Abenomics forte am Río Negro

28. Januar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Nach jahrelanger, quälend langsamer Abwertung hat Argentinien einen großen Schritt gemacht. Mit einem massiven Tagesverlust erreichte die argentinische Währung ein neues Allzeittief…

Gemäß der weltweit beliebten Abwertungs-Ökonomie müsste ein rasanter Wirtschaftsaufschwung bereits hinter der nächsten Ecke lauern.

Mit den Erfolgen ist das so eine Sache. Bleiben sie aus, schaut jeder hin, redet man sie herbei, will sie niemand sehen. Ein Jammer! So ist auch diesmal der freie Blick auf den vielbeschworenen japanischen Boom von einem lästigen neuen Rekord verstellt.

Erneut vergrößerte sich das Handelsbilanzdefizit und sorgt im pazifischen Institut für planwirtschaftliche Exportwunder für Erstaunen. Warum jemand in Japan oder anderswo überhaupt daran glaubt, mit einer Währungsabwertung für mehr Wohlstand sorgen zu können, ist nicht überliefert. Die wachsende Problematik der Handelsbilanzdefizite in Japan jedenfalls sollten niemanden überraschen. In der Aussichtslosigkeit des Ansatzes aber auch in der Art und Weise der konsequenten Beteuerungen, auf dem einzig richtigen Weg zu sein, erinnert diese ökonomische Hoffnungsbewegung an die regelmäßig erscheinenden (und wieder verschwindenden) Weltuntergangssekten.

Letzteren würde auch der Chart des argentinischen Pesos zusagen, der gegenüber dem US-Dollar und so ziemlich allem anderen ein neues Allzeittief erreicht hat. Auf dem Weg zum inneren Wert ist die argentinische Währung somit erneut einen großen Schritt vorangekommen.

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Abgesehen von den üblichen Verkomplizierungen der wirtschaftlichen Gedankenspiele blenden die Wirtschaftsplaner der Abwertungsschule konsequent eine Seite der Medaille aus. Wer die Exporte über eine schwache Währung billiger („wettbewerbsfähiger“) machen will, verteuert im Umkehrschluss die Einfuhren. Ein höherer Schulabschluss ist für diese Erkenntnis und eine Auslotung der möglichen Folgen nicht vonnöten.

Wer ein solches Experiment in einem Land wagt, das von Einfuhren sowohl bei Basismetallen als auch bei Lebensmitteln und Energieträgern angewiesen ist, der fährt den Wagen wenn schon nicht absichtlich so doch fahrlässig über die Klippe. In der Schweiz gab es übrigens reichlich Widerspruch gegen die „alternativlose“ Währungskursfestlegung durch die Zentralbank. Berichtet wurde darüber wenig, offensichtlich ist eine Debatte über derartige Experimente nicht gewollt.

Was generell von den Befürwortern einer dauerhaften Währungsabwertung ignoriert wird, sind die positiven Seiten einer starken Währung…  (Seite 2)

 

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9 Kommentare auf "Abenomics forte am Río Negro"

  1. gilga sagt:

    In stillem Gedenken an Prof. Dr. Wilhelm Hankel, der nicht müde wurde den im Zentrum des Artikels stehenden Fakt (Betrachtung beider Seiten der Gleichung bei Währungsab- und Aufwertungen) immer wieder zu betonen.

    “ Ein höherer Schulabschluss ist für diese Erkenntnis und eine Auslotung der möglichen Folgen nicht vonnöten“.

    Dem würde ich mal widersprechen. Schauen Sie sich die Aufgabenstellungen Mathematik für 9. und 10. Klasse Abschlüsse an und ziehen Sie mal den erreichten Notendurchschnitt hinzu… zum Glück haben wir ja eine hohe Abiturquote in Deutschland *aua*

    • gilga sagt:

      PS: Die Verwerfungen auf den Währungsmärkten nehmen sichtbar zu. Das ist in jedem Fall interessant. Auch das Bild bei den Rohstoffen (Öl, Dr. Cooper, …) gibt zu denken. Warten wir mal ab was 2014 so bringt…

      • Bankhaus Rott sagt:

        Hallo Gilga,

        tja, wie heißt es so schön: „Sei froh wenn Du in langweiligen Zeiten lebst“. Mit der Langeweile ist es allerdings in der Tat schon eine ganze Weile vorbei …

        Beste Grüße und alles Gute für das wohl spannende Jahr 2014
        Bankhaus Rott

        • gilga sagt:

          Ein frohes 2014 auch an das Bankhaus Rott. Ich denke wir dürfen ein spannendes 2014 erwarten… vielleicht sogar zu spannend. Hoffen wir das der Name des Bankhauses nicht Programm wird.

  2. FDominicus sagt:

    Danke, danke und nochmal danke liebes Bankhaus Rott. Ich hab es versucht sogar in einen historischen Zusammenhang zu bringen. Den „Abwertungswettlauf“ vor dem 1. WK. Ich habe gefragt was denn der „sittliche“ Nährwert von einem schwachen CH wäre daß man eine Obergrenze einzog, in einem Land was so viel auch importieren muß.? Abwertung heißt doch auch, alle Importe werden verteuert … Was ist daran so unverständlich? Warum ist es schlecht billiger an Importe zu kommen?

    Daher noch mal danke, ich dachte schon es läge „nur an mir“ 😉

  3. wroesner sagt:

    Kleine Nebenbemerkung: der Rio Negro, zumindest der bekanntere, liegt in Amazonien, einem Bundesstaat im Norden Brasiliens. Argentinien wird im Allgemeinen mit dem Rio de la Plata, dem Silberfluß, assoziiert, weil Buenos Aires an dessen Mündungs liegt. Besserwisserei, sicher. Vielleicht gibt es ja auch in Argentinien einen Rio Negro, wer weiß…

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo wroesner,

      möglicherweise gibt es mehrere „rio negros“ in Südamerika. Bei Wikipedia heißt es „Der Rio Negro ist ein etwa 637 Kilometer langer Fluss in Argentinien.“ Zudem gebe es eine gleichnamige argentinische Provinz.

      Wir waren allerdings nicht vor Ort um diese Information zu verifizieren.

      Hasta luego
      Bankhaus Rott

    • Skyjumper sagt:

      Der bekanntere, und mit mehr als 2.000 km auch deutlich längere, Rio Negro liegt tatsächlich im Amazonasbecken. Aquarianern bestens bekannt. Und tatsächlich gibt es in Südamerika neben den beiden schon genannten noch ein paar Flüsse die so genannt werden.

      Macht doch aber gar nichts. So kann sich jeder Abenomic seinen eigenen Rio Negro aussuchen. Zur Not exportiert man den Namen sogar nach Südafrika, die Türkei und weitere möchtegern-abenomics. Zur Zeit gewinnt man eh den Eindruck dass dies ein wahrer Exportschlager werden könnte.

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