Abkassieren, identifizieren, denunzieren

21. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) In den vergangenen Wochen wurde ich von Lesern häufiger gefragt, warum ich neben Edelmetallen, Aktien, Anleihen, Immobilien und Tagesgeld nicht auch Fonds, Zertifikate und weitere Anlagen in meine Überlegungen einbeziehe…

Um die Antwort gleich auf den Punkt zu bringen: Die Anbieter von Fonds, Zertifikaten, aber auch Kapital- und Fondspolicen, Riester-Renten und weiteren nicht originären, sondern abgeleiteten Finanzprodukten können mit diesen viel besser Geld verdienen als etwa mit ein paar Krügerrand, die über die Theke gehen, oder mit Aktien, für die man bei Direktbanken nur einen geringen Aufschlag zum gerade gehandelten Kurs zahlt. Erst die in abgeleitete Produkte mehr oder weniger offen – aber auch versteckt – eingebauten Verwaltungsgebühren, Provisionen, langfristigen Bindungen und sonstigen Geldfresser (aus Anlegersicht) ermöglichen es den Anbietern, ihre Kunden abzukassieren.

Das Thema hat noch einen anderen Aspekt: Es gibt heute kaum wichtige Gesetze, die ohne intensive Teilnahme der betreffenden Lobby am Gesetzgebungsverfahren zustande kommen. In den Medien wird diesbezüglich zwar meistens die Auto- und Pharmalobby an den Pranger gestellt, aber die Finanzlobby treibt es nicht minder toll. In allen Fällen von erfolgreicher Lobby kommt am Ende heraus, dass in den betreffenden Ministerien vorher ja nicht genug Fachwissen vorhanden war – was ja kaum verwunderlich ist, solange fachkundige Ministerialbeamte die Seiten wechseln.

Und noch ein Aspekt: Banken, Versicherer, Sparkassen und sonstige sogenannte Finanzdienstleister werden nicht müde, Anlegern einzureden, für sie seien einzelne Aktien im Gegensatz zu Aktienfonds viel zu riskant, Gold bringe keine Zinsen, mit Immobilienfonds könne man sich vor der Inflation schützen usw. Dann fehlt nur noch der Hinweis auf ein Finanzprodukt, das mal der finanziellen Absicherung generell, mal der Altersvorsorge speziell dienen soll, in Wahrheit aber gerade „weg muss“ (Insiderslogan), und schon wird der Kunde oder die Kundin zur Unterschrift gedrängt, Beratungsprotokoll hin oder her.

Inzwischen macht sich in Deutschland und in der Schweiz noch eine ganz andere Lobby breit. Man kann sie nur grob lokalisieren: Sie hat ihre Wurzeln in den USA und zielt darauf ab, den Europäern amerikanisches Recht oder zumindest die jenseits des Atlantiks gängigen Rechtsvorstellungen zu oktroyieren. Typisch dafür ist zum Beispiel das jetzt in Deutschland geltende „Gesetz zur Optimierung der Geldwäscheprävention“. Es richtet sich gegen die Terrorismusfinanzierung. Aber keine Sorge, Ihre Goldbarren und -münzen sind bei Beträgen unter 15.000 Euro vor ihm sicher (und nicht unter 1000 Euro, wie schon mal behauptet wurde), hat mir Michael Findeisen, Ministerialrat im Bundesfinanzministerium, am vergangenen Dienstag am Rande des Internationalen Deloitte-Bankentags versichert.

US-Amerikaner sind ja bekannt dafür, dass sie ihre Interessen auf die für sie typische Weise konsequent durchsetzen, sei es bei der Mondlandung, sei es durch die Absicherung der Ölreserven im Nahen Osten, sei es im Kampf gegen die Geldwäsche – und sei es neuerdings mithilfe von FATCA (Foreign Account Tax Compliance Act). Hier geht es um ein vor gut zwei Jahren verabschiedetes US-Gesetz. Es soll die Steuerhinterziehung von US-Bürgern verhindern, die Geld außerhalb der USA anlegen, und zielt ganz nebenbei auf noch abzuschließende bilaterale Abkommen, die in nationales – auch deutsches – Recht umzusetzen sind… (Seite 2)

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4 Kommentare auf "Abkassieren, identifizieren, denunzieren"

  1. Avantgarde sagt:

    „Böse Zungen behaupten, das Geschäftsmodell der Schweizer Banken bestehe primär aus dem Bankgeheimnis, ja es habe immer schon daraus bestanden. Diese Behauptung enthält sicher mehr als nur ein Körnchen Wahrheit“

    Mitnichten…

    Eher beruht das Geschäftsmodell der Beilhilfe zur Steuerhinterziehung Schwerstkrimineller und Zusammenarbeit mit Diktatoren jeder Art.
    Die Schweizer Bankengeschichte ist gruselig.
    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/1809/die-schweiz-das-geld-und-die-moral

    In der Schweiz sitzen ganz sicher keine Opfer – und die Steuerhinterzieher aus D sind ebefalls keine.
    Das geplante Steuerabkommen ist sogar noch eine Art Beihilfe – es scheint als wolle der Deutsche Staat die Steuern der Reichen gar nicht.
    Rein technisch kann ihnen jeder Lehrling beim Steuerberater in ein paar Minuten erklären was zu tun ist… – dann lieber gar kein Abkommen.

    Selbst die NZZ hat verstanden, daß das geplante Steuerabkommen für die Schweiz nur gut ist.
    http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/die-hoffnung-stirbt-zuletzt_1.16249824.html

    Daß die USA auf die Schweiz wirksamen Druck ausüben ist gut zu verstehen.
    Nur solch eine Sprache wird dort scheinbar verstanden.

    • FDominicus sagt:

      „Daß die USA auf die Schweiz wirksamen Druck ausüben ist gut zu verstehen.
      Nur solch eine Sprache wird dort scheinbar verstanden.“

      Gewalt in den „richtigen“ Händen mit „richtiger“ politischer Gesinnung ist gerecht?

      Ja ich glaube damit treffen Sie den Nagel auf den Kopf. Und so gute Menschen wie Sie definieren was „richtig“ ist, habe ich das so ungefähr „richtig“ verstanden?

      • Avantgarde sagt:

        Sie brauchen sich doch gar keine Sorgen zu machen.

        Was Deutschland anbetrifft geniessen die Schwerkriminellen doch weiterhin Schutz im Schweizer Bankensystem.

        Und wenn der geplante Vertrag SO durchgeht auch noch rechtlich abgesichert 🙁
        Die Justiz dürfte dann noch nicht einmal mehr mit diversen CDs tatsächlich begangene Straftaten ermitteln.

        Also seinen Sie zufrieden.

  2. purity sagt:

    „Die Anbieter von Fonds, Zertifikaten, aber auch Kapital- und Fondspolicen, Riester-Renten und weiteren nicht originären, sondern abgeleiteten Finanzprodukten können mit diesen viel besser Geld verdienen als etwa mit ein paar Krügerrand, die über die Theke gehen, oder mit Aktien, für die man bei Direktbanken nur einen geringen Aufschlag zum gerade gehandelten Kurs zahlt.“

    Das sehe ich auch so. Allerdings sind Zertifikate, für Anleger, die sich mit dem Kapitalmarkt intensiv befassen, manchmal recht praktisch. Wie will man sich sonst bei fallenden Aktienkursen absichern?
    Ich habe mir z. B. dieses Zertifikat gekauft, da ich mit sinkenden Kursen in Spanien rechne:
    DE000DE768A4
    Das hat seither (in 6 Wochen) 80% zugelegt. Es läuft nicht immer so schön und das Risiko ist hoch. Doch wer glaubt schon, dass der spanische Aktienmarkt in den nächsten Monaten steigen wird?
    Und ich muss natürlich hoffen, dass die Deutsche Bank nicht pleite geht 😉

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