A0AB83 – Irrflug der Blechgurken

31. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer –

Goldminen? Wie sagte der Experte neulich? Mit Indexzertifikaten partizipieren Sie 1:1 an der Entwicklung eines Index. Es klang nach… Seien Sie dabei! Gewinne Sie! Sie brauchen nur ein Zertifikat – und schon sitzen die auf dem Karussell des Glücks. Doch wie es aussieht, muss das Glück schon doppelt zuschlagen, dass daraus etwas wird. Doppelt hält bekanntlich besser…

Ach, Sie interessieren sich für Minenaktien? Aber welche? Nun, da werden Sie geholfen, wenn Sie auf ein Zertifikat zurück greifen – müssen Sie den ganzen Aufwand mit den Einzeltiteln nicht betreiben. Wie praktisch!

Ich frage mich, wie es sein kann, dass unter der Prämisse ein Index um 13% in zehn Jahren steigt, das Indexzertifikat dagegen um 74% fällt?

Wie kann ich es wagen… Minenaktien, also Blechgurken sind absolut out. Wirklich! Nie wieder! Sie wollen es trotzdem? Na bitteschön! Was hätten wir denn da im Angebot? Es soll Zertifikate geben, die weisen aus, dass sie etwas gekauft haben. Manchmal haben sie etwas ganz anders drin, habe ich mir sagen lassen… Irgendwelche Swaps… So genau reinschauen kann man da nicht. Da können in einem DAX-Papier schon mal Nikkei-Papiere stecken. Die Performance soll die Gleiche sein. Wen kümmert es.

Doch man könnte bei einem Indexzertifikat doch davon ausgehen, dass das mit einem Index parallel läuft, also grob zumindest? Liege ich da falsch? Nun, mir ist es egal, aber ein Freund hat mich auf den Flug von A0AB83 aufmerksam gemacht – einem Indexzertifikat auf den Acra Gold Bugs, dem HUI, dem großen (haha, inzwischen kleinen) Index für Minenaktien...

A0AB83 erinnert mich an einen chemischer Zusatz in irgend einem verschmutzten Lebensmittel, ist aber nur die Wertpapierkennummer. Es bildet den HUI ab, zumindest sollte es das. Heute verstehe ich übrigens, was mit Mine gemeint ist – etwas zum Drauftreten. Peng! Manchmal explodieren die Preise – bei A0AB83 eher die Verluste.

Erinnern Sie sich an das letzte Tief im Jahr 2008? Dieses Tief bei rund 170 Punkten wurde neulich noch nicht unterschritten. A0AB83 sollte diese Entwicklung des HUI doch einigermaßen nachbilden können. Oder nicht? Hier der HUI im Chart…

HUI-4

Und hier die Entwicklung von A0AB83. Das steht weit unter dem Tief des Jahres 2008, obwohl der HUI mit 280 Punkten rund 110 Punkten über dem alten Tief notiert. Ist das nicht erstaunlich?

A0AB83

Ausgegeben wurde das Zertifikat am 30.12.2003 für 24,58 Euro bei einem HUI-Stand von 245,4 Punkten. Es handelt sich dabei um ein Zehntel des Index. Heute steht der HUI bei 280 Punkten oder 14 Prozent über dem Stand von damals.

Das Zertifikat notiert am Freitag bei 7,20 Euro oder 74 Prozent unter dem Ausgabepreis. Während der HUI in US-Dollar notiert, wird der Preis für das Zertifikat in Euro gerechnet. Oha! Der US-Dollar ist seit der Emission des Zertifikats um drei Prozent gegenüber dem Euro gestiegen. Das Zertifikat ist jedoch währungsgesichert. Die Absicherungsgebühr beträgt 3,69 Prozent laut Internetseite der RBS (Link).

Ich weiß nicht, was ich davon zu halten habe, sondern schaue nur auf die Entwicklung. Sind es die Finanzierungskosten für diese Struktur, die das Zertifikat so haben absacken lassen? Ich weiß es nicht. Für mich zählen in erster Linie die Zahlen und in zweiter Linie, ob so ein Zertifikat aus der Royal Bank of Schottland, der Name macht was her, wirklich so königlich ist. Das war die Mühe mit dem Taschenrechner sicherlich wert. Der 1:1 Flug in einem Indexzertifikat war ein Absturz, während der Original-Index weiter fliegt. Originale waren immer schon besser als die Kopien.



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