Abgeschmiert

26. Juli 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Nicht nur kommt die Nachfrage am Ölmarkt nicht wirklich ins Rollen. Auch die Förderung bleibt auch dank wieder aufgetauchter Mitspieler wie dem Iran auf hohem Niveau. Bei gleichzeitig weiterhin angespannter Lage in den Tanklagern nicht nur in den USA ist Spannung weiterhin garantiert…

Ein guter Indikator für die Probleme eines Wirtschaftssektors sind die Kreditausfallraten. Die Energiebranche in den Staaten steht trotz der temorär recht weit gelaufenen Aufwärtskorrektur beim Ölpreis vor wachsenden Problemen. Die Sensitivität des Sektors gegenüber erneuten Preisrückgängen ist hoch. Der Blick auf den Verlauf des Ölpreises in den letzten Jahren zeigt eines klar. Der Markt befindet sich weiterhin in einer übergeordneteten Abwärtsbewegung. Die Abbildung zeigt den kontinuierlichen Futureskontrakt, der Verlauf entspricht dem, was ein Anleger am Terminmarkt oder entsprechenden futuresbasierten Produkten (ETPs, Zertfikate) eingefahren hätte. Wo genau sich der von vielen gefeierte neue Bullenmarkt auf diesem Suchbild versteckt hält ist nicht bekannt.

 oil generic

Vor allem der Einfluss der Terminkurve zeigt hier seine unangenehme Seite. Der Terminmarkt befindet sich seit geraumer Zeit im Contango, die Terminkurve ist steil. Das bedeutet ein Anleger erleidet bei unverändertem Spotpreis ständig Rollverluste. Der Spotpreis ist für die Besitzer großer Öltanks interessant, für den normalen Anleger ist der Terminmarkt relevant. Man versucht sozusagen die ganze Zeit seine Rendite den Berg hochzurollen, eine überaus anstrengende Übung.

terminku

Die Kreditausfälle im US-Markt für High Yield Anleihen nehmen auch auf Grund der anhaltenden Probleme bei den schwächeren Energiefirmen weiter zu. Nicht nur die Ausfallraten ziehen an, auch die Restwerte im Insolvenzfall zeigen ein trauriges Bild. Sie erreichten ein Mehrjahrestief.

Auch wenn nicht nur die Ausfallraten im Energie- und Rohstoffsektor steigen bleiben diese Sektoren der Schwerpunkt. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Ausfallraten im US-High Yield Sektor.

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Gut zu erkennen ist die zyklische Natur der Kreditausfälle. Wenn ein Zyklus erst einmal gedreht hat, wird in der Regel auch bis zum Ende des Gewitters weitergemacht. Bei den Risikoprämien hat hingegen der Optimismus wieder Luft geschnappt. Die Differenz zwischen den Werten für  den gesamten Markt und dem Markt ohne die Energietitel ist fast vollständig verschwunden.

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Der entspannte Kreditzyklus ist vorbei, daran ändern auch die Niedrigzinsen nichts. Im Gegenteil, die lange künstlich tief gehaltenen Zinsen haben so manche de facto insolvente Firma länger am Leben gehalten, als das sonst möglich gewesen wäre. Nun sind die Insolvenzen dennoch unvermeidbar und der Preis des Herauszögerns sind die niedrigen revoveries. Die Unternehmen haben länger überlebt, haben aber in den letzten Jahren noch schnell das Mobiliar und alle Reserven verbrannt. Eine sinnvolle Restrukturierung ist in vielen Fällen nicht mehr sinnvoll umsetzbar.

 

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