Abenomics Live… Was ist in Japan los?

15. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Ganz unbemerkt der Öffentlichkeit jagen die Zinsen für japanische Anleihen in die Höhe. Das erinnert an den Beginn der Krise in Griechenland. Gibt es etwa eine Flucht aus den Anleihen? Oder kauft die japanische Notenbank zu wenige Staatsanleihen auf? Oder beides…?

Lasst uns zunächst in die Hände klatschen! Der Nikkei steht endlich wieder über 15.000 Punkten. Der Nasdaq-100 hat die Hürde von 3.000 Punkten überschritten. Wenn das keine tolle Nachrichten sind. Bis zum Rekord fehlen dem Technologie-Index noch über 2.000 Punkte. Dafür aber haben Dow Jones und S&P 500 ihre Rekordserie fortgesetzt. Der DAX steht jetzt so hoch wie noch nie – und auch noch nie waren die wirtschaftlichen Aussichten mitten im Wahlkampf besser. Was interessiert mich das? Ich schaue nach Japan und beobachte, wie man dort seine Währung vermöbelt. Die Zinsen am Anleihemarkt jagen durch die Decke…

Durch die Decke…. ist etwas überzogen, denn in Japan hängen die Decken etwas niedriger als hierzulande. Auch am Anleihemarkt. Dennoch ist es ein gewaltiger Sprung, wenn die fünfjährigen Anleihen in der Rendite von 0,1 auf 0,4 Prozent. Das geht so schnell, da ist der letzte Wert noch nicht im Chart angekommen…(Link)

Ein Fujiyama? Die 10-jährigen machen den Eindruck, als wollten sie dorthin. Vom 0,46% auf 0,86% hat schon was… vor allem Verluste für April-Käufer inmitten aller Euphorie. Ach, das gleicht der Kupon wieder aus? Scherzkeks! (Link)

Bis zu griechischen Verhältnissen ist noch etwas Zeit. Doch was ist das? Weltweit steigen gerade die Zinsen. Auch die Renditen der US-Staatspapiere fallen im Kurs und ihre Rendite steigt seit Anfang Mai von 1,63 auf 1,93 Prozent. Und im angeblich sicheren Hafen der deutschen Staatspapiere gibt es großen Wellengang. Der Bund-Future hat 280 Basispunkte verloren.

Mir ist es egal. Es waren andere Dummköpfen, die auch noch Geld dafür bezahlten, damit sie deutsche Staatspapiere kaufen durften. Vermutlich war es nicht mal ihr Geld, mit dem die hantierten. Oder aber sie wetten auf eine Aufwertung der Währung, wenn die böse Murkel-Mark zurückkehren sollte…. (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "Abenomics Live… Was ist in Japan los?"

  1. samy sagt:

    Aloha,

    eben habe ich „Harakiri Kuroda“ gelesen. Ja, machmal sehen bereits die Augen die Wahrheit zwischen den Zeilen.

    Jup, bin der selben Meinung. Spontan fallen mir noch zwei Sachen ein.

    Wir müssen uns daran gewöhnen, dass der Wettbewerb der Anlageklassen zunehmend nicht mehr über die größere Realverzinsung und Renditeerwartung läuft, sondern darüber was, denn die weniger schlechte bzw. riskante Anlage ist.

    Das führt mich zu einem Gedanken, den Faber oft äußert. Was hält man lieber in den Händen, bevor ein Staat Pleite geht? Anleihen, die 100% wertlos werden könnten oder ein Aktienportfolio aus Unternehmen, die hier und dort die Krise meistern könnten.

    Anders ausgedrückt, nähern wir uns in Japan den 2,2% Zinsen auf 10-Y-Anleihen, dann könnte sich eine Katastrophenhausse entwickeln, die sich nicht aus der zunehmenden Liquidität oder Renditezielen nährt, sondern aus der Gewissheit, dass ein Systemkollaps unausweichlich wird und Vermögen gerettet werden muss.

    Man könnte das als eine Variante des Greshamschen Gesetzes sehen, also mal salopp: „Bad Assets drives out the good Assets“. Anleihen werden auf die Märkte geworfen und andere Werte gebunkert. Das könnte sogar bei sinkender Geldmenge klappen (!!!), wenn die Anleger das langfristige Gesamtbild pessimistisch genug sehen und ein Systemende erwarten.

    Und die japanische ZB müsste das Spiel mitspielen und die Sammelstelle der Bad Assets sein, also der Anleihen, sonst trüge sie nur zum Pessimismus bei.

    Tja, so ein Blödsinn könnte passieren, wenn alle wissen, dass bei lächerlichen ca. 2,2% dem Staat die Luft ausgeht.

    VG

    Normalerweise beinhaltet jeder Zinsatz auch eine Risikokomponente, die die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalles einpreist. Wie pervertiert die Anleihemärkte durch die ZB-Interventionen bereits sind sieht man also daran, dass alle wissen, dass in Japan bei 2,2%-2,5% Schluß sein müsste und die Zinsen für 10-Y deutlich unter 1% dümmpeln.

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