Abgeschossen. Menschen tot. Propaganda geht weiter.

24. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Soso, der Abschuss des Flugzeugs über der Ukraine war also ein Versehen. Hört man. Einige Tage sind inzwischen vergangen. Fast schon ist daraus ein Krieg geworden. In den Medien tobt dieser schon. Der Grund: Ein Versehen? Mir ist schlecht…

Ich schreibe ja recht wenig über Politik. Dieser Geschäftsbereich ist weit undurchsichtiger und unehrlicher als Märkte und Börse. Sicher ist nur, hier werden große Schäden produziert und wenn es sein muss, sogar maximiert. Die kleinen Leuten bezahlen ohnehin.

Auf der Suche nach Wahrheit, die bekanntlich zuerst stirbt, wird man mit Propaganda gefüttert, von allen Seiten. Meinungen liegen aus, die Vermutungen schreien herum, sind überall zu lesen, sind irgendwie spannend und auch in. Es gibt „Spielverderber“ in den Kommentare der Online-Medien, soweit sie geöffnet sind. Das Thema „Gaza“ ist auf Spiegel-Online derzeit äußerst unbeliebt.

Vorwürfe jagen im Minutentakt durch die Presse. Schreibspechte übertreffen sich in Formulierungen, als ginge die Fußball-WM endlos weiter. Viele Nachrichten sind Meinung und peitschen die Leute zu neuen Überzeugungen, solange, bis aus den in die Öffentlichkeit geschleuderten Vermutungen unumstößliche Wahrheiten geworden sind. Man soll glauben, was womöglich niemals bewiesen wird. Darf man „neutral“ sein und sollte dem allen ausweichen wie der Grippe?

Wer am lautesten schreit, wird am ehesten gehört. Nur skandalöse Mutmaßungen machen den „Klick“, welcher wirtschaftliche Konsequenzen hat – in einem Medium, welches schon bessere Zeiten kannte. Besonnenheit bringt Langeweile, aber keine Klicks, keine Quote, keine gesteigerte Auflage und erste recht keine höheren Umsätze.

Die schrillen Töne stören. Als ob der Blitz in die Geräte eingeschlagen und seinen Weg heraus sucht. Wer schreit da? Warum schreit er? In welchem Interesse schreit er? Diese Frage zu beantworten, ist aufwendig und ohne befriedigende Antworten. Lieber Propaganda in sich hinein schaufeln wie Chipsberge auf dem Sofa. Ist einfacher. Oder die Kiste ausgeschaltet lassen und die Nachbarn beobachten…

Dumme Leute glauben dumme Dinge. Man kann ihnen alles verkaufen – auch Eurorettung, Aufschwünge, den ESM und Klimawandel. Dumme Leute sind gerne in der Überzahl oder einfach nur zu fett und zu faul für eine eigene Meinung und lassen sich damit beliefern. Wir leben in Ausnahmezeiten. Wenn der Pöbel in der Mehrheit ist oder für entsprechende Mehrheiten gesorgt hat, dann war manchmal alles zu spät. 

Es riecht nach Krieg. Wer kennt sich damit aus? Ich nicht. Kaum jemand. Es gibt Erfahrungen, die muss man wirklich nicht machen. Kriege kennen nur wenige Gewinner und meistens nur Verlierer.

Die Antworten auf Fragen der Zeit sind oft keine. Deshalb suche in stillen Ecken danach, bei alten Hasen, bei besonnenen Köpfen und bei denen, die sich noch der normalen Sprache bedienen und nicht nur der Emotionen und auf der Jagd nach den besten Überschriften. Sie sind meistens zu leise.

Propaganda stößt auf Gegenpropaganda, laut, wie in schlechten Beziehungen. Ein großes Geschrei in der Manege mit vielen Zaungästen, die Unterhaltung wünschen und dort sich ihre Meinung bilden bzw. gebildet bekommen. 

Wenn die Ukraine in der Nato wäre, gäbe es dann einen „Verteidigungsfall“? Zum Glück war die Ukraine nicht in der Nato, was vielleicht ein großes Versehen war, bevor die Schlagzeilen lospolterten und die Vermutungen die Tatsachen jagten. 

Was wäre im Fall der Fälle, wenn ein Einberufungsbefehl einträfe? Der wirkt manchmal wie ein Todesurteil und manchmal wie das Gefühl der Befreiung, endlich das zu tun, wozu so lange aufgerufen wurde, mit einer gebildeten Meinung, mit heißen Herzen und matschigen Birnen.

Ein paar Jahre später werden Denkmäler gesetzt, Feierstunden anberaumt und „Nie wieder!“ gerufen, bis es langweilt. In der Zwischenzeit dreht sich die Welt weiter und bewirkt neue Erfordernisse, denen es sich anzupassen gilt, wenn Leute in den Kampf ziehen, erst verbal, dann real. Es wäre ein Witz der Geschichte, wenn es heiße würde, aus Versehen abgeschossen… 



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