sind Zertifikate, für Anleger, die sich mit dem Kapitalmarkt intensiv befassen, manchmal recht praktisch. Wie will man sich sonst bei fallenden Aktienkursen absichern?
    Ich habe mir z. B. dieses Zertifikat gekauft, da ich mit sinkenden Kursen in Spanien rechne:
    DE000DE768A4
    Das hat seither (in 6 Wochen) 80% zugelegt. Es läuft nicht immer so schön und das Risiko ist hoch. Doch wer glaubt schon, dass der spanische Aktienmarkt in den nächsten Monaten steigen wird?
    Und ich muss natürlich hoffen, dass die Deutsche Bank nicht pleite geht 😉

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