Abgeschossen: Nordkoreanische Rakete trifft die Börsen

31. August 2017 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Vor einer Woche machten wir uns noch Gedanken über das Notenbankertreffen im US-amerikanischen Jackson Hole. Wenig Spektakuläres war erwartet worden und genau das wurde auch geliefert. Selbst die Märkte, die während Draghi- oder Yellen-Reden üblicherweise jedes Wort in Echtzeit einzuordnen versuchen, blieben erstaunlich gelassen.

Die eigentlich von uns erwartete erhöhte Volatilität am Freitag blieb aus. Dafür kam sie am Dienstag umso heftiger. Ursächlich dafür waren allerdings nicht mehr die Notenbanker, die Jackson Hole schon längst den Rücken gekehrt hatten, sondern wieder einmal Kim Jong-un. Dieser provozierte mit einem erneuten Raketentest und zumindest die Börsen reagierten heftig. Denn das nordkoreanische Regime feuerte nicht einfach eine Rakete ins Meer, es feuerte eine Rakete über Japan hinweg ins Meer. Es folgte die einstimmige Verurteilung Nordkoreas durch den UN-Sicherheitsrat. Aus der Vergangenheit wissen wir, wie tief beeindruckt sich das Regime von solchen Resolutionen zeigt.

Grund zur Sorge

Allerdings legitimieren solche Resolutionen weitere Maßnahmen. Aber nicht nur das: Weitere Maßnahmen gegen Nordkorea müssen fast zwingend erfolgen, denn sonst wäre der Sicherheitsrat für die Welt sichtbar das, was er auf keinen Fall sein will – ein Papiertiger. Das gilt in besonderem Maße für das Mitglied USA.

Nach seinen markigen Worten vor zwei Wochen glaubte Trump den Bengel aus Pjöngjang ordentlich geschulmeistert zu haben und dass nun erst einmal Ruhe im Karton sei. Doch das Gegenteil war der Fall, denn dieser Raketentest hatte sogar eine neue Qualität: Er erfolgte erstmals unangekündigt. Die Eskalationsspirale wurde damit also weitergedreht und die Märkte haben allen Grund sich Sorgen zu machen. Als nächstes erfolgt nämlich – unseres Erachtens zwingend – eine Reaktion der USA. Die sind nämlich nun unter Zugzwang den Drohungen auch Taten folgen zu lassen, um nicht ebenfalls als Papiertiger zu enden. Eine brandgefährliche Situation.

Ausbruch (vorerst?) gescheitert

Naturgemäß hat die Verunsicherung gestern auch den deutschen Markt ordentlich in Mitleidenschaft gezogen. Zum einen ist der DAX berüchtigt dafür, in einer Krisenlage heftiger als andere Märkte zu reagieren. Zum anderen gibt es auch hausgemachte Probleme. Neben dem anhaltenden Druck auf die Automobilindustrie und dem neu aufflackernden Monsanto-Problem von Bayer kommt eine weiter negative Chartsituation (vgl. Abb.).

Die Schulter-Kopf-Schulter-Umkehrformation und den Bruch des Aufwärtskanals hatten wir in früheren Ausgaben bereits thematisiert (zuletzt hier). Jüngst scheiterte der Versuch sich aus dem kurzfristigen Abwärtstrend zu befreien nicht an ein, nicht an zwei, sondern an drei Tagen in Folge (vgl. gelbe Markierung). Innerhalb der Sitzung lugte der Index jeweils über die Trendlinie, um dann letztlich doch darunter zu schließen. Dem Markt fehlte es also an innerer Stärke bzw. Kaufbereitschaft. Wie verletzlich er war zeigte uns freilich erst Kim Jong-un.

Normalerweise führen auch Wahlen zu einer Verunsicherung der Märkte. Schließlich weiß man ja vor der Wahl nicht, wer ans Ruder kommt und wie die nächste Legislaturperiode aussehen wird. Nach der Wahl kehrt dann alleine deshalb relative Ruhe ein, weil man in groben Zügen ermessen kann, was einen in der nächsten Legislaturperiode erwartet.

Das ist im postdemokratischen Deutschland anders. Da steht vor der Wahl bereits fest, wer die neue Kanzlerette sein wird. Kleiner Hinweis: Martin Schulz ist es eher nicht. Was man auch weiß: Die unter Merkel verfolgte Politik ist oft 180 Grad gegen ihre eigenen früheren Zusicherungen ausgerichtet.

So war es bei Euro-„Rettung“, „Energiewende“ und bei der unkontrollierten Massenmigration. Der Wählerauftrag lautete anders. Wenn „Mutti“ uns also heute ein Land verspricht, in dem wir „gut und gerne“ leben, dann wissen wir aus dieser Erfahrung, was auf uns zukommt: Weder „gut“ noch „gerne“.

Wir haben der Bundestagswahl und dem „Leben im Zeichen der Raute“ unsere Titelstory im gerade erschienenen Smart Investor 9/2017 gewidmet. Im Gegensatz zur Mainstreamberichterstattung – so viel sei verraten – fällt das Bild wenig schmeichelhaft aus.

Dort fragt man ja ohnehin lieber nach dem Lieblings-Emoji der Kanzlerin als nach den Rechts- und Vertragsbrüchen der Regierung – dies vermutlich nur, um zu testen, wie weit man das eigene Publikum bereits verblödet hat. Die Neuerscheinungen des Buchmarktes zur Person Merkel sind dagegen durchweg kritisch. Aber wer liest in Zeiten „leichter Sprache“ oder „begehbarer Wahlprogramme“ eigentlich noch Bücher? Mission erfüllt.

Und ob hinter Merkels Ad-hoc-Großprojekten (s.o.) tatsächlich nur der bereits dezidiert widerlegte Glaube an die „Segnungen“ von Interventionismus und Dirigismus steht oder gar mehr dahinter stecken könnte, lesen Sie ebenfalls in der Titelgeschichte des Smart Investor 9/2017: „Plan oder Panne“. Einen kleinen Vorgeschmack liefert das Editorial von Smart-Investor-Chefredakteur Ralf Flierl oder unser „Loch in der Matrix“ vom vergangenen Freitag.

Unter dem Titel „doppelplusgut“ weisen wir dort auf die „merkelwürdige“ Jubelberichterstattung des Mainstreams im Vorfeld der Wahl hin. Auch die Bertelsmann-Stiftung entblödete sich nicht, kurz vor der Wahl eine rosarote Migrationsstudie zu veröffentlichen, die vollkommen an der Lebenswirklichkeit des Jahres 2017 vorbeigeht. Und ja, das deutsche Gold ist wieder da, also Teile davon. Im Westen also nichts Neues.

Vor der Trendwende?

Apropos Gold. So schwach sich die Aktien am Dienstag zeigten, so positiv war dieser Tag für Gold und Silber. Bei Silber kommen wir nun in eine spannende charttechnische Situation. Vom Gipfel im Jahr 2011 (hier nicht sichtbar) lässt sich eine Abwärtslinie konstruieren, die auf insgesamt vier Stützpunkten aufliegt (vgl. Abb., gelbe Markierungen), also durchaus beachtet werden dürfte (Kurse in USD).

Aktuell flirtet der Kurs erneut mit dieser Marke (graue Markierung). Die Kurse sind nach sechs Jahren Baisse und mehreren Früh- bzw. Fehlstarts ziemlich ausgebombt, vor allem sind die Edelmetallfans wohl auch ein bisschen müde geworden. Das sind keine schlechten Voraussetzungen für eine Trendwende. Die Kurse mancher Minenaktien deuten zumindest bereits in diese Richtung. „Sicher“ ist hier allerdings noch nichts, denn die letzten Abpraller an der Abwärtstrendlinie des Silbercharts führten in der Folge jeweils zu empfindlichen und schnellen Kursverlusten. Auch hat Silber, wie der untere Bereich der Abb. zeigt, in der aktuellen Aufwärtsbewegung noch immer keine führende Rolle übernommen, die Silber/Gold-Ratio sinkt (hier mit gleitenden Durchschnitten und Hüllkurven veranschaulicht).

Eine Beschleunigung zu Gunsten des Silbers, wie an den beiden Kreisen markiert, ist bislang nicht zu sehen. Bei einer echten Edelmetallhausse sollte Silber jedoch stärker als Gold performen. Noch könnte es also sein, dass wir hier nicht den Beginn einer neuen Hausse sehen, sondern lediglich einen mürrischen Reflex auf die USD-Schwäche.

Fazit

Nicht Jackson Hole sondern Pjöngjang jagte den Anlegern diesmal einen ordentlichen Schrecken ein. Die Antwort der USA steht noch aus. Für weitere negative Überraschungen ist also gesorgt.

© Ralph Malisch, Christoph Karl – Homepage vom Smart Investor

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3 Kommentare auf "Abgeschossen: Nordkoreanische Rakete trifft die Börsen"

  1. beko sagt:

    Die Welt ist in Sorge über den Konflikt zwischen den USA und Nordkorea, weil dieser das Potential hat, das Undenkbare Wirklichkeit werden zu lassen, nämlich einen Atomkrieg. Strategische Atomwaffen in den Händen von Diktator Kim – eine horrible Vorstellung.
    Andererseits muss auch nach jenen globalstrategischen Intentionen, insbesondere der USA, gefragt werden, die den Rüstungswahn des Diktators möglicherweise angestachelt haben.
    So schreibt der Globalisierungsstratege und Pentagon-Analytiker Thomas P. M. Barnett, dass die Beseitigung des nordkoreanischen Regimes die wichtigste Aufgabe zur Befriedung des ostasiatischen Raumes sei. Für diesen Regime-Change müsse ggf. Krieg geführt werden, auch unter Hintanstellung des Völkerrechts: „Vergesst dabei die UNO. Ziehen wir der UNO einfach eine Maske über Mund und Nase und fordern wir sie auf, rückwärts von 100 zu zählen.“ (Thomas B. M. Barnett, Drehbuch für den 3. Weltkrieg. Die Zukünftige neue Weltordnung. j-k-fischer-verlag, 2016)
    Nun ist Diktator Kim ganz sicher ein skrupelloser Machthaber, aber blöde ist er nicht. Vermutlich hat er sich mit Barnett und anderen Strategen beschäftigt. Und er weiß, dass die USA bisher noch nie gegen eine Atommacht militärisch vorgegangen sind. Aus seiner Sicht ist also die Raketen- und Atomrüstung eine rationale Entscheidung für das Überleben seines Regimes.

    • cubus53 sagt:

      Eine schlimmere Vorstellung als Atomwaffen in den Händen von Kim Jong Un sind für mich zwanzig in Deutschland stationierte Atomwaffen der USA. Welche wird uns im Fall eines Krieges wohl zuerst auf den Kopf fallen ?

  2. beko sagt:

    Wahlen im Zeichen der Raute und mit bereits feststehendem Ergebnis? Das sollte doch für CDU/CSU dringlicher Anlass sein, mit einer Fürbitte diese Erwartung zu bekräftigen 🙂

    Lieber Gott wir wünschen sehr
    Bei der Bundes-Wahl zu obsiegen,
    Denn dann kann Deutschland – von Angie geführt –
    Weitere Jahre prosperieren.

    Und halte uns bitte Schulzi auf Distanz,
    Denn Martin im Kanzleramt macht nur Sinn,
    Wenn er naht als Großkoalitionär
    und Schleppenträger der Kanzlerin.

    Hülle das Volk in heitere Träume
    Von gutem Leben und Freuden satt,
    Stärke seinen Glauben, dass das so bleibt,
    Solange Angie das Sagen hat.

    Nimm ihm die Sorge vor Überfremdung
    durch Menschenmassen, die zu uns flüchten.
    Öffne das Volk für Angies Botschaft:
    „Die Mutti wird es schon richten!“

    Stärke des Volkes Marktvertrauen,
    beflügle seine Phantasie,
    damit das Völkchen sich erwärmt
    für die marktkonforme Demokratie.

    Erhalte den Glauben an den EURO,
    Denn er ist es, der in dieser Welt,
    Trotz allerhöchster Schuldenberge,
    Der Einheit Europas die Treue hält.

    Salbe uns’re braven Medien,
    die den Bürger sehr sanft betten,
    Unbequeme Konflikte glätten,
    Mit Political Correctness journalieren,
    Und Störendes umsichtig filtrieren.

    Amen

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